Down-Syndrom - na und?

Welt-Down-Syndrom-Tag: Lebensschützer warnen vor Weiterentwicklung der Pränataldiagnostik

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Von Jan Bentz

ROM, 21. März 2012 (ZENIT.org). - Die Vereinten Nationen haben am 10. November 2011 den 21.3. offiziell zum Welt- Down-Syndrom-Tag ausgerufen. In vielen Städten finden zu diesem Anlass besondere Ereignisse und Veranstaltungen statt wie eine Benefizgala in Fürth, in Berlin die Aktion „21%Plus“, wobei Eltern von Kindern mit Down-Syndrom Seminare oder Vorlesungen von Studierenden medizinischer Fächer besuchen, in denen über das Leben mit Down-Syndrom gesprochen wird, Tipps für Diagnosegespräche gegeben und Fragen beantwortet werden. In der Schweiz gibt es die Posteraktion mit dem Motto: „Es ist normal, anders zu sein.“ Das Deutsche Down-Syndrom InfoCenter (DSI) präsentiert ein Video mit Beiträgen aus 68 Ländern.

„Die offizielle Anerkennung dieses Tages darf als großer Erfolg der permanenten und weltweiten Bestrebungen betrachtet werden, die Rechte und die Würde der Menschen mit Down-Syndrom überall auf dieser Welt zu sichern und zu schützen, erklärte das DSI-Center  am 10. November  2011 in seiner Pressereaktion auf die Einrichtung des Welt-Down-Syndrom-Tages. „Trotz positiver Tendenzen und mehr Integration und Inklusion während der letzten 40 Jahre werden Menschen mit Down-Syndrom noch kaum wahrgenommen, häufig auch diskriminiert: Sie leben vielerorts in öffentlichen Institutionen, fernab des gesellschaftlichen Alltags und unter menschenunwürdigen Umständen.“

Es mache sich allerdings ein Besorgnis erregender Trend in verschiedenen Ländern breit: die zu­nehmende Anwendung von ausgefeilten Methoden der Pränatal-Diagnostik, die das Lebensrecht der Menschen mit Down-Syndrom in Frage stelle.

Etwa 700 bis 800 Kinder mit Trisomie 21 werden nach dessen Auskunft jährlich in Deutschland geboren. Ein Gericht in den USA beispielsweise bewertete die Geburt eines Kindes mit Down-Syndrom als ein Schadensereignis, für das 3 Millionen US-Dollar Schadensersatz an die Eltern zu leisten ist, weil die Chromosomenanomalie ihres Kindes nicht pränatal diagnostiziert wurde. Ab dem Frühjahr sollen schon ein paar Tropfen Blut reichen, um festzustellen, ob das ungeborene Kind ein Down-Syndrom hat.

Die „Aktion Leben“, die „Christdemokraten für das Leben (CDL)“ und die Stiftung „Ja zum Leben“ warnen zum Welt-Down-Syndrom-Tag vor dem Ausbau der Pränataldiagnostik und Eugenik zur Abtreibung von Kindern.

Eine vergleichende Studie hat ergeben, dass neun von zehn Frauen sich bei der Diagnose Down-Syndrom für den Abbruch ihrer Schwangerschaft entscheiden.

Mechthild Löhr, Bundesvorsitzende der Christdemokraten für das Leben (CDL), erklärt dazu:

„Der Welt-Down-Syndrom-Tag macht uns darauf aufmerksam, dass in Deutschland inzwischen schon über 90 Prozent der ungeborenen Kinder, bei denen Trisomie 21 diagnostiziert wird, abgetrieben werden. Statt - wie von unserem Grundgesetz gefordert - Menschen mit Behinderungen wie dem Down-Syndrom aktive gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen, fördert unser Staat dagegen sogar seit jüngstem die Einführung immer schärferer Diagnosemethoden, um wie in einer Rasterfahndung die Kinder mit Trisomie 21 noch vor der Geburt zu ermitteln.

In 2011 hat ausgerechnet das von Ministerin Schavan geführte Bundesforschungsministerium mindestens 230.000 Euro an Steuergeldern ausgegeben, um bei einem Biotechunternehmen (GATC Biotech AG, Tochterunternehmen LifeCodexx AG) die Entwicklung eines pränatalen Bluttests zu fördern, mit dem künftig Trisomie 21 mit voraussichtlicher hundertprozentiger Sicherheit schon ab der 10. Schwangerschaftswoche festgestellt werden kann. Wenn dieser Test voraussichtlich noch Mitte des Jahres in Deutschland zugelassen wird, werden nach einer Diagnose 'Down-Syndrom' diese Kinder in Zukunft noch „sicherer“ abgetrieben werden. Unser Staat hat damit aufgehört, die ungeborenen Kinder mit Down-Syndrom und ggf. auch anderen Trisomie-Diagnosen noch zu schützen.

Uns droht eine neue 'Eugenik von unten': Menschen, deren genetische Eigenschaften nicht erwünscht und die wegen ihrer möglichen Behinderungen als Last empfunden werden, haben in Zukunft kaum noch eine Chance, geboren zu werden. Sie werden wenige Wochen oder Monate nach ihrer Zeugung durch Abtreibung gezielt getötet. Wir Christdemokraten für das Leben fordern deshalb, dass der in Entwicklung befindliche pränatale Bluttest der Konstanzer Firma LifeCodexx AG nicht zugelassen werden darf.“

Es gibt heute eine Vielzahl von Förder-und Behandlungsprogrammen, die Kinder fördern. Familien mit einem betroffenen Kind berichten überwiegend über positive Erfahrungen mit ihren „stets fröhlichen und liebevollen“ Schützlingen, trotz aller Mühe. Eine Mutter, die anfangs über die Diagnose schockiert war, sagt heute: „Sarah mit ihren blonden Löckchen und den tiefblauen Augen ist ein Sonnenschein. Heute sage ich zur Diagnose Down-Syndrom: So what?“

Das wohl berühmteste Down-Syndrom-Kind ist sicherlich Tim, der seine eigene Abtreibung überlebte und heute in einer Pflegefamilie untergebracht ist.