Drogen: der nie endende Kampf

Bericht hebt die Kosten des Missbrauchs von Narkotika hervor

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NEW YORK, den 10. Mai 2003 (ZENIT.org).- Während des Kriegs im Irak ging eine Meldung ganz unter: die Veröffentlichung des Jahresberichtes des ‚International Narcotics Control Boards‘ (der internationalen Kontrollbehörde für Narkotika) im vergangenen Februar. INCB ist ein unabhängiges Überwachungsorgan, das über die Durchführung der internationalen UNO-Konventionen zur Drogenkontrolle berichtet.



Ein Hauptthema in dem Bericht sind die Kosten des Drogenhandels, die Entwicklungsländer tragen müssen. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung über südamerikanische und asiatische Drogenkönige bekommen die Länder, welche die illegalen Drogenpflanzen anbauen, nicht den Löwenanteil der Profite aus dem Drogenhandel. Nur ein Prozent des Geldes, das letztendlich von Drogenkonsumenten bezahlt wird, wird als landwirtschaftliches Einkommen in Entwicklungsländern verdient, heißt es in dem Bericht. Die übrigen 99 Prozent werden an verschiedenen anderen Punkten entlang der Drogenhandels-Kette verdient.

Der Bericht hebt außerdem den destabilisierenden Effekt der illegalen Rauschgiftproduktion für die Wirtschaft und die bürgerliche Gesellschaft hervor. Auch wenn die illegale Anpflanzung arbeitsintensiv ist, schafft sie nicht viele zusätzliche Arbeitsplätze. Am Ende der 1980er Jahre waren zusammengenommen nur drei Prozent der ländlichen Bevölkerung von Bolivien und Peru in der illegalen Drogenproduktion beschäftigt. Am Ende der 1990er Jahre war die Situation in Afghanistan und Kolumbien ungefähr die gleiche.

Ebenso verhindert das Geld, das dann wirklich im Erzeugungsland bleibt, ein langfristiges Wirtschaftswachstum, stellt der Bericht fest. Der Erlös der verbotenen Drogen wird hauptsächlich für exzessiven Konsum vergeudet. Der Bericht weist auch auf die schädlichen Folgen der Drogenherstellung hin. Immer wenn der Drogenhandel an Bedeutung gewinne, mehrten sich die Gewaltverbrechen, die Rechtsstaatlichkeit sei in Gefahr und Korruption schwäche das politische System.

Ein einschlägiges Beispiel sei Afghanistan. Das INCB erklärt, dass massive Steigerungen der Opiumproduktion in den frühen 1990er Jahren mit zur Entfachung von Bürgerkriegen beitrugen, während gleichzeitig das Wirtschaftswachstum zurück ging und der Lebensstandard sank.

In einem Begleitschreiben zu dem Bericht bekräftigt INCB-Präsident Philip Emafo, dass eine Drogenkontrolle durch die Regierungen nicht nur im Interesse der Gesundheit und der Sicherheit sondern auch im Interesse des Aufbaus einer lebensfähigen, stabilen Wirtschaft liege. “Die Drogenkontrolle aufzugeben wäre so, wie wenn man die Verpflichtung zu sozialem und wirtschaftlichem Fortschritt unserer Staaten aufgeben würde”, schreibt er.

Die Organisatoren von Kampagnen in entwickelten Ländern zu Gunsten einer Legalisierung von Rauschgiften, besonders von Marihuana, beschuldigte der INCB-Präsident, den Zugang zu beträchtlichen Geldmitteln zu haben, “die sie zur Desinformation der Öffentlichkeit benutzen.” Nichtsdestoweniger, bemerkt er, habe die Öffentlichkeit konstant die Legalisierung von Drogen abgelehnt, wie z.B. in jüngsten Abstimmungen in einigen Bundesstaaten in den Vereinigten Staaten geschehen.

Und während einige die Legalisierung von Drogen als ein Recht für die Drogenkonsumenten reklamieren, hebt der Bericht hervor, dass diesen Leuten nicht der Gedanke gekommen zu sein scheint, dass die Konsumenten von Drogen selbst die Grundrechte ihrer eigenen Familienmitglieder und der Gesellschaft verletzen. “Die Familien und die Gesellschaft haben auch Rechte, die respektiert und aufrecht erhalten werden sollten”, stellt der Bericht fest.

Regionale Entwicklungen

Der Bericht gibt einen Überblick über die Entwicklungen in den wichtigsten geographischen Regionen. In Afrika ist der illegale Anbau von Marihuana nach wie vor weit verbreitet, besonders in Marokko. Afrikanische Behörden, die für die Durchsetzung der Gesetze zuständig sind, haben ihre Besorgnis zum Ausdruck gebracht, die Trends in Europa und Nordamerika hin zu einer Liberalisierung oder gar einer Legalisierung der nicht medizinischen Verwendung von Marihuana (oder Cannabis) würden die Bemühungen afrikanischer Länder unterminieren, dem illegalen Anbau der Pflanze und dem Handel mit ihr entgegen zu wirken.

Der Missbrauch von Amphetaminen ruft zunehmende Beunruhigung in einigen afrikanischen Ländern hervor. Die für die Durchsetzung der Gesetze verantwortlichen Behörden machen Razzien auf sich immer mehr verbreitende geheim gehaltene Laboratorien, die synthetische Drogen herstellen.

In Nord- und Südamerika haben die Beschlagnahmungen von Heroin und Ecstasy in Mittelamerika und der Karibik zugenommen, auch wenn der Drogenhandel in dieser Region zumeist Marihuana und Kokain betrifft. Ungefähr 10 Prozent der Fluggäste auf Flügen von Jamaika nach dem Vereinigtem Königreich schmuggeln Drogen, wie von Beamten in beiden Ländern zu hören ist.

In Kolumbien und Peru sei das Drogenproblem zunehmend mit politischen und nationalen Sicherheitsproblemen verquickt. Guerillakämpfer und paramilitärische Gruppen in Kolumbien haben den Drogenhandel und die Labore in der Hand und tauschen Rauschgift gegen Feuerwaffen.

Und damit ist der Bericht bei einem weiteren Problem: dem Zusammenhang zwischen illegalen Drogen und Waffen. El Salvador und Nicaragua haben zum Beispiel große Mengen von Feuerwaffen, Überbleibsel vergangener Bürgerkriege. Diese werden jetzt an Guerillakämpfergruppen in Südamerika verschafft, auf den selben Wegen wie das Rauschgift, nur in der entgegengesetzten Richtung.

Die Vereinigten Staaten haben inzwischen Fortschritte beim Reduzieren der Drogenkriminalität gemacht, wenn auch die von der Regierung in Bezug auf die Reduzierung der Nachfrage nach Drogen gesetzten Ziele nicht erreicht wurden, heißt es in dem INCB-Bericht. In der nationalen Drogen-Kontroll-Strategie der Vereinigten Staaten vom Jahr 2002 ist geplant, zusätzliche 1,6 Milliarden Dollar über fünf Jahre für die Behandlung und Rehabilitation Drogensüchtiger auszugeben.

In Asien ist in Myanmar die Produktion von Opium im Jahr 1996 um die Hälfte zurück gegangen. Ausrottungsaktionen in Myanmar, das der größte Produzent von illegalem Opium der Welt ist, haben im letzten Jahr das Anbaugebiet um 7 Prozent reduziert.

Mehr als 70 Prozent der weltweiten Beschlagnahmungen von Amphetaminen fanden in Ländern Ost- und Südostasiens statt, hauptsächlich in China und Thailand. Kambodscha bleibt ein Hauptlieferant von Marihuana für die Region und sonstige Gebiete und ein Transitland für Heroin. China ist inzwischen sowohl ein Hauptbestimmungsort als auch ein Transitgebiet für Heroinsendungen und hat eine große Zunahmen an Beschlagnahmungen von Heroin zu verzeichnen.

In Europa ist der Drogenkonsum wegen des Mangels an Erhebungen in den einzelnen Ländern schwieriger einzuschätzen. INCB hat jedoch den Eindruck, dass sich dort kein Anzeichen einer Milderung des Drogenproblems zeigt.

Nach Angaben des Europäischen Zentrums für die Überwachung von Drogen und Drogensucht, haben die Mitgliedstaaten der EU zwischen 500.000 und eine Million Drogenkonsumenten, die sich Drogen spritzen. Darin sind gelegentliche und frühere Konsumenten nicht eingeschlossen. Diese Zahl stellt zwar weniger als 0,4 Prozent der Bevölkerung zwischen 15 und 64 Jahren dar, das Spritzen von Drogen ist jedoch in Gemeinden mit einem hohen Anteil sozial Benachteiligter konzentriert. Die betroffenen Personen haben vielfältige Probleme, was ihre körperliche und seelische Gesundheit und ihr soziales und persönliches Verhalten angeht.

Der Bericht äußert sich kritisch zu dem Schritt einiger Regierungen, Räume einzurichten, in denen die Abhängigen sich Rauschgift aus illegalen Quellen spritzen (“drücken”) können. Dies stehe im Gegensatz zu den internationalen Drogenkontrollabkommen, heißt es in dem INCB-Bericht.

Im Januar 2002 beschloss die holländische Regierung, Marihuana als verschreibbares Narkotikum in Apotheken zugänglich zu machen. INCB drückte Besorgnis über diese Maßnahme aus, da die Forschung über die medizinischen Eigenschaften dieser Droge noch lückenhaft sei.

Ecstasy, etc.

Der Bericht befasst sich auch mit der Seuche synthetischer Drogen, wie Ecstasy. Diese Drogen sind schwer zu kontrollieren, weil sie billig und leicht irgendwo in der Welt hergestellt werden können, so lange die Hersteller die nötigen Chemikalien haben. Die verbreitetsten Arten von synthetischen Drogen sind Amphetamin, Methamphetamin und Ecstasy (MDMA). Die Massenherstellung von Methamphetamin findet in Südostasien und Nordamerika statt, während Westeuropa der Weltlieferant Nr.1 von Ecstasy ist .

Der Bericht bemerkt, dass die Regierungen Informationen gemeinsam nutzen müssen, um effektiv den Handel der zur Herstellung dieser Drogen verwendeten Chemikalien bekämpfen zu können. Um diese Zusammenarbeit zu fördern, organisierte INCB zusammen mit der US- Regierung und der Europäischen Kommission im Juli des vergangenen Jahres eine Konferenz mit Vertretern von 38 Ländern. Die Konferenzteilnehmer erklärten sich bereit, ein Projektprisma zu erstellen, um die Umleitung und den Schmuggel von Chemikalien, die für die Herstellung von Stimulanzien verwendet werden, aufzuspüren und zu verhindern.

Die wichtigste Botschaft des Berichts lautet, dass ein scharfes Vorgehen gegen die Drogenherstellung und den Drogenhandel die wirtschaftliche Entwicklung in vielen Ländern der Dritten