"Dont talk about us without us" - Behinderte Menschen in unsere Gesellschaft integrieren

6. Internationales Kolloquium der IACB in Zusammenarbeit mit dem Malteser Orden

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 1887 klicks

Vom 9. bis zum 14. Juni fand in der Nähe Roms das 6. Kolloquium der Internationalen Assoziation katholischer Bioethiker (IACB) in Zusammenarbeit mit dem Malteser Orden statt. Während des diesjährigen Treffens mit dem Titel „Supporting and Caring for Persons with Intellectual and Development Disabilities: Ethical Reflections and Practical Considerations“ stellten sich Ärzte, Theologen, Philosophen und Juristen ethischen, theologischen und pastoralen Fragen, um behinderten Menschen und ihren Familien eine bessere Unterstützung und Hilfe garantieren zu können. Ergebnis des Kolloquiums wird ein Konsensus-Statement sein, das auf der Homepage der IACB veröffentlicht werden und Lösungsvorschläge enthalten wird. Den betroffenen Familien und sozialen Einrichtungen soll eine bessere Unterstützung garantiert, Gesellschaft, Politik, Gesetzgeber und das Gesundheitswesen sollen für die Probleme der Betroffenen stärker sensibilisiert werden.

„Versuchen Sie sich vorzustellen, um wie viel unsere Welt besser wäre, wenn wir behinderte Menschen mit Respekt für ihre Entfaltungsmöglichkeiten und ihr Recht darauf, geliebt zu werden, in unser Leben und in unsere Gesellschaft integrierten“, betonte William F. Sullivan, Mitglied des Malteser Ordens in Kanada, Direktor der IACB und Organisator des 6. Kolloquiums. William F. Sullivan ist Arzt und Spezialist für IDD (Intellectual and Development Disabilities). Es sei wichtig, die richtigen Fragen zu stellen. In der Regel wisse unsere Gesellschaft nämlich nicht, mit behinderten Menschen umzugehen. Wie wir mit behinderten Menschen kommunizieren könnten, sei nur eine der sich aufwerfenden Fragen. William F. Sullivan erklärte, daß sich häufig ganz praktische Problem stellten. Eine Lösung könne aber nur die Integration behinderter Menschen darstellen.

Scott Borgman, JCL, Sekretär der Päpstlichen Akademie für das Leben, beschäftigte sich während des Kolloquiums vor allem mit spirituellen Fragestellungen. Er erklärte, dass sich bei der Auseinandersetzung mit IDD und den damit verbundenen Problembereichen die Frage nach dem Wert des Lebens stelle. Der Wert des Lebens leite sich, so Scott Borgman, JCL, aus unserem Sein ab. Menschliche und spirituelle Fürsorge seien grundlegend für die Anerkennung des Lebens, das mit der Empfängnis beginne und mit dem Tod ende. Wichtig sei bei IDD-Patienten, dass ihre Spiritualität nicht vernachlässigt werde. Glaube und Behinderung sei ein wichtiger Themenbereich, der während des Kolloquiums untersucht werde. Während eines einmonatigen Aufenthaltes in einer der von Jean Vanier gegründeten l’Arche-Gemeinschaften hatte Borgman Gelegenheit, zusammen mit behinderten Menschen zu leben und zu beten. Borgman führte aus, dass der Glaube ein Geschenk sei und Gott in das Leben unserer Mitmenschen bringe.  Die Eucharistie bedeute, dass der Mensch mit der Gnade Gottes erfüllt werde. Die Gnade Gottes erreiche alle Menschen. Der Kontakt mit den Behinderten habe ihm gezeigt, daß schwerstbehinderte Menschen uns etwas lehren könnten: Demut und Ehrlichkeit. Wir nämlich seien in Wirklichkeit in unseren Möglichkeiten begrenzt, weil wir von unseren Ängsten, unserer Schwäche oft fast erdrückt würden. In der Begegnung mit behinderten Menschen hingegen verlören alle unsere Bedenken und Ausflüchte ihre Bedeutung.

William F. Sullivan sprach im folgenden praktische Fragen an, die sich mit IDD stellen. Wie definiert man Leben? Wie können wir helfen? Was sagen die Betroffenen? Wie kann man das Verständnis in unserer Gesellschaft verbessern? Welchen Beitrag kann die Kirche leisten?  

Zu diesen Punkten nahm Heather Elbard, Mutter des an IDD erkrankten erwachsenen Sohnes Kareem und Vorsitzende des Familiennetzwerkes in Hamilton (Kanada), Stellung und berichtete von ihren Erfahrungen. Wahre Unterstützung und Akzeptanz seien erforderlich: „Don’t talk about us without us – Sprecht nicht über uns ohne uns.“ Den Eltern müsse viel mehr Gehör geschenkt werden, um den Familien wirklich helfen zu können. Heather Elbhard betonte, wie wichtig es sei, gleichberechtigt behandelt zu werden und den eigenen Wünschen und Forderungen eine Stimme verleihen zu können. Die Geburt eines behinderten Kindes sei keine Last, es sei vielmehr die Gesellschaft, die den Eltern eine negative Haltung gegenüber behinderten Kindern suggeriere.  

Ebenfalls Teilnehmer des Kolloquiums war Kareem Elbhard, Sohn von Heather Elbhard. Elbard, der eine IDD-Behinderung hat, setzt sich für die Rechte behinderter Menschen ein. Während der Pressekonferenz am 12. Juni 2013 stellte er den Anwesenden seine Wunschliste für (nicht nur) sein Leben vor:

1. Verständnis

2. Entscheidungs- und Wahlfreiheit

3. Zuhause, Familie und Freunde

4. Gleichberechtigung auf dem Arbeitsmarkt

5. keine Diskriminierung

6. Hilfe und Unterstützung in der Ausbildung

7. verbesserte Transport- und Wohnmöglichkeiten

8. sich Gehör verschaffen können und Gehör finden

9. lieben und geliebt werden

…Wünsche, wie sie jeder von uns hegt und teilt und wie sie jeder von uns hätte formulieren können.