Eheannullierungsverfahren nehmen zu

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ROM, 9. Februar 2005 (ZENIT.org).- In den letzten Jahrzehnten sei besonders in Nordamerika und Europa ein enormer Anstieg in Eheannullierungsverfahren zu verzeichnen gewesen, wurde diesen Dienstag im Vatikan erklärt.



"Weltweit wurden 56.236 Annullierungsverfahren in erster Instanz abgeschlossen, davon 46.092 positiv und 2.893 negativ“, erklärte Bischof Velasio de Paolis, Sekretär der Apostolischen Signatur, dem Obersten Gerichtshof der Kirche, anlässlich der Präsentation der neuen Instruktion über Eheannullierung “Dignitas Conubii“ ("Der Wert der Ehe"). Diese Instruktion soll “in diözesanen und interdiözesanen Gerichten bei Ehe-Nichtigkeitsverfahren verwendet werden", ergänzte der Bischof.

Von den 46.092 im Jahre 2002 annullierten Eheschließungen gab es 343 in Afrika, 676 in Ozeanien, 1.562 in Asien, 8.855 in Europa und 30.968 in Nordamerika. 5.688 fanden in Mittel- und Südamerika statt. Die überwiegende Mehrheit dieser Fälle wurde in zweiter Instanz bestätigt.

Die Annullierungsprozesse seien in den letzten Jahrzehnten vor allem in den Ländern, die über christliche Wurzeln verfügen, enorm angestiegen, bedauerte Msgr. de Paolis. Dafür gebe es drei Ursachen: Erste Ursache sei unter anderem eine weit um sich greifende Säkularisierung, die irrige Auffassungen von Ehe verbreitet. "Nicht wenige der heutigen sind deshalb nichtig, weil die Gläubigen wesentliche Elemente ausschließen, die für ihr Bestehen fundamentale Bedeutung haben“, so de Paolis. Eine zweite Ursache für den Zuwachs an Eheannullierungsverfahren liege in der tieferen Kenntnis der menschlichen Psyche. Dies führe öfter zur Erkenntnis, dass in bestimmten Fällen der Ehekonsens nicht ausreichend ist.
Als dritte Ursache sieht der Bischof das persönliche Gewissen jedes Menschen: Viele Gläubige streben eine Nichtigkeitserklärung der Ehe an, "weil sie wissen, dass für einen Katholiken eine Ehe nur dann gültig ist, wenn sie nach den Gesetzen der Kirche gefeiert wird“. Gläubige hätten nicht das Recht, aus irgendeinem Grund eine Annullierung zu fordern, aber sie sollten im echten Zweifelsfall doch das Recht auf eine “gerechte Entscheidung“ haben, betonte er.

Kardinal Julián Herranz, Präsident des Päpstlichen Rates zur Interpretation von Gesetzestexten, erklärte die relativ geringe Zahl von Annullierungsfällen in Afrika and Asien mit einer dort “vielleicht größeren Stabilität der Ehe“, aber er fügte hinzu: "Es kann auch deshalb so sein, weil es schwieriger ist, zu kirchlichen Gerichten zu kommen, denn dort gibt es weniger". Der Kardinal stellte klar, dass “nicht nur Reiche Zugang zu Eheannullierungsverfahren“ hätten. Dies sei für alle möglich.

Msgr. Antoni Stankiewicz, Rektor der Rota Romana, informierte darüber, dass “69% der 141 Fälle, die der Rota Romana im Jahre 2004 vorgelegt worden waren, kostenlos bearbeitet wurden“.