Diffamierung von Christen, besonders Katholiken, in Europa

Péter Kardinal Erdö berichtet über Europa: gezielte Entchristlichung, aber auch Hoffnungszeichen

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Von Jan Bentz

VATIKANSTADT, 10. Oktober 2012 (ZENIT.org). – Bei den Berichten über die einzelnen Kontinente am zweiten Tag der Synode hat Péter Kardinal Erdö, Erzbischof von Esztergom-Budapest, Präsident des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (C.C.E.E.) (Ungarn), eine immer größere Ignoranz in weiten Teilen des europäischen Kontinents in Fragen des christlichen Glaubens berichtet. Die überwältigende Mehrheit von Gewalttaten und Diskriminierungen wegen religiöser Zugehörigkeit richteten sich in Europa gegen Christen, vor allem gegen Katholiken.

„Viele Medien stellen den christlichen Glauben und seine Geschichte häufig in diffamierender Weise dar und verbreiten so in der Öffentlichkeit falsche Informationen über den Inhalt unseres Glaubens und das Leben der Kirche“, erläuterte Erdö.

In vielen Ländern sei nach einer vom Rat der Europäischen Bischofskonferenzen in Auftrag gegebenen Untersuchung über die juristische, statistische, kirchliche und kulturelle Situation des Religionsunterrichts in allen Ländern des Kontinents in den öffentlichen Schulen vieler Länder ein Unterricht über die Religion oder die Religionen möglich, aber nicht über die katholische Religion. Solch ein sogenannter neutraler Religionsunterricht berge jedoch die Gefahr einer Erziehung zum Synkretismus und Indifferentismus. Man könne gar von einer gezielten Entchristianisierung sprechen, die noch durch juristische, manchmal auch physische Angriffe gegen die sichtbarer Kundgebung des Glaubens unterstrichen werde.

Die europäische Informationsstelle für die Intoleranz gegenüber Christen verzeichne viele Fälle von Diskriminierung und Gewalt gegen Christen in fast allen europäischen Ländern. Es passiere nicht selten, dass auch die Gerichte den christlichen Opfern dieser Ungerechtigkeit die Hilfe verwehrten.

Die Entchristianisierung sei nicht nur eine spontane Entwicklung. Erdö: „Mit Sorge beobachten wie das Entstehen von sogenannten „Menschenrechten der dritten und vierten Generation”. Diese hätten keine klaren Bindungen mehr an die menschliche und christliche Weltanschauung oder an die objektive Sittenordnung, so wie sie sich auch in den Kategorien des Naturrechts zum Ausdruck komme. Oft sei ihre Grundlage rein menschlich-positivistisch, so als wäre der Mensch mit seinen eigenen Anschauungen und Wünschen sogar von der Realität selbst unabhängig.

Aus einer audio-visuellen Kultur, die klare Begriffe und logische Überlegungen schwäche, resultiere der „Verlust der Erinnerung des Christentums“, ein Prozess, der für die Zivilgesellschaft ein großes Risiko berge.

Es manifestierten sich auch die Anzeichen einer Illusion, der zufolge es angeblich möglich sei, die Gesellschaft mit Hilfe der Massenmedien und der Wirtschaft zu regieren, wobei man völlig auf Moral verzichte.

Aufgrund der Wirtschaftskrise und des Schwächerwerdens der kulturellen und religiösen Identität, des Bevölkerungsrückgangs und der Überalterung ‑ ein Phänomen, das vor zwei Jahren vom Rat der Europäischen Bischofskonferenzen untersucht worden sei ‑, hungere die Bevölkerung Europas nach Hoffnung.

Zeichen der Hoffnung seien zum einen die Weltjugendtage von Köln und Madrid und die Pastoralbesuche des Heiligen Vaters in verschiedenen Ländern, die eine außerordentliche missionarische Wirkung gezeitigt hätten. „Die Massenbewegung, die Teilnahme der Massenmedien, die Großveranstaltungen haben das Herz der Menschen erreicht, die vor allem auf diese Kommunikationsweise ansprechen“, erklärte der Kardinal. Bei diesen Anlässen hätten zahlreiche Teilnehmer sogar ihre Berufung als Priester oder Ordensangehörige erfahren. Auch einige Bischöfe seien von diesen Begegnungen zutiefst bewegt wieder nach Hause zurückgekehrt.

Ein weiterer hoffnungsvoller Aufbruch seien die Stadtmissionen, die in zahlreichen europäischen Großstädten organisiert wurden. „Wer lässt uns Gutes erleben?” lautete das Motto, unter dem die Mission in Paris stand. „Es gibt eine Hoffnung für deine Nachkommen”.

Diese Missionen verzeichneten dauerhafte Ergebnisse: Abgesehen von den zahlreichen Kontaktaufnahmen mit den ungläubigen Komponenten der Gesellschaft habe eine so geartete Erfahrung vor allem den Gemeinden dabei geholfen, ihre Berufung zur Evangelisierung der nicht praktizierenden, aber auch der ungläubigen Menschen zu erneuern.

Eine wertvolle Rolle spielten auch einige geistliche Bewegungen, die bereits in „Ecclesia in Europa” (Nr.15) erwähnt wurden. Sofern es ihnen möglich sei, der postmodernen Versuchung zu widerstehen, sich mit außergewöhnlichen Gefühlen und Wahrnehmungen zufriedenzugeben, seien sie ein wahrer Segen für die Kirche. Die aktive Präsenz von Personen in der Mission, die aus anderen Ländern und aus anderen Kontinenten stammen, ermutige die europäischen Gläubigen sehr.

Ein weiteres Zeichen dieser Zeit, das gerade in Europa äußerst vielversprechend sei, bestehe in der zunehmenden freiwilligen Mitarbeit in den Gemeinden, vor allem im Bereich der Caritas. Vor allem Pensionäre in der Altersstufe zwischen 65 und 75 Jahren zeigten eine rührende Großzügigkeit und trügen dazu bei, die Solidarität zwischen den Generationen zu stärken.

Trotz der erwähnten Probleme aber habe die Versöhnung unter den europäischen Staaten Fortschritte gemacht. Im Jahr 2006 haben die Bischofskonferenzen der Slowakei und Ungarns, ermutigt durch Papst Benedikt XVI., einen Versöhnungsvertrag unterzeichnet. Diese Geste möge als Vorbild für die Gesellschaft beider Länder dienen, wünschte sich Erdö.