„Dieses Sakrament müssen wir wirklich neu erlernen“: Der Papst wünscht sich eine Erneuerung der Beichtpraxis

„Schon unter einem rein anthropologischen Gesichtspunkt ist es wichtig, einerseits Schuld zu erkennen und andererseits Vergebung zu üben“

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ROM, 8. November 2006 (ZENIT.org).- Benedikt XVI. rief am Dienstag dazu auf, den Wert des Sakraments der Versöhnung, „das ja in den letzten etwa 50 Jahren immer mehr verkümmert ist“, neu schätzen zu lernen.



Beim Empfang der Schweizer Bischöfe am Dienstagvormittag im Vatikan ging der Heilige Vater neben einer Reihe weiterer Themen auch auf die abnehmende Beichtpraxis ein, die mit dem „weit verbreiteten Ausfallen des Sündenbewusstseins“ einhergehe.

Das „Geschenk des Bußsakraments“ bestehe angesichts dieser Entwicklung nicht nur darin, „dass wir Vergebung erhalten, sondern darin, dass wir zunächst einmal überhaupt unsere Vergebungsbedürftigkeit bemerken und dadurch schon gereinigt werden, uns innerlich verändern und dann auch andere besser verstehen und ihnen vergeben können.“

Benedikt XVI. wies vor den Hirten aus der Schweiz darauf hin, dass die Erkenntnis von Schuld für den Menschen „elementar“ sei; ja, „er ist krank, wenn er sie nicht mehr erkennt“, fügte der Papst hinzu. Genauso wichtig sei „die befreiende Erfahrung, Vergebung zu empfangen“. Und für diese beiden Dinge „ist das Sakrament der Versöhnung der entscheidende Einübungsort“.

Wo gebeichtet werde, „dort wird der Glaube ganz persönlich und verbirgt sich nicht mehr im Kollektiv. Wenn der Mensch sich der Herausforderung stellt und in seiner Lage der Vergebungsbedürftigkeit gleichsam ‚schutzlos’ vor Gott tritt, macht er die ergreifende Erfahrung einer ganz persönlichen Begegnung mit der Liebe Jesu Christi.“

In Dankbarkeit dachte der Bischof von Rom an jene „Klöster, Abteien und Wallfahrtsorte, zu denen die Menschen pilgern und wo sich ihr Herz öffnet und auch bereit ist zum Bekenntnis“. Und er fügte hinzu: „Dieses Sakrament müssen wir wirklich neu erlernen. Schon unter einem rein anthropologischen Gesichtspunkt ist es wichtig, einerseits Schuld zu erkennen und andererseits Vergebung zu üben.“

In Bezug auf das Priestertum hatte der Heilige Vater zuvor zu bedenken gegeben, dass die Verwirklichung dieser Berufung nur dann auch wirklich „schön“ sei, „wenn es da einen Auftrag zu erfüllen gilt, der eine Ganzheit ist, an dem man nicht einfach herumschneiden kann“. Zu diesem Auftrag gehöre „immer schon – auch im alttestamentlichen Kult – die Pflicht des Priesters, mit dem Opfer das Wort zu verbinden, das wesentlicher Bestandteil des Ganzen ist. Rein praktisch müssen wir dann natürlich dafür sorgen, den Priestern die nötigen Hilfen zu geben, damit sie auch den Dienst des Wortes recht tun können. Grundsätzlich ist diese innere Einheit sowohl des Wesens der Eucharistiefeier wie auch des Wesens des priesterlichen Dienstes ganz wichtig.“