Don Bosco lebt in liebenden Erziehern weiter

Interview mit Sr. Yvonne Reungoat FMA, der neuen Generaloberin der Don-Bosco-Schwestern

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ROM, 10. Juni 2009 (ZENIT.org).- Die 63-jährige Französin Yvonne Reungoat FMA hat nicht damit gerechnet, die neue Generaloberin der Don-Bosco-Schwestern zu werden. „Dass ich gewählt wurde, war eine Überraschung für mich! Ich hatte nicht erwartet, dass diese Wahl gerade mich treffen würde“, bekannte sie jetzt im Gespräch mit ZENIT. Mit der Wahl der studierten Historikerin und Geografin auf dem Generalkapitel in Rom im Herbst letzten Jahres leitet erstmals eine Nichtitalienerin den 1872 gegründeten Orden. „Es war ein überraschender Moment, der auch ein wenig verwirrend war“, gesteht die Ordensfrau.

Doch Yvonne Reungoat FMA vertraut ihrem Herrn: „Das Wichtigste ist, dass wir dem Herrn gehören“, erklärt sie. „Er kann erbitten, was er will, und oft ist das nicht das, was wir wollen.“

Der Augenblick ihrer Wahl sei für sie zu einem Moment des großen Vertrauens in Jesus und seine Mutter geworden, „da Don Bosco und unsere Gründerin, Mutter Maria Mazzarello, immer gesagt haben, dass Maria Auxiliadora die ursprüngliche Gründerin des Ordens gewesen ist. So fühlte ich mich wie von ihr an die Hand genommen, als ob sie mir sagen wollte: ‚Du bist meine Stellvertreterin’ - das hat mir viel Vertrauen gegeben!“

Ihre verantwortungsvolle Aufgabe als Hauptverantwortliche für die Ordensgemeinschaft mit der offiziellen Bezeichnung Töchter Mariä Hilfe der Christen (FMA), die mit 14.500 Schwestern einer der mitgliederstärksten Frauenorden der katholischen Kirche ist, erlebt sie derzeit als Geschenk „einer neuen Weite des Herzens für alle Maria-Auxiliadora-Töchter in der Welt, und das sind viele. Und mit ihnen für zahlreiche junge Leute - viele Laien, die unsere weltweite Mission mit uns teilen.“ Die Kongregation ist vor allem in der Jugendpastoral und im Erziehungsbereich tätig.

Sr. Yvonne wirkte schon in Afrika, wo sie 1992 erste Provinzoberin des Gebietes „Madre di Dio“ mit Sitz in der Elfenbeinküste wurde. Ihre besondere Aufmerksamkeit galt damals dem Aufbau der neu gegründeten Werke in Westafrika und der Ausbildung der jungen afrikanischen Schwestern. Sie förderte daher besonders die Gründung von Jugend- und Schulzentren sowie Frauenprojekten. Ein großes Anliegen ist Madre Reungoat außerdem die Zusammenarbeit mit der Don-Bosco-Familie: „Jeder Augenblick meines Lebens wird ein Geschenk für andere, ein Geschenk für meine Schwestern, für die gesamte Einrichtung“, bekennt sie gegenüber ZENIT.

Sie setzt sich besonders für die Weiterbildung von Multiplikatoren ein, die wichtig für den erzieherischen Auftrag im Geist Don Boscos und Maria Mazzarellos sind. Aber in allem geht es ihr um eine wesentliche Grundhaltung „vor allem zur Heiligkeit, weil ich der Meinung bin, dass das Wichtigste die Qualität unseres Lebens mit dem Herrn ist“. So suchten salesianisch geprägte Menschen Gott auch nicht an fernen Orten, sondern sie begegneten ihm im Jugendzentrum und in der Schule, im Unterrichtsraum und in der Freizeit, auf dem Schulhof und auf dem Spielplatz, in Jugendeinrichtungen und auf der Straße, in der Disco und auf dem Fußballplatz, bei Jugendtreffen und auf Ferienfahrten, in der Familie und daheim - überall dort, wo junge Menschen mit ihren Sehnsüchten und Fragen, Hoffnungen und Ängsten eben lebten.

