Dramatische Vortragsweise bei Messfeier

Maßgeblicher Leitgedanke ist der Dienst am Wort

Rom, (ZENIT.org) Edward McNamara LC | 536 klicks

P. Edward McNamara, Professor für Liturgie am Päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum“ in Rom, beantwortet Leserfragen.

Frage: Wäre es im Sinne des Geistes der Liturgie, wenn ein Lektor bei der Messfeier die Lesung so vorträgt, dass er dabei passende Gesichtsausdrücke, eine verhaltene Gestik mit den Händen und eine korrekte Betonung benutzt, um hierdurch die verschiedenen Charaktere und Emotionen, die in der Passage enthalten sind, zum Ausdruck zu bringen? -- M.G., Bangalore, India

P. Edward McNamara: Die Grundordnung des Römischen Messbuchs behandelt diese Frage unter der Überschrift „Die Vortragsweise der verschiedenen Texte“ (Nr. 38):

„Der Vortrag der mit deutlicher und lauter Stimme vorzutragenden Texte des Priesters, des Diakons, des Lektors und der ganzen Versammlung hat der Gattung des jeweiligen Textes zu entsprechen, je nachdem, ob es sich um eine Lesung, ein Gebet, eine Aufforderung, eine Akklamation oder einen Gesang handelt. Außerdem hat er der Form der Messfeier und dem Grad der Festlichkeit der Versammlung zu entsprechen. Die Eigenart der verschiedenen Sprachen und das Empfinden der Völker sind gleichfalls zu berücksichtigen.“ 

„Daher müssen in den Rubriken und in den folgenden Normen die Worte ,sprechen‘ beziehungsweise ,vortragen‘ gemäß den oben angeführten Grundsätzen sowohl im Sinne von ,singen‘ als auch im Sinne von ,sprechen‘ verstanden werden.“

Wie wir sehen, nimmt dieser Text vor allem Bezug auf die Stimme und erwähnt nichts von Gesichtsausdrücken oder Gesten, die die Lesung begleiten sollten.

Das würde zu der traditionell nüchternen Art des Römischen Ritus passen und mit dem Dienstcharakter solcher Tätigkeiten wie des Vorlesens übereinstimmen.

Mir scheint, dass der maßgebliche Leitgedanke, an dem man sich orientieren muss, der Dienst am Wort Gottes ist. Der Lektor hat die Aufgabe, die göttliche Botschaft, so gut er kann, vorzutragen und dabei ihren Sinn erkennbar zu machen, wobei die Aufmerksamkeit nicht auf die Kleidung oder das Verhalten des Vortragenden gelenkt werden sollte.

Wenn es an Nüchternheit fehlt, besteht vielleicht auch die Gefahr, dass der Lektor den Hörern seine Auslegung hinsichtlich der in der Passage enthaltenen Emotionen aufdrängt, anstatt dass er es Gottes Wort erlaubt, jeden Teilnehmer der Versammlung direkt – von Herz zu Herz – anzusprechen.

Daher sind gewisse Klangunterschiede wünschenswert, sofern sie den Sinn des Textes freilegen und dabei helfen, eine Anfrage von einer Warnung, einen Hilfeschrei von der Gewährung einer Gnade usw. zu unterscheiden.

Der Gebrauch einer leblosen Stimme oder einer für alle Passagen gleichermaßen monotonen Klangabfolge erweist dem Worte Gottes und der Gemeinde keinen guten Dienst. Doch sollte auch jeder Anflug von Theaterspielerei, sei es durch ostentative Gesichtsausdrücke, Gestikulieren, die Verwendung verschiedener Klänge oder Stimmen zur Darstellung unterschiedlicher Rollen vermieden werden, denn das führt dazu, dass die Aufmerksamkeit vom Text weg auf den Lektor gelenkt wird.

Die traditionellen lateinischen Tonsätze, die für den gesungenen Vortrag der Lesungen bestimmt sind, könnten auch als Modell für den gelesenen Vortrag eines Schrifttextes dienen, oder – wie in einigen Ländern mit Erfolg geschehen – sogar für die Komposition neuer Tonsätze in der jeweiligen Landessprache Pate stehen.

Wenn wenigstens bei feierlichen Anlässen der Text gesungen wird, erinnert uns das daran, dass es sich nicht um einen gewöhnlichen Text, sondern um jenes Wort handelt, das Gott zu uns spricht. Der gesungene Vortrag des Textes hilft auch sehr, die Aufmerksamkeit auf das Wort selbst zu lenken.

Für die traditionellen lateinischen Tonsätze liegen verschiedene Variationen vor. Für das Alte Testament, die Epistel und das Evangelium werden charakteristische Kadenzen benutzt, die sich jeweils geringfügig voneinander unterscheiden. Im Satz werden Fragen und unterschiedliche Rollen durch einen leicht variierenden Rhythmus und Klang erkennbar gemacht und so der Sinn des Textes verdeutlicht.

Der Umstand, dass man sich an eine einfache, allgemein benutzte Melodie anpassen muss, entfernt die meisten persönlichen Züge des Lektors oder Kantors und hebt die Haltung des Dienstes hervor, den man an etwas leistet, das größer als man selbst ist. 

Übersetzt von P. Thomas Fox, LC, aus dem englischen Originalartikel ramatic Readings at Mass