Drohende Unruhen in Kenia: Der Frieden ist gefährdet

Terroranschläge gegen Christen, Armut, Flüchtlingsprobleme

Rom, (ZENIT.orgKIN) | 1000 klicks

Im Vorfeld der Präsidentschafts- und Parlamentswahlen wird Kenia von Gewalt und Attentaten erschüttert. Manche befürchten erneut Massaker wie bei den Wahlen 2007. Die Christen setzen sich mutig für den Frieden im Land ein, doch die Politik scheint damit nicht Schritt zu halten. Insgesamt 70 Völker leben in Kenia, neben den Amtssprachen Kisuaheli und Englisch gibt es daher noch 51 Dialekte. 78 Prozent der Einwohner Kenias bekennen sich zum Christentum, dennoch gibt es, vor allem im Grenzgebiet zu Somalia, auch vorwiegend muslimisch geprägte Regionen im Land.

Die wirtschaftliche Situation in Kenia ist schlecht. Die Lebenshaltungskosten sind hoch und die Menschen verdienen oft nicht genug zum Leben. Die Schwestern des Ordens „Schwestern vom heiligen Josef“ berichten, dass oftmals bedürftige Mütter an ihre Türen klopfen. Dann helfen die Ordensfrauen mit Nahrungsmitteln oder kümmern sich darum, dass kranke Kinder im Krankenhaus behandelt werden. Die Schwestern tun, was sie können: Bereits fünf Schulen haben sie gebaut – inklusive einer Kantine für die Schulkinder. Außerdem schützen die Ordensfrauen junge Mädchen vor einer im Land oft noch üblichen Zwangsheirat. Der Orden betreibt Waisenhäuser und hat Programme für Straßenkinder. Ende August 2012 waren auf den Straßen der kenianischen Großstädte über 150 000 Familien und 450 000 Kinder ohne medizinische Versorgung. Das Gesundheitssystem erreicht diese Menschen nicht, denn sie bleiben den Arztpraxen aus Angst vor Ansteckung fern: Tuberkulose und HIV lauern in den unhygienischen Krankenhäusern.

Immer wieder gibt es Spannungen mit Nachbarstaaten wie Somalia. Auch das Flüchtlingsproblem lastet schwer auf Kenia: Im Norden des Landes gibt es Lager mit über 500 000 somalischen Flüchtlingen. Gewaltsame Auseinandersetzungen sind dort an der Tagesordnung. Radikale Islamisten wie die somalische Al-Shabaab-Miliz stellen inzwischen ein ernstes Problem dar – vor allem für die Christen des Landes. Im mehrheitlich muslimischen Osten Kenias kam es 2012 verstärkt zu Terroranschlägen auf christliche Gemeinden. So wurden in der Stadt Garissa am 1. Juli 2012 die Teilnehmer von zwei Sonntagsgottesdiensten mit Granaten und Feuerwaffen angegriffen. 16 Menschen starben, Dutzende wurden verletzt.

Drei Monate später, am 30. September 2012, wurde ein weiteres Gotteshaus Ziel eines Attentates. Diesmal war es eine anglikanische Kirche in einem Vorort von Nairobi. Ein Kind wurde dabei getötet, neun weitere erlitten Verletzungen. Solche Angriffe haben sich gehäuft, seit die kenianische Regierung im Oktober 2011 beschlossen hatte, Soldaten nach Somalia zu senden, um dort den Aufstand der Al-Shabaab-Miliz niederzuschlagen.

Der kenianische Bischof Paul Darmanin sagt zu diesen Vorfällen: „Die Kirchen werden zur Zielscheibe der Terroristen, weil sie leicht zu treffen sind, doch die Motivation dieser Angriffe ist politisch begründet.“ Christen und Muslime befänden sich nicht im Konflikt, beide Seiten hätten die Attentate verurteilt und jeden Religionskrieg abgelehnt. Am 10. November 2012 erreichte die Gewalt jedoch eine neue Dimension, als in der nördlichen Region Baragoi 40 Polizisten von Terroristen massakriert wurden. „Der Frieden ist gefährdet“, stellte damals ein ortsansässiger Pater fest. Es stimmt, denn seither setzt die kenianische Regierung neben der Polizei auch das Militär ein, um die Terroristen zu jagen. Die Soldaten gehen dabei nicht zimperlich vor – Meldungen über brutale Militäreinsätze auch gegen die Zivilbevölkerung häufen sich.

Bei den bevorstehenden Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im März  besteht die Gefahr, dass die sozialen und ethnischen Spannungen politisch ausgenutzt werden. Terrororganisationen schmuggeln Waffen aus Somalia ein und wollen gewaltsame Auseinandersetzungen wie schon 2007 provozieren. Damals erlebte das Land wegen des umstrittenen Ergebnisses der Präsidentschaftswahl zwei Monate lang gewaltsame Konflikte. 1200 Menschen starben und 600 000 wurden vertrieben. Kommt es diesmal zu ähnlichen Unruhen, könnte es noch schlimmer werden: Denn vor sechs Jahren gingen die Menschen noch mit Pfeil und Speer aufeinander los. Heute sind sie dagegen oftmals mit Sturmgewehren und Granaten bewaffnet.