Dieser Papst gefällt uns!

Name, Herkunft, Wirkung und Gefühlsbetontheit des neuen Papstes Franziskus von der Öffentlichkeit mit Wohlwollen und breiter Zustimmung aufgenommen

Rom, (ZENIT.org) Salvatore Cernuzio | 1433 klicks

„Papa Francesco” (Papst Franziskus). Die Kombination aus dem höchsten Titel der katholischen Weltkirche und dem häufigsten männlichen Namen in Italien erzeugt eine bestimmte Wirkung und löst Gefühle der Zuneigung aus. Noch berührter ist man, wenn man dazu den dazgehörigen Träger betrachtet.

Ein Papst, der fast schüchtern auf die Loggia des Petersdomes tritt und „Buona sera“ (Guten Abend) wünscht. Ein Papst, der mit bebender Stimme spricht und sich beim Ave Maria verhaspelt, der seine ersten Gedanken seinem Vorgänger widmet und als „Oberhaupt“ der Kirche zunächst den Segen von seinem Volk erbittet.

In der großen Schar von Gläubigen, die sich am Dienstag, dem 13. März 2013, mit ihren Smartphones und Tablets ausgerüstet, auf dem Petersplatz drängte, hinterließen diese kleinen Gesten einen tiefen Eindruck. Sie offenbarten sich auch den Tausenden von Menschen, die den Blick auf ihre Fernseh- oder Computerbildschirmen geheftet hielten und so manches Zeichen der Besonnenheit des Papstes aus noch größerer Nähe erkennen konnten.

In seinem Äußeren erinnert Papst Franziskus an Johannes XXIII., er erweckt die Sympathie von Papst Wojtyla, spricht mit der Einfachheit von Johannes Paul I. und teilt die Gedanken Joseph Ratzingers. Die Antwort auf diese explosive Mischung ist eindeutig: „Dieser Papst gefällt uns“.

Unter den Nutzer der verschiedenen sozialen Netzwerke, die Stimme unserer Zeit mit dem lautesten Widerhall, regten sich Begeisterungsstürme über den neuen Papst. Franziskus bewegt prominente Persönlichkeiten und das gewöhnliche Volk gleichermaßen. Er ist niemandem gleichgültig. Man betrachtet ihn mit Ironie, vielleicht ein wenig Zynismus, aber mit überraschendem Wohlwollen.

Vor allem die Wahl des Namens kennzeichnet einen Bruch mit der Vergangenheit. Bei der Verkündigung des Namens Franziskus wurde im kollektiven Bewusstsein die Figur des bescheidene Heiligen von Assisi, des Patrons von Italien, wachgerufen und unter alle vergifteten Beschreibungen der Kirche als „Nest machthungriger Scheinheiliger“ ein Schlussstrich gezogen.

„Bereits der Name ist eine Garantie“, schrieben einige Internetsurfer. „Er ist direkt, einfach, und der südamerikanische Akzent macht den Unterschied”, behaupteten andere. Auf Facebook, einem häufigen Nährboden für antiklerikale Seiten und die Linke, finden sich eindrucksvolle Pinnwände voller Fotos mit dem Papst, der Straßenbahn fährt oder Aidskranken die Füße küsst.

Ein Nutzer, den die Situation am Petersplatz ganz besonders überwältigt hat, schildert seinen Eindruck folgendermaßen: „Ein sonst immer verschlossener Balkon öffnet sich, und es erklingen die Worte der zeitlosen Predigt, die diesmal auf eine nahe Zukunft fern von Rom, fern von Europa, weist. Diesmal ist die Zustimmung einhellig: Die Herkunft, die Wirkung, die Gefühlsbetontheit und der Name haben die Herzen aller im Sturm erobert.“

Einige Einzelheiten aus dem Leben des Papstes sind bereits Geschichte. Die seltenen, aber vergnüglichen öffentlichen Statements sind Gegenstand zahlreicher Tweets, beispielsweise die Aussage: „Ich hatte eine Freundin. Sie gehörte zur Gruppe der Freunde, mit denen ich tanzen ging. Dann habe ich meine religiöse Berufung erkannt.“, der gewählte Trinkspruch: „Möge Gott euch verzeihen“ beim gemeinsamen Abendessens mit den Kardinälen am Dienstag, oder der Satz: „Nein, in Rom sterbe ich“ als Reaktion auf den ihm unterbreiteten Vorschlag, die Leitung eines Dikasteriums der Römischen Kurie zu übernehmen.

Den Verfechtern einer „barfüßigeren“ Kirche, die sich der Armen mehr annimmt, sei folgende Begebenheit geschildert: Als die Diözese von Buenos Aires im Jahr 2001, nach der Erhebung Bergoglios in den Kardinalsstand durch Johannes Paul II., Sammlungen für eine Reise nach Rom durchführten, damit man dem neuen Kardinal huldigen könne, blockierte dieser die Initiative und erbat die Verteilung des gesammelten Geldes an die Armen. Es mag auch trösten, dass sich Bergoglio am Dienstag ohne Mozzetta und Stola zeigte und das Brustkreuz aus seiner Zeit als Bischof trug. Außerdem nahm er in der Sixtinischen Kapelle nicht auf dem Thron Platz.

Beim Konklave von 2005, aus dem Benedikt XVI. als Papst hervorging, konnte Bergoglio die größte Zahl der Stimmen auf sich vereinigen. Den Tagebuchaufzeichnungen eines wahlberechtigten Kardinals zufolge sei „sein verzerrtes Gesicht, gleichsam ein Ausdruck des inneren Gebetes darum, nicht gewählt zu werden“, ausschlaggebend für die Wahl Ratzingers gewesen.

Kürzlich wurde auch bekannt, dass der neu gewählte Heilige Vater am Dienstag, als er im Haus des Klerus in der Via della Scrofa seine persönlichen Gegenstände abholte, seine Rechnungen begleichen wollte. Um 22.00 Uhr habe er mit seinen Freunden in Rom telefoniert und sich folgendermaßen vorgestellt: „Guten Tag. Hier spricht Pater Bergoglio…“.

Der neue Papst ist zweifellos bescheiden. Die eindrucksvollste Manifestation dafür war sein erster öffentlicher Auftritt am Dienstag, als er mit wenigen Sätzen bereits die Ausrichtung seines Pontifikates bekanntgab. Ezio Mauro, Direktor der italienischen Tageszeitung „La Repubblica“, brachte dies mit folgenden Worten auf den Punkt: „Bergoglio bezeichnete sich in seinen ersten Worten nie als Papst(d.h., als Oberhaupt und Vikar Christi), sondern als Bischof und daher als Hirte. Er verkündete, dass der Bischof von Rom und sein Volk den Weg gemeinsam zurücklegen werden.“

Der Papst wird daher ein Bischof unter den Bischöfen sein, ein Hirte, der seine Kraft nicht aus dem Primat, sondern aus dem Glauben seiner Herde schöpft, von der er mehrmals Sondergebete erbeten hatte. Wie der bekannte Philosoph Vittorio Alberti bemerkt hat, wird er ebenso wie seine in der Geschichte des Christentums herausragenden Namensgenossen (Franz von Assisi, Franz Xaver, Francisco de Borja) das Evangelium Christi „bis an das Ende der Welt“ tragen. Von dort sei er, seinen eigenen Worten zufolge, gekommen.