Dr. Buzzonetti: „Der Heilige Vater hat nie um ‚Euthanasie‘ gebeten“

Der päpstliche Leibarzt über die letzten Augenblicke im Leben Johannes Pauls II.

| 1336 klicks

ROM, 19. November 2007 (ZENIT.org).- „Ich habe einige Klagen wahrgenommen; jene Klagen, die dem Herzen des Kranken entspringen. Nie aber hat mir der Heilige Vater gesagt: Es ist genug. Nie bat er um Schmerzmittel oder andere Medikamente, um den Schmerz nicht zu spüren oder um besser zu schlafen.“ Das betonte der päpstliche Archiater („arciatro pontificio“) und Leibarzt Johannes Pauls II. und Benedikts XVI., Prof. Renato Buzzonetti, in einem Interview mit der römischen Zeitung „Il Messaggero“.



Laut Buzzonetti ertrug Johannes Paul II. die Schmerzen mit übermenschlicher Tapferkeit. Er habe sich ganz den Ärzten anvertraut. „Mir kommen die Zeit in der Gemelli-Klinik und die verschiedenen durchgemachten Phasen in den Sinn. Johannes Paul II. wusste, dass die Ärzte ihre Pflicht auf ehrlichste und sorgfältigste Weise verrichtet hatten.“

Der Heilige Vater habe sich einer dritten Einlieferung in die Klinik widersetzt, da er sehr gut verstanden habe, dass das Ende gekommen war: „Und er wollte gewiss nicht dem Tod fern von zu Hause begegnen.“

Es sei beim Papst nie zu einer Übertherapierung gekommen, fuhr Buzzonetti fort. „Ich erinnere mich ganz klar an den Nachmittag jenes 2. April und an sein Flüstern. Ein genuschelter Satz auf Polnisch, mit dem er sich an Sr. Tobiana wandte. Es war dies sein ‚consumatum est – es ist vollbracht‘. Es handelte sich nicht darum, dass er sich der Krankheit ergeben hätte, sondern um einen bewussten und angenommenen Kreuzweg. Er wusste, dass er sich dem Ende näherte, dass er sich der Begegnung mit Gott näherte. Es war dies keine Bitte um Euthanasie, wie später unterstellt wurde. Es war eine wahre Anrufung aus dem Glauben heraus, ein Antrieb, der aus dem Herzen kam.“

Es habe sich um Worte „eines geistvollen Mannes gehandelt, der dem in einer christlichen Perspektive wichtigsten Augenblick seines Lebens entgegentritt“, schloss der Leibarzt.