Eheleute nicht im Regen stehen lassen

Katechese über die Ehe (Teil 10)

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Von Pfarrer Ulrich Engel*

RODGAU, 13. Oktober 2011 (ZENIT.org). – Als Beitrag zu der seit dem Besuch von Papst Benedikt XVI. in Deutschland wieder aufgeflammten öffentlichen Debatte über die kirchliche Lehre vom Ehesakrament veröffentlichen wir die folgende (mündlich gehaltene) Ehekatechese, deren jeweils vorausgehenden Teile auf unserer Website abrufbar sind.

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Wir haben die Betrachtungen abgeschlossen mit der Betrachtung über die gegenseitige Ergänzung von Mann und Frau zu dieser Einheit der sakramentalen Ehe. Wir haben auch den Text aus dem Epheserbrief betrachtet, der eingeleitet wird durch die Worte: Einer ordne sich dem anderen unter in der gemeinsamen Ehrfurcht vor Christus. Ich sage es noch einmal, gerade auch deswegen, weil dieser Text heute so verpönt ist, dass er wirklich nicht als ein Text verstanden werden kann, der die Frau etwa unterdrückt, sondern ganz im Gegenteil. Er verpflichtet den Mann zu einer Liebe der Frau gegenüber, wie sie der Liebe Christi zu seiner Braut, der Kirche, entspricht, und das bedeutet, Liebe bis zum Kreuz. Eine Frau, denke ich, die einen solchen Mann hat, der sich sein Ehemann-Sein von Christus her als Vorbild nimmt, darf sich glücklich schätzen.

Heute wollen wir zunächst einmal betrachten, dass diese beiden Geschlechter, Mann und Frau, eben auch verschiedene Aufträge haben, d.h., dass sie verschiedenen Sendungen zu erfüllen haben. In Mann und Frau ist eine verschiedene Wesensart mit ihren verschiedenen, aufeinander bezogenen und ergänzenden, aber deswegen auch nicht austauschbaren Möglichkeiten von Schöpfer angelegt. Ein Mann ist nicht deswegen ein Mann, weil er aussieht wie ein Mann, oder überhaupt nur als Mann erzogen sein soll, wie das ja die Gender-Ideologie uns weismachen will. Eine Frau ist nicht nur deswegen eine Frau, weil sie aussieht wie eine Frau. Sondern ein Mann ist ein Mann, weil er die Seele eines Mannes hat und eine Frau ist eine Frau, weil sie die Seele einer Frau hat, die sich jeweils im Leib ausdrückt. Und im Verhältnis zu den Kindern gibt es auch eine Mütterlichkeit und ein Väterlichkeit, und die sind nicht dasselbe und darum auch nicht austauschbar.

Das alles hat natürlich auch zu tun mit der unterschiedlichen Sendung und dem Auftrag von Mann und Frau innerhalb der Ehe. Schließlich kommen ja beiden Geschlechtern unterschiedliