"Dutzende Millionen von Kindern sind dazu gezwungen, unter entwürdigenden Bedingungen zu arbeiten"

Gesetz zur Kinderabeit in Bolivien

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 288 klicks

Zu den großen Problemen in der Welt zählt die Kinderarbeit, von der laut Angaben von „terre des hommes“ weltweit 265 Millionen Kinder zwischen fünf und 17 Jahren betroffen sind. 168 Millionen Kinder sind sog. Kinderarbeiter, d.h. sie müssen regelmäßig mehrere Stunden pro Tag arbeiten. 85 Millionen der Kinder sind dabei unter lebens- und gesundheitsgefährdenden Bedingungen tätig. 

Papst Franziskus, der sich immer wieder zu sozialen Mißständen äußerte und äußert, ergriff am 11. Juni 2014 während der Generalaudienz und am Vortag des Welttags gegen Kinderarbeit Partei für die Kinder. Er mahnte: „Am morgigen 12. Juni begehen wir den Welttag gegen die Kinderarbeit. Dutzende Millionen von Kindern – habt ihr richtig gehört? –, Dutzende Millionen von Kindern sind dazu gezwungen, unter entwürdigenden Bedingungen zu arbeiten, und sind Versklavung und Missbräuchen, schlechter Behandlung und Diskriminierungen ausgesetzt.

Ich bringe meinen innigen Wunsch zum Ausdruck, dass die internationale Gemeinschaft den sozialen Schutz der Minderjährigen ausweiten kann, um die Geißel der Kinderarbeit auszurotten. Wir alle wollen unseren Einsatz erneuern, besonders die Familien, um jedem Jungen und jedem Mädchen den Schutz ihrer Würde sowie die Möglichkeit eines gesunden Heranwachsens zu gewährleisten. Eine unbeschwerte Kindheit erlaubt es den Kindern, vertrauensvoll auf das Leben und in die Zukunft zu blicken.“

Seit über 50 Jahren schon engagiert sich auch das Bistum Trier im Kampf gegen die Kinderarbeit. In Bolivien engagiert sich die Diözesanstelle Weltkirche des Bistums, um die Lebens- und Bildungssituation der Kinder vor Ort zu verbessern. Rund 850.000 Kinder arbeiten regelmäßig in Bolivien - das sind fast zehn Prozent der 10 Millionen Einwohner -, um zum Lebensunterhalt ihrer Familien beizutragen. Wie auch in anderen lateinamerikanischen Ländern schlossen sich in Bolivien die Kinder in Gewerkschaften zusammen, um ihre Rechte besser verteidigen und einfordern zu können.

Die Regierung in Bolivien erließ jüngst ein Gesetz, das Kinderarbeit erst ab zehn Jahren erlaubt. Die Diözesanstelle Weltkirche im Bistum Trier bewertete das Gesetz als „ehrlich“. Ludwig Kuhn von der Diözesanstelle Weltkirche warnte vor einer Kriminalisierung der Kinderarbeit: „Das Gesetz zur Kinderarbeit in Bolivien ist einerseits ein ‚ehrliches’ Gesetz, da es der Realität der großen Zahl von arbeitenden Kindern gerecht zu werden sucht. Dass die Kinder so vieler Familien wegen der Armut ihrer Eltern arbeiten müssen, wird nicht dadurch gelöst, dass diese Arbeit kriminalisiert wird. Die Kindergewerkschaft fordert zurecht Anerkennung und Respekt für die Leistung der Tausenden von Kindern, die auf dem Land wie in den städtischen Zonen in vielen Bereichen tätig sind.“ Er forderte dringend die Einführung der Schulpflicht: „Ein anderes Gesetz, das für Kinder von zentraler Bedeutung ist, ist das, in dem die Schulpflicht verankert ist. Leider wird die Einhaltung der Schulpflicht im Gesetz zur Kinderarbeit nicht ebenso als Recht der Kinder auf Bildung gesichert.“

In Bolivien sei zwar ein Rückgang der Armut feststellbar, dennoch hätten viele Familien kein festes Einkommen. Vor allem eine bessere Ausbildung, die durch eine Schulpflicht garantiert werde, eröffne den Kindern Zukunftsperspektiven. Hier sei ein Handeln von politischer Seite gefragt.

Die Diözesanstelle Weltkirche im Bistum Trier setzt sich deshalb seit Jahrzehnten mit Projekten und Partnerschaften für die Förderung von Kindern in Bolivien ein. Eine der Aktionen ist die jährlich stattfindende Bolivienpartnerschaftswoche, die in diesem Jahr vom 28. September bis 5. Oktober stattfinden und das Motto „Zeig mir deine Welt!“ tragen wird. Ziel des Projekts ist es, die Lebenssituation von Jugendlichen in Bolivien und Deutschland gegenüber zu stellen und auf die Probleme der Jugendlichen aufmerksam zu machen.