Edith Steins Bekehrung war kein Zufall

Erster Anstoß kam vor der Lektüre der Autobiographie von Theresa von Avila

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ROM, 9. Februar 2007 (ZENIT.org).- Eine neue Ausgabe von Edith Steins gesammelten Werken bezeugt, dass ihre Bekehrung durch mehr als nur das Lesen der Autobiographie der heiligen Teresa von Avila bewirkt wurde.



Edith Stein (1891-1942) war eine jüdische Philosophin, die sich selbst zeitweilig als „Atheistin“ bezeichnete, dann aber zum Katholizismus konvertierte, in den Orden der unbeschuhten Karmelitinnen eintrat und schließlich in Auschwitz den Märtyrertod fand. Sie wurde von Papst Johannes Paul II. im Oktober 1998 heilig gesprochen und im Oktober des darauf folgenden Jahres zur Mitpatronin Europas ernannt.

Ihre Bekehrung wurde bislang einem glücklichen Umstand zugeordnet, demzufolge sie unwissentlich über die Autobiographie der heiligen Theresa von Avila gestolpert sei. Sie soll das Buch über Nacht verschlungen und sich bei Tagesanbruch, als sie das Buch beendet zur Seite legte, den Entschluss gefasst haben, katholisch zu werden.

Während der Vorstellung der gesammelten Werke Edith Steins an der Päpstlichen Lateranuniversität legte Pater Ulrich Dobhan, deutscher Karmelit und Fachkundiger auf dem Gebiet Edith Stein, der die deutsche Ausgabe ihrer Werke beaufsichtigte, seine Erkenntnisse über ihre Bekehrung dar: Er glaube, dass Edith Stein von der Existenz des Buches der heiligen Teresa von Avila gewusst und es absichtlich ausgesucht habe.

Während des Sommersemesters des Jahres 1918 habe Edith Stein die Vorlesung von Edmund Husserl über Rudolf Ottos Buch „Das Heilige“ an der Universität in Freiburg besucht. Pater Dobhan erklärte gegenüber ZENIT, dass Edith Stein bei dieser Gelegenheit höchstwahrscheinlich dem Namen der heiligen Teresa von Avila begegnet sei, da dieser im angeführten Buch erwähnt werde.

Am 24. oder 25. Mai 1921 habe sie diese Autobiographie dann im Haus von Anne Reinach und ihrer Schwägerin Pauline in Göttingen gezielt aus deren persönlicher Bibliothek hervorgeholt.

Die Lektüre des Lebenswegs der heiligen Teresa sei für Edith Steins Neigung zum Katholizismus hin (anstatt zum Protestantismus) entscheidend gewesen, wobei Pater Dobhan ausdrücklich klarstellte, dass es sich dabei allerdings keineswegs um einen „Schritt vom Atheismus zum Christentum“ gehandelt habe.

Der Satz: „Das ist die Wahrheit!“, den Edith Stein nach dem Lesen des Buchs ausgerufen haben soll, stimme weder mit dem überein, was sie tatsächlich gesagt habe, noch spiegle er Edith Steins „geistlichen Weg“ wider.

Edith Steins Erforschung des Christentums sei langsam gereift: Als Philosophin sei sie von Max Schelers Werk (in dessen katholischen Jahren) und ferner vom heroischen Zeugnis von Anne Reinach, der Witwe des befreundeten Philosophen Adolf Reinach, der im November 1917 im Krieg gefallen sei, zutiefst beeindruckt worden.

Pater Dobhan hob hervor, dass das Buch der heiligen Teresa von Avila zwar nicht die einzige Quelle der Bekehrung Edith Steins darstelle, dass es sie aber zum Entschluss veranlasst habe, im Jahr 1933 am Festtag der heiligen Teresa von Avila in den Karmel einzutreten und den Ordensnamen Teresia Benedicta a Cruce anzunehmen.