Dienst, Professionalität und Heiligkeit

Dankesrede von Papst Franziskus an Kurienmitarbeiter

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 429 klicks

Am Samstag empfing der Papst wie jedes Jahr traditionell kurz vor Weihnachten die Mitarbeiter der Kurie zur Weihnachtsbegegnung und beschrieb in seiner Ansprache ihre Charakteristika mit den Worten „Dienst, Professionalität und Heiligkeit“. Bevor er sich allen Anwesenden zuwandte, dankte er zunächst Erzbischof Pietro Parolin, der vor kurzem seinen Dienst als neuer Staatssekretär des Vatikans angetreten hat. Dann sagte er:

„Ich habe an diesem meinem ersten Weihnachten als Bischof von Rom das Bedürfnis, euch allen als Arbeitsgemeinschaft wie auch jedem Einzelnen persönlich ein großes Danke zu sagen. Ich danke euch für euren tagtäglichen Dienst: für die Sorgfalt, den Fleiß, die Kreativität; für den nicht immer leichten Einsatz, im Büro zusammenzuarbeiten, einander anzuhören, sich auseinanderzusetzen, die verschiedenen Persönlichkeiten und Qualitäten in gegenseitigem Respekt zur Geltung zu bringen.”

Anschließend dankte er besonders einer speziellen Gruppe unter den Mitarbeitern der Kurie:

„Ein spezielles, herzliches Danke also an euch, liebe Mitbrüder, die ihr die Kurie verlasst, besonders an diejenigen, die hier jahrelang mit großer Hingabe im Verborgenen gearbeitet haben. Das ist wirklich bewundernswert. Ich bewundere diese Prälaten sehr, die dem Beispiel der alten Kurialen folgen, diesen vorbildlichen Personen… Doch auch heute haben wir solche! Menschen, die mit Sachkenntnis, Genauigkeit und Opferbereitschaft arbeiten und so ihre tägliche Pflicht sorgfältig erfüllen.”

Papst Franziskus nutzte die Gelegenheit der Weihnachtsbegegnung, um einige Gedanken über den Charakter des Dienstes in der Verwaltung des Vatikans zu formulieren.

„Aus diesem Vorbild und diesem Zeugnis leite ich die Merkmale eines Kurienmitarbeiters – und erst recht eines Vorgesetzten – ab, die ich hervorheben möchte: Professionalität und Dienst. Die Professionalität – das bedeutet Sachkenntnis, Studium, Fortbildung… Das ist ein grundlegendes Erfordernis, um in der Kurie zu arbeiten. (...) Und das zweite Merkmal ist der Dienst, der Dienst für den Papst und die Bischöfe, für die Weltkirche und für die Teilkirchen. In der Römischen Kurie erfährt, ,atmet‘ man in besonderer Weise gerade diese zweifache Dimension der Kirche, diese gegenseitige Durchdringung von Universalem und Teilbezogenem; und ich denke, es ist eine der schönsten Erfahrungen derer, die in Rom leben und arbeiten: die Kirche in dieser Weise ‚wahrzunehmen‘.“

Besonders die Professionalität habe dabei eine besondere Bedeutung, so der Pontifex. Allzu oft rutsche sie in die Mittelmäßigkeit herab, Akten würden zu „klischeehaften Informationen“, ohne innerlich treibende, lebendige Kraft, die den Blick auf das große verstellten. Er erklärte dazu:

„Wenn andererseits die Haltung nicht die des Dienstes für die Teilkirchen und ihre Bischöfe ist, wächst die Struktur der Kurie wie ein schwerfälliges Zollamt, eine bürokratische Untersuchungs- und Kontrolleinrichtung, die dem Wirken des Heiligen Geistes und dem Wachsen des Gottesvolkes keinen Raum lässt. … Wir wissen sehr wohl, dass sie das wichtigste Merkmal in der Rangordnung der Werte ist. Tatsächlich ist sie die Grundlage auch der Arbeitsqualität und des Dienstes. Ich möchte hier auch sagen, dass es in der römischen Kurie Heilige gegeben hat und Heilige gibt. Das habe ich auch mehr als einmal öffentlich gesagt. Heiligkeit bedeutet ein in den Heiligen Geist ‚eingetauchtes‘ Leben, die Öffnung des Herzens für Gott, beharrliches Gebet, tiefe Demut, brüderliche Liebe im Umgang mit den Kollegen. Heiligkeit bedeutet auch Apostolat – ein mit Eifer und in direktem Kontakt mit dem Volk Gottes ausgeübter taktvoller, treuer seelsorglicher Dienst. Das ist unverzichtbar für einen Priester.“

Er mahnte die Mitglieder der Kurie, sich aus Gewissensgründendem der Klatscherei zu verweigern.

„Wir beharren zu Recht sehr auf dem Wert der Verweigerung aus Gewissensgründen, doch vielleicht müssen wir sie auch anwenden, um uns gegen ein ungeschriebenes Gesetz in unseren Kreisen zu verteidigen, welches leider das des Klatsches ist. Üben wir also alle die Verweigerung aus Gewissensgründen; und beachtet, dass ich hier nicht bloß moralische Erwägungen anstellen will! Der Tratsch verdirbt die Menschen, beeinträchtigt die Arbeitsqualität und schadet dem Betriebsklima.“

Zum Abschluss seiner Rede verglich Papst Franziskus den Dienst für die Kirche mit dem Verhalten des heiligen Joseph, der „still und notwendig“ an der Seite seiner Familie gestanden habe und sagte: „Leben wir also diese Weihnacht in der geistigen Nähe zum heiligen Josef.“