Für Mutter Yvonne Reungoat FMA ist deshalb das „Engagement im Bereich der Allgemeinbildung“ besonders wichtig. Seinem Charisma folgend, sollte der Orden gerade „angesichts der enormen Herausforderung einer sich ständig wandelnden Gesellschaft zur Aufklärung der Jugend von heute,  beitragen“. Auch „kontinuierliche Forschung ist wichtig, um diesen Herausforderungen zu begegnen, um dieses Projekt zu verwirklichen, dass Gott für die Menschheit verwirklicht sehen will. Das bedeutet, an einer menschlichen Familie mitzubauen, und wir glauben, dass die Bildung die Grundlage für den Bau der zukünftigen Gesellschaft ist. Auch Papst Benedikt XVI. erinnert uns in vielen seiner Reden daran“, erklärt sie.

„Der Bildungsauftrag ist für uns eine große Verantwortung - eine Herausforderung, die nicht nur auf uns lastet, sondern die wir auch mit vielen Laien teilen, die mit uns zusammenarbeiten. Wir müssen also ein Zusammenspiel erreichen.“ Man müsse sich mit anderen Einrichtungen verbinden, die dasselbe Ziel verfolgten, und die Kräfte bündeln

Für Sr. Yvonne Reungoat besteht der Weg von Don Bosco und Mutter Mazzarello heute darin, dieses erzieherische Charisma umzusetzen, und zwar im Lehr-Stil der „präventiven Pädagogik“. Was das heißt? „Es bedeutet, dass auf Grundlage eines ehrlichen Vertrauensbeweises in die Jugend, in die Schwachheit, junge Menschen das Gefühl bekommen, dass sie geliebt sind“, so erklärt die Salesianerin. „Aber sie sollen das nicht nur wissen, sondern wirklich spüren, dass sie geliebt sind, so dass sie wirklich glauben können, dass Gott sie liebt und sie so alle ihre Talente entdecken und entwickeln können, um zu Mitarbeitern beim Aufbau der Gesellschaft von heute und morgen zu werden.“

Die Generaloberin möchte immer versuchen, „Jesus den jungen Menschen zu verkünden. Don Bosco hatte diese große Leidenschaft, junge Menschen in ihrer Entwicklung als Menschen zu unterstützen, ihnen einen eigenen Platz in der Gesellschaft und in der Kirche entdecken zu helfen und ihnen Gottes Gegenwart in ihrem Leben aufzuzeigen“, so die französische Ordensfrau. „Sie davon zu überzeugen, dass sie von Gott geliebt sind, und nicht nur das: Sie sollen aus dieser Erfahrung heraus für die übrigen Jugendlichen zu Verkündigern Jesu werden. Dies ist eine große Herausforderung für uns: dazu beizutragen, dass die jungen Menschen Mitarbeiter bei dieser Aufgabe werden und in ihrem Umfeld zu Missionaren werden, um ihrerseits anderen jungen Menschen bei der Suche nach dem Sinn in ihrem Leben zu helfen.“

Die heutige Jugend sehne sich nach Liebe, „sie braucht diesen Sinn des Lebens, den sie in der Tat nur in Gott findet“.

Das Geheimnis ihrer Tatkraft sei das Gebet, ihr Vertrauen in Gott, gesteht sie. Auch die Fürsprache Mariens, Hilfe der Christen, gäbe ihr „eine sehr großer Kraft“.

„Ich bin ein Teil der Familie: Wir halten zueinander. Ich spüre das Engagement und die Beteiligung von so vielen Töchtern Mariä Hilfe der Christen auf der ganzen Welt, die mit so viel Mut, so viel Freude und viel Liebe dabei sind und ihre ganze Liebe für ihre Sendung geben." Ermutigend sei zudem, dass „es auf der ganzen Welt jedes Jahr eine Reihe von Jugendlichen gibt, die sich für Gott entscheiden und ihr Ja zu unserer Familie geben".

Von María de la Torre. Aus dem Italienischen übersetzt von Angela Reddemann