Drei Wege zu Gott - Natur, Bibel & die Freude

Kardinal Schönborn am Hochfest Erscheinung des Herrn

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WIEN, 8. Januar 2009 (ZENIT.org).- Angesichts der Tatsache, dass Europa heute „Missionsland" ist, verwies der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn am Festtag der Heiligen Drei Könige auf drei Wege, um Gott zu finden: Natur, Bibel und die Freude.

Die Beobachtung der Natur sei für die Weisen, die wahrscheinlich aus dem mesopotamischen Raum kamen, der erste Hinweis auf Gott gewesen, erklärte der Kardinal nach Angaben der Erzdiözese Wien beim Pontifikalhochamt im Wiener Stephansdom. Ähnlich sei es Francis Collins ergangen, einem der führenden Genetiker der Gegenwart. Schönborn berichtete von einem Gespräch mit dem Leiter des erfolgreichen „Human Genome Project", dem es gelungen war, eine komplette menschliche DNA-Sequenz zu entschlüsseln. Der Wissenschaftler habe ihm vor rund zwei Monaten seinen Weg zum Glauben an Christus geschildert. Collins sei nicht durch ein „mystisches Erlebnis", sondern durch die Vernunft, die Beobachtung der Natur, die „unfassbare Komplexität des Genoms" zum Glauben gekommen. „Das Wunder des Lebens, die Schöpfung, spricht vom Schöpfer."

Ohne die Deutung der Heiligen Schrift hätten aber auch die Astronomen aus Mesopotamien nicht den Weg zu Christus gefunden, fuhr Kardinal Schönborn fort. Deshalb sage der heilige Hieronymus, der große Kirchenvater und Bibelübersetzer, der in Jerusalem lebte, die Heilige Schrift nicht zu kennen, bedeute, Christus nicht zu kennen. Auch das Zweite Vatikanische Konzil betone ganz klar, dass in der Heiligen Schrift Gott „wie ein Vater" zu seinen Kindern spricht.

Schließlich machte der Vorsitzende der Österreichischen Bischöfe auf die „unaussprechliche Freude" aufmerksam, die die Heiligen Drei Könige nach den Evangeliumsberichten auf ihrem Weg zu Jesus verspürt hätten; die Freude darüber, dass sie „Gott entdeckt hatten" oder dass „sie von Gott gefunden wurden". Die Freude sei offensichtlich ein „Lockruf der Gnade Gottes".

Für 2010 kündigte der Kardinal auch eine große Diözesanmission an. In seinem letzten Hirtenbrief (vgl. Wir können nicht schweigen) geht er näher darauf ein und erläutert, was Mission im heutigen Kontext konkret heißt.

„Christsein ist für mich vor allem: Ihm glauben, Ihm vertrauen, Sein Wort hören und betrachten, und Seine Gemeinschaft suchen, Sein Freund werden", schreibt Kardinal Schönborn.

„Freundschaft mit Jesus, das heißt zum einen: Zeit für die Begegnung, das hinhörende Stillsein in Seiner Gegenwart, bevorzugt in Seiner eucharistischen Gegenwart im Tabernakel. Freundschaft mit Jesus, das heißt zum anderen: eine wache Aufmerksamkeit für die, mit denen Er sich besonders identifiziert - die Armen, die Kranken, die Fremden, die Gefangenen, die Ausgestoßenen, die Sünder,... Freundschaft mit Jesus, das heißt schließlich: Mit Seinen Augen sehen lernen, mit Seinen Gedanken vertraut werden, Seinen Willen suchen und zu tun versuchen. Und vor allem: mit Seinem Herzen verbunden sein."