Die „Zither des Heiligen Geistes“: Benedikt XVI. über den heiligen Ephräm

Von Armin Schwibach

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ROM, 28. November 2007 (ZENIT.org).- In seiner Katechese während der Generalaudienz stellte Papst Benedikt XVI. heute, Mittwoch, den Pilgern die Gestalt des heiligen Ephräm aus Syrien (um 306 in Nisibis, † 9. Juni 373 in Edessa) vor, des „angesehensten Dichters der ganzen Epoche der Patrisik“.



Zusammen mit der Katechese der letzten Woche über den heiligen Aphrahat wollte der Papst hervorheben, dass das Christentum keine „europäische Religion“ ist, da sich die Wurzel des Christentums im Alten Testament und somit in Jerusalem und in der semitischen Welt findet. Das Christentum sei vielmehr in einer kulturellen Vielförmigkeit entstanden.

Ephräm war der wichtigste Vertreter des Christentums syrischer Sprache. Ihm sei es gelungen, „in einzigartiger Weise die Berufung zum Theologen und jene zum Dichter miteinander zu verbinden“.

Benedikt XVI. verwies darauf, dass es die Dichtung Ephräm ermögliche, die theologische Reflexion durch Paradoxe und Bilder zu vertiefen. Gleichzeitig werde seine Theologie zu Liturgie und Musik. „Theologie, Nachdenken über den Glauben, Dichtung, Gesang, Lob Gottes gehen zusammen“, so der Papst. „Und gerade in diesem liturgischen Charakter tritt in der Theologie Ephräms die göttliche Wahrheit klar hervor.“

Der Weg, den Ephräm bei seiner Suche nach Gott beschreitet, sei der Weg des Paradoxes und des Symbols. Die Entgegensetzungen dienten ihm dazu, das Geheimnis Gottes hervorzuheben.

Der Dichtung und den Hymnen für die Liturgie verleihe Ephräm einen didaktischen und katechetischen Charakter. Seine Hymnen eigneten sich gleichzeitig für das Gebet und den liturgischen Gesang. So verbreite er die Lehre der Kirche durch den Gebrauch der Hymnen während der liturgischen Feiern.

Benedikt hob anschließend die Überlegungen Ephräms zum Thema des Schöpfergottes hervor. Nichts in der Schöpfung stehe allein für sich, und „die Welt ist neben der Heiligen Schrift eine Bibel Gottes“, so der Papst.

Für Ephräm sei auch die Rolle der Frau von großer Bedeutung gewesen. Ohne die Menschwerdung Jesu im Schoß Mariens hätte es kein Erlösungswerk gegeben. Die göttliche und menschliche Dimension des Geheimnisses der Erlösung finden sich, so der Papst, bereits in den Texten Ephräms. So nehme er auf poetische Weise und in Bildern, die in der Regel der Schrift entnommen sind, den theologischen Hintergrund und in gewisser Weise die Sprache der großen christologischen Definitionen der Konzilien des fünften Jahrhunderts vorweg.

Die Tradition ehrte Ephräm mit dem Beinamen „Zither des Heiligen Geistes“. Sein Leben lang diente er der Kirche als Diakon, als Diener an der Liebe Christi und an der Liebe zu den Brüdern, die er in die Kenntnis der göttlichen Offenbarung einführte.