Diözesane Phase des Seligsprechungsprozesses von Josef Mayr-Nusser (1910-1945) abgeschlossen

„Hoffnungsträger, der auch uns mahnt, Zeugnis von der Hoffnung zu geben, die uns erfüllt“

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BOZEN, 22. März 2007 (ZENIT.org).- Die


diözesane Phase des Seligsprechungsprozesses von Josef Mayr-Nusser wurde am Montag vom Diözesanbischof von Bozen-Brixen, Wilhelm Egger, offiziell abgeschlossen. Wie die Pressestelle des Bistums berichtete, wurden die gesammelten Akten feierlich versiegelt. Nun werden sie der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozess übergeben werden.

Bischof Egger nannte Josef Mayr-Nusser einen „Hoffnungsträger, der auch uns mahnt, Zeugnis von der Hoffnung zu geben, die uns erfüllt“. Postulator Josef Innerhofer hob seinerseits hervor: „Zeuge-Sein und Zeugnis-Geben ist das Wesentliche bei Josef Mayr-Nusser.“

Der offizielle Seligsprechungsprozess in der Diözese dauerte 13 Monate. „Dass der Prozess auf Diözesanebene so schnell abgeschlossen werden konnte, ist vor allem der bereitwilligen Mitarbeit mehrerer Personen zu verdanken und kann als Frucht des Gebetes zahlreicher Gläubiger angesehen werden“, so der Postulator. „Nun ist nur zu beten und zu hoffen, dass in Rom die Akten möglichst bald bearbeitet und positiv beurteilt werden, damit die Seligsprechung Josef Mayr-Nussers erfolgen kann.“

Biographie

Josef Mayr-Nusser wurde am 27. Dezember 1910 auf dem Nusserhof in Bozen geboren. Als er fünf Jahre alt, war starb sein Vater. Von der tüchtigen, und frommen Mutter hatte „Pepi“, wie er genannt wurde, das die musikalische Ader geerbt. Gerne hätte er studiert. Aber da schon sein ältester Bruder Jakob das Gymnasium besuchte, wagte er nicht, seine Mutter darum zu bitten. Er wurde schließlich kaufmännischer Angestellter bei der Firma „Eccel“ in Bozen; in der Freizeit las er viel und bildete sich religiös weiter.

Seine großen Vorbilder waren Thomas von Aquin, der englische Lordkanzler Thomas Morus, der aufgrund seiner Treue zur katholischen Kirche auf dem Schafott endete, und der Tiroler Freiheitskämpfer Peter Mayr, Wirt an der Mahr, der sein Leben nicht durch eine Lüge erkaufen wollte. 1931 musste er nach Piemont zum Militär. Wieder zurück, trat er der Bozner Vinzenzkonferenz bei. Als 1935 am Bozner Boden eine eigene Vinzenzkonferenz gegründet wurde, wurde er deren Präsidenten.

Als in Bozen 1933 eine katholische Jugendgruppe aufgebaut wurde, beteiligte er sich aktiv und wurde zum Leiter der so Jungmänner gewählt. In dieser Funktion besuchte er die Jugendgruppen, gab Rundbriefe heraus und schrieb Beiträge für die „Jugendwacht“. Sein geistlicher Berater war Josef Ferrari, der spätere erste deutsche Schulamtsleiter.

In einem dieser Artikel liegt der Schlüssel zum Verständnis seiner späteren Eidesverweigerung: Er betont in dem Schreiben, wie wichtig das „Zeugnis ohne Worte“ sei, „das der lebendige Christ täglich lebt, zu Hause, bei der Arbeit, auf dem Felde, in der Werkstatt, vor den Menschen“. Es gehe darum, Zeuge Christi zu sein „bis ans Sterben“.

Am 26. Mai 1942 heiratet er seine Vorgesetzte bei „Eccel“, Hildegard Straub, ein Jahr später wurde ihnen ein Sohn geboren. Im September 1943 wurde Südtirol von den deutschen Truppen besetzt und Josef Mayr-Nusser im September 1944 zum deutschen Heer einberufen. Mit 80 anderen Südtirolern kam er nach Konitz in Ostpreußen, wo man alle der Waffen-SS zuteilte.

Die Rekrutierung verstieß gegen internationales Recht, nach dem eine Besatzungsmacht keine Bürger eines von ihm besetzten Staates in sein Heer einberufen darf. Am 4. Oktober 1944 verweigerte er aus religiösen Gründen den SS-Eid. Daraufhin wurde er wegen „Wehrkraftzersetzung“ in das SS-Gefängnis Danzig-Matzkau eingeliefert. Auf dem Transport ins Konzentrationslager Dachau starb er an der Folgen der Ruhr. Als er am Morgen des 24. Februar 1945 tot im Deportationszug aufgefunden wurde, hielt er einen Rosenkranz und eine Bibel in seinen Händen.


Gegen Ende der militärischen Ausbildung hätte er geloben sollen: „Ich gelobe dir, Adolf Hitler, Führer und Kanzler des Reichs, Treue und Wertschätzung; ich verspreche dir und den von dir bestimmten Vorgesetzten Treue bis in den Tod, so wahr mir Gott helfe.“

Im entscheidenden Moment hob Josef nach einem Bericht seines Freundes Franz Treibenreif in einer Rai-Dokumentation zur Überraschung aller Anwesenden die Hand und sprach mit fester Stimme: „Herr Major, ich kann nicht im Namen Gottes einen Eid auf Hitler leisten. Ich kann es nicht, weil mein Glaube und mein Gewissen es mir verbieten.“

Seine Kameraden versuchten ihn umzustimmen, aber Josef blieb standhaft. Er teilte Hildegard in einem Schreiben aus dem Gefängnis mit: „Du wärst nicht meine Frau, wenn du von mir etwas anderes erwarten würdest.“