Diffamierung, Ausgrenzung und strafrechtliche Verfolgung von Christen in den OSZE-Ländern

Sekretär des päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden verurteilt wachsende Intoleranz gegen Christen

Rom, (ZENIT.org) Jan Bentz | 524 klicks

Bespitzelungen, Gefängnis, Verlust der Arbeit: Bischof Mario Toso, Sekretär des päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, hat in seiner Ansprache bei einer OSZE-Konferenz über die Diskriminierung von Christen und Mitgliedern anderer Religionsgemeinschaften in der albanischen Hauptstadt Tirana betont, Christen würden in vielen OSZE-Mitgliedsstaaten (die OSZE umfasst neben Europa auch das ehemals sowjetische Zentralasien, die USA und Kanada) in ihrer freien Meinungsäußerung, besonders bei moralischen Themen, stark eingeschränkt, was bis zur strafrechtlichen Verfolgung reiche.

In seiner gestern vom Vatikan im Wortlaut veröffentlichten Ansprache beklagte er Bespitzelungen selbst privater Unterhaltungen zwischen Christen, zum Beispiel in sozialen Netzwerken, die zu Anschuldigungen und juristischer Verfolgung führten. Religionsvertreter, die sich mit Bezug auf die Lehre des Evangeliums negativ über bestimmte sexuelle Gewohnheiten äußerten, müssten mit Gefängnisstrafen rechnen.

„Religiöse Führer wurde nach Predigten über unmoralisches Verhalten mit der Polizei gedroht, und einige wurden sogar zu Gefängnisstrafen verurteilt, nachdem sie über die biblische Lehre im Zusammenhang mit sexueller Unmoral gepredigt hatten“, so der Bischof.

Besondere Nachteile und Diskriminierungen erlebten die Christen auch an ihren Arbeitsplätzen. Es seien viele Fälle bekannt, wo sie ihre Arbeit wegen der Äußerung ihrer Überzeugungen verloren hätten. Zudem würden sie gezwungen, gegen ihr christlichen Gewissen zu handeln, um ihre Arbeitsstelle zu behalten:

„So sind im 21. Jahrhundert einige Bürger der OSZE gezwungen, zwischen zwei unmöglichen Szenarien zu wählen: Sie können ihren Glauben aufgeben und gegen ihr Gewissen handeln, oder sie widerstehen und sehen der Tatsache ins Auge, ihre Existenzgrundlage zu verlieren.“

Eine solche Diskriminierung sei aber nicht nur für die Christen alamierend, sondern bedeute eine ernsthafte Gefahr für jede Gesellschaft, auch dort, wo Christen in der Mehrheit seien.

Er appellierte an die OSZE-Staaten, Christen überall das Recht auf freie Meinungsäußerung zu garantieren. Dies müsse auch für Themen gelten, bei denen sie eine andere Auffassung als die jeweilige Regierung verträten.

Der Bischof wandte sich mit folgendem Aufruf direkt an den Präsidenten der Versammlung:

„Intoleranz im Namen der ‚Toleranz‘ muss mit seinem richtigen Namen genannt und öffentlich verurteilt werden. Ein moralisches Argument, das auf der Religion beruht, an einem öffenlichen Ort zu verbieten, ist ein Akt von Intoleranz und antidemokratisch.“

Es sei zunehmend festzustellen, dass es in vielen OSZE-Ländern inzwischen eine scharfe Trennung zwischen religiöser Überzeugung und erlaubter religiöser Praxis gebe, so Toso weiter. Christen werde zwar freigestellt zu glauben, was sie wollten, jedoch häufig nur solange, wie sie ihren Glauben nicht in der Öffentlichkeit praktizierten. Dies sei ein „bewusst verdrehtes und einschränkendes Verständnis von dem, was Religionsfreiheit eigentlich bedeutet", und widerspreche der Schlussakte von Helsinki aus dem Jahr 1975 sowie anderen Verlautbarungen der KSZE und der heutigen OSZE.

Die Frage der Religionsfreiheit sei in der Rangordnung der Rechte nicht als minderwertig zu betrachten.

„Im Hinblick auf die Prävention und Reaktion auf Intoleranz, Diskriminierung und Hassverbrechen gegen Christen ist meine Delegation der Meinung, dass dies in enger Verbindung mit der Förderung der Religionsfreiheit betrachtet werden muss. Das Recht, an Gott zu glauben und diesen Glauben zu praktizieren, ist ein grundlegendes Menschenrecht, und dies zu garantieren, muss im Zentrum der Arbeit der OSZE stehen.“

Der Vatikanvertreter forderte auch ein strengeres Vorgehen gegen Vandalismus in Kirchen und auf Friedhöfen. Dies sei in der gesamten Region der OSZE-Staaten verbreitet. Graffiti mit beleidigenden Inhalten und beschädigte Grabsteine seien nicht nur „harmlose Handlungen von verantwortungslosen Teenagern oder geistig verwirrten Personen“, wie oft behauptet werde. Solche Taten seien vielmehr das „Ergebnis eines vorsätzlichen Plans.“ Daher sollten sie als Straftat aus Hass gegen Christen eingestuft werden.