Dürfen Laien predigen?

Unter bestimmten Voraussetzungen und bei eng umgrenzten Gelegenheiten

Rom, (ZENIT.org) Edward McNamara LC | 337 klicks

P. Edward McNamara, Professor für Liturgie am Päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum“ in Rom, beantwortet eine Leserfrage zur Laienpredigt.

Frage: Ist es einem beauftragten Laien, das heißt dem eingesetzten Lektor oder Akolyth, bei der Wortgottesliturgie (wenn kein Priester oder Diakon anwesend ist) erlaubt, eine kurze Homilie zu geben, um die Lesungen zu erklären, die während der Feier verkündet worden sind? -- S.F., Italien

P. Edward McNamara: Unter bestimmten Voraussetzungen dürfen Laien predigen. In der Instruktion von 2004 „Redemptionis Sacramentum“ heißt es hierzu unter Nr. 161:

„Wie schon gesagt, ist die Homilie innerhalb der Messe wegen ihrer Bedeutung und Eigenart dem Priester oder Diakon vorbehalten. Was andere Formen der Predigt betrifft, können christgläubige Laien, wenn es aufgrund einer Notlage in bestimmten Umständen erforderlich oder in besonderen Fällen nützlich ist, nach Maßgabe des Rechts zur Predigt in einer Kirche oder in einem Oratorium außerhalb der Messe zugelassen werden.[Vgl. Codex Iuris Canonici, can. 766.] Dies darf aber nur geschehen aufgrund eines Mangels an geistlichen Amtsträgern in bestimmten Gebieten und um diese ersatzweise zu vertreten; man kann aber nicht einen absoluten Ausnahmefall zur Regel machen und man darf dies nicht als authentische Förderung der Laien verstehen. Zudem sollen alle bedenken, dass die Befugnis, dies zu erlauben, und zwar immer ad actum, den Ortsordinarien zukommt, nicht aber anderen, auch nicht den Priestern oder den Diakonen.“

Einige Kirchenrechtler behaupten, dass das Dokument „Redemptionis Sacramentum“ und die Interdikasteriale Instruktion „Ecclesiae de mysterio“ zu einigen Fragen über die Mitarbeit der Laien am Dienst der Priester (1997) in Bezug auf die Laienpredigt strenger ist als der Codex des kanonischen Rechts.

Das scheint tatsächlich so zu sein und war wahrscheinlich auch beabsichtigt. Gewiss sind die infrage kommenden Dokumente alle ordnungsgemäß von Papst Johannes Paul II. approbiert worden, der ebenfalls den Codex promulgierte.

Das Verbot für Laien, [in der hl. Messe] die Homilie zu halten, ist sogar noch strikter, und der Heilige Stuhl ist so weit gegangen zu erklären, dass der Diözesanbischof nicht die Autorität besitzt, einem Laien die Erlaubnis zur Predigt zu erteilen.

Die Gründe dafür, dass der Bischof nicht bevollmächtigt ist, diese Dispens zu erteilen, sind in dem oben erwähnten Dokument von 1997 aufgeführt: „Es handelt sich nämlich nicht um eine bloß disziplinäre Verfügung, sondern um ein Gesetz, das die Aufgaben des Lehrens und Heiligens betrifft, die untereinander eng verbunden sind“ (Artikel 3, Nr. 1).

Was den besonderen Fall angeht, den uns unser Leser aus Italien unterbreitet hat, so heißt es in der italienischen Version des Ritus für die Austeilung der heiligen Kommunion außerhalb der Messfeier bezüglich der Homilie: „31. Wenn es angemessen erscheint, kann der Priester oder Diakon eine kurze Erklärung des verlesenen Texts geben.“ Da an anderer Stelle verschiedene Formulierungen für einen geweihten Amtsträger und einen außerordentlichen Kommunionhelfer enthalten sind, ist recht klar, dass der Ritus keine Homilie erlaubt, sofern ihm ein Laie vorsteht.

In der englischen Version dieses Ritus ist gar keine Predigt vorgesehen. Es heißt dort in der Rubrik: „Es können eine oder mehrere Lesungen vorgetragen werden, wobei der ersten ein Psalm oder ein anderer Gesang oder auch ein Moment stillen Gebets folgt. Die Wortgottesfeier schließt mit den Fürbitten ab.“

Außerdem ist die italienische Version für besondere Anlässe während der Woche bestimmt, wie sie zum Beispiel in Krankenhäusern oder Seniorenheimen vorkommen. Der Ritus wurde nicht für eine Wortgottesfeier formuliert, die an einem Sonntag mit oder ohne Kommunionempfang stattfindet; dafür ist ein anderer Ritus notwendig, der in Italien noch recht selten Verwendung findet.

Da man aber diesen Ritus in verschiedenen Ländern braucht, hat der Heilige Stuhl 1988 im Direktorium „Sonntäglicher Gemeindegottesdienst ohne Priester“ einige allgemeine Anordnungen erlassen, die von der Bischofskonferenz entsprechend angepasst werden konnten. Was die Homilie angeht, heißt es in diesem Dokument:

„43. Damit die Teilnehmer das Wort Gottes besser aufnehmen können, soll entweder eine gewisse Erklärung der Lesungen stattfinden oder eine Zeit der Stille gehalten werden, um das Gehörte zu betrachten. Da die Homilie dem Priester oder Diakon vorbehalten ist, ist zu wünschen, dass der Pfarrer eine vorher von ihm vorbereitete Homilie dem Leiter der Versammlung zur Verfügung stellt, der sie dann vorliest. Diesbezügliche Bestimmungen der Bischofskonferenz sind zu beachten.“

In der relativ geringen Anzahl italienischer Bistümer, die solche sonntägliche Gemeindegottesdienste erlaubt haben, geht man auf unterschiedliche Weise vor. In einigen wurde lediglich ständigen Diakonen die Erlaubnis erteilt, diesen Feiern vorzustehen, wohingegen in anderen Bistümern Laien, die unter der Leitung eines Priesters einer liturgischen Gruppe angehören, erlaubt wurde, der Feier vorzustehen. In diesem letzteren Fall zieht man es vor, dass die vom Pfarrer vorbereiteten Gedanken oder dessen Homilie benutzt und nach den Lesungen vorgelesen werden. In einigen Fällen darf die Gruppe selbst einen Text vorbereiten, der die Lesungen vom Tag erklärt und vorgelesen werden kann.

Ähnliche Richtlinien sind in anderen Ländern herausgegeben worden. In einer typischen solchen Richtlinie aus Bistümern in Amerika heißt es zum Thema Homilie wie folgt:

„Laien, die der Feier vorstehen, müssen, ehe man ihnen erlaubt, in sonntäglichen Gemeindegottesdiensten ohne Priester zu predigen, hierin unterwiesen werden. Ebenso müssen sie vom Bischof beauftragt worden sein. Diakone dürfen predigen, sofern sie die dafür notwendigen Befugnisse besitzen. Der Pfarrer oder Pfarrverwalter kann einen Text zur Verfügung stellen, den der Vorstehende vorlesen kann, oder, sofern der Bischof demjenigen, der die Feier leitet, erlaubt hat zu predigen, kann dieser auch in eigenen Worten predigen.“

Sofern ein Laie einer Feier dieser Art vorsteht, sehen bestimmte Bistümer an dieser Stelle nur einen Moment der stillen Betrachtung vor.

Die Antwort an unseren Leser lautet also, dass ein vorbereiteter Laie bei einer Wortgottesfeier oder bei anderen Anlässen – sofern er vom Diözesanbischof dazu ordnungsgemäß die Erlaubnis erhalten hat – predigen darf. Das kann auch während einem sonntäglichen Gemeindegottesdienst in Abwesenheit eines Priesters geschehen, obwohl es dann vorzuziehen ist, dass der Laie einen Text verliest, der von einem Priester hierfür vorbereitet worden ist.

Übersetzt von P. Thomas Fox, LC, aus dem englischen Artikel  http://www.zenit.org/en/articles/homilies-at-communion-services

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In der Einführung der Deutschen Bischofskonferenz zum oben erwähnten Direktorium der Gottesdienstkongregation heißt es unter Nr. 4:

„Was die Verkündigung nach den Schriftlesungen betrifft, so gilt neben der in Nr. 43 des Direktoriums erwähnten Möglichkeit einer „Erklärung der Lesungen“ weiter der Beschluss der Deutschen Bischofskonferenz vom 24. Februar 1988, wonach katholische Laien (Männer und Frauen) „bei Wortgottesdiensten am Sonntag ohne Priester, sofern keine Eucharistie gefeiert werden kann“, mit dem Predigtdienst beauftragt werden können.“