Drei Kön´ge wandern aus Morgenland

Impuls zum Hochfest Epiphanie (Erscheinung des Herrn)

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Von Msgr. Dr. Peter v. Steinitz*

MÜNSTER, 6. Januar 2012 (ZENIT.org). - Das heutige Fest Epiphanie ist mit vielen schönen Gedanken und Bildern verbunden, die sich im Laufe der Jahrhunderte darum gerankt haben. Für viele Christen im Westen ist es einfach nur das Fest der Heiligen Drei Könige. Vor allem im Kölner Dom, wo ihre Gebeine seit dem Mittelalter im herrlichen Dreikönigsschrein ruhen, wird die Verehrung dieser fast möchte man sagen archaischen Heiligen gepflegt, besonders seit Kardinal Meisner die traditionelle Domwallfahrt wieder belebt hat.

Aber Epiphanie ist nicht nur Dreikönigsfeier. Liturgisch umfasst das Hochfest Erscheinung des Herrn, wie es im Deutschen offiziell genannt wird, eigentlich drei Festgeheimnisse, die alle drei auf das Erscheinen des Herrn unter den Menschen hinweisen. Die Menschwerdung Gottes geht ja – das soll mit diesem wahrhaft umfassenden Fest gezeigt werden – weit über den Raum des ursprünglichen auserwählten Volkes hinaus. Es ist keine innerjüdische Angelegenheit mehr. Gott sandte den Messias für alle Menschen.

So ist, in zeitlicher Reihenfolge, zunächst das Erscheinen des Herrn vor der Heidenwelt gemeint. Die drei Weisen aus dem Morgenland, sie werden durch eine besondere Gnade Gottes, die sich der damals nicht anrüchigen Wissenschaft der Astrologie bedient, zum neugeborenen „König der Juden” herbeigeführt. Sie sind, im Gegensatz zu den einfachen Hirten, Intellektuelle, vielleicht auch tatsächlich „Könige” oder einfach Vornehme in ihrem Lebensumfeld.

Es ist bezeichnend, wen Gott dazu beruft, den menschgewordenen Gottessohn zu begrüßen: nicht die Vornehmen in Jerusalem, nicht die Schriftgelehrten, also die Theologen, die sich zu dem Thema auskennen, aber keinen Glauben haben, kurz nicht das Establishment, sondern nur Menschen, die ein „wachendes Herz” haben (so drückt es Papst Benedikt aus). Die Sterndeuter sind offensichtlich sehr gescheite Menschen, aber sie sind darüber hinaus ganz und gar einfach. Aus ihrem Unternehmen, das viele Zeitgenossen wahrscheinlich nur mit Kopfschütteln betrachtet haben, geht hervor, dass sie von einer geradezu kindlichen Frömmigkeit beseelt sind. Sie setzen alles auf eine Karte: dort im Westen, in Palästina muss der Retter der Welt geboren worden sein. Haben sie das gewusst? Nein, sie haben es geglaubt. Allerdings aufgrund von glaubwürdigen Indizien, und vor allem nicht ohne die Gnade Gottes, die sie auf ihre Weise vertrauensvoll angerufen haben. Tun wir das übrigens auch oder wollen wir alles immer ganz genau wissen, bevor wir es akzeptieren?

Das zweite Ereignis, das das öffentliche „Erscheinen” Christi bezeichnet, ist das, was wir an diesem Sonntag als eigenes Fest feiern: die Taufe Jesu. Nach den dreißig Jahren des verborgenen Lebens in Nazareth wird Jesus den Menschen gezeigt als das Lamm Gottes. So wird er von Johannes dem Täufer genannt. Viele der Anwesenden, die ein wachendes Herz haben, verstehen diese Worte, vor allem die ersten Jünger.

Das dritte Geschehen macht kurz darauf noch einmal, und zwar auf eine sehr liebenswürdige Weise, auf die universelle Bedeutung des menschgewordenen Gottes aufmerksam: die Hochzeit zu Kana. Jesus wirkt sein erstes Wunder. Um die Brautleute vor einer öffentlichen Blamage zu bewahren, wandelt er Wasser in Wein. Für viele ein vorweg genommener Hinweis auf die Eucharistie, wenngleich dies sicher zu den Dingen gehört, die auch die Glaubensbereiten erst im Nachhinein verstehen werden. Entscheidend ist aber bei der von Johannes berichteten „Weinspende” der Nachsatz: „Und seine Jünger glaubten an ihn” (Joh 2,11). Bei aller Bereitschaft des Herzens bedürfen wir Menschen doch auch der Beglaubigung Jesu durch Zeichen, die der Herr auch bereitwillig gibt. Allerdings in der Weise wie er will, nicht wie wir wollen. Er bleibt ja bis auf den heutigen Tag ein „Zeichen dem widersprochen wird” (Lk 2,34-35).

In unserer Zeit sprechen viele vom zweiten Kommen Christi. Wann auch immer das sein wird, der Herr wird, wenn es soweit ist, die notwendigen Zeichen geben. Bis dahin sollten wir auf das erste Erscheinen des Herrn achtgeben. Denn die daraus sich ergebenden Konsequenzen sind noch lange nicht von allen gezogen worden. Auch wir sind aufgefordert – und daran will uns die Liturgie der Kirche erinnern – dass wir unser Herz ganz dem Herrn öffnen sollen.

Der deutsche Komponist Peter Cornelius hat im Rahmen seiner Weihnachtslieder, die er im Jahre 1856 komponiert hat, diese „Konsequenz” in dem hübschen Lied „Drei Kön´ge wandern aus Morgenland” im Sinne der deutschen Romantik so ausgedrückt:

„O Menschenkind, halte treulich Schritt,

die Kön´ge wandern, o wandre mit!

Der Stern der Liebe, der Gnade Stern,

erhelle dein Ziel, so du suchst den Herrn,

und fehlen Weihrauch, Myrrhen und Gold,

schenke dein Herz dem Knäblein hold!

Schenk ihm dein Herz!”

Fügen wir aber hinzu: mit allen Konsequenzen, die das für unsere persönliche Lebensführung bedeuten kann, denn sonst wäre es, so schön diese Worte sind, doch nur liebenswürdige Weihnachtsromantik.

*Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt" und „Leo - Allah mahabba“.