„Dienst an der Wahrheit“ und gelebte Barmherzigkeit haben Vorrang: Studenten begegneten Bischof Boccardo

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ROM, 2. Mai 2007 (ZENIT.org).- Den „Dienst an der Wahrheit“ und die gelebte Barmherzigkeit sieht Bischof Renato Boccardo, Generalsekretär des Vatikanstaates, als die beiden vorrangigen Aufgaben der heutigen Zeit an.



Viele Menschen seien verwirrt und wüssten nicht, welchen Weg sie einschlagen beziehungsweise wie sie leben sollten, erklärte der Bischof in der vergangenen Woche im Vatikan. Die Kirche wolle daher den Menschen die Wahrheit über Gott und über den Menschen näher bringen.

Bei einer Begegnung mit 40 Studenten aus Wien, die sich auf Initiative der katholischen Gemeinschaft Emmanuel einige Tage in der Ewigen Stadt aufhielten, wies Bischof Boccardo außerdem darauf hin, dass Jesus im Umgang mit seinen Mitmenschen barmherzig gewesen sei und mit ihnen Mitleid gehabt habe; immer habe er sie eingeladen („Wenn du willst“), nie gezwungen („Du musst“).

Der Generalsekretär des Vatikanstaates hatte zunächst einige geschichtliche Aspekte des Stadtstaates, vor allem die Erlangung der Souveränität 1929, beleuchtet und den organisatorischen Aufbau des Vatikans erläutert. Die Finanzierung erfolgt seinen Ausführungen zufolge weitgehend aus den Einkünften der vatikanischen Post, der Museen und des Münzverkaufs. Der Papst und sieben ihm unterstellten Kardinäle leiteten den Staat und bestimmten im Rahmen von zwei Begegnungen jährlich über ein Budget von rund 200 Millionen Euro.

Auf die Fragen der Studierenden eingehend, kam der Bischof anschließend auf die unterschiedlichen Charaktere von Papst Johannes Paul II. und Papst Benedikt XVI. zu sprechen. Ersteren bezeichnete er als eine offene Person, als „Theologen, Künstler und Dichter“, der sich großer Beliebtheit erfreut habe und gleichsam zu einem „Popstar“ hochstilisiert worden sei. Karol Wojtyla habe 103 internationale Reisen unternommen und seine Medienbegabung bewusst eingesetzt.

Benedikt XVI. – mehr Theologe mit einer Vorliebe für das Studium – sei nicht so „auftrittssicher“ wie sein Vorgänger, empfange aber dennoch unzählige Menschen.

Im zweiten Jahr des Pontifikats von Papst Benedikt haben 3,3 Millionen Menschen an öffentlichen Begegnungen mit dem Nachfolger des Apostels Petrus im Vatikan teilgenommen, berichtete die Präfektur des Päpstlichen Hauses am 18. April. In den vergangenen zwölf Monaten haben demnach mehr als eine Million Pilger an den Generalaudienzen des Papstes teilgenommen. Mehr als 350.000 kamen zu Sonderaudienzen, mehr als 530.000 nahmen an den liturgischen Feiern mit Benedikt XVI. teil, mehr als 1,6 Millionen am sonntäglichen Angelus-Gebet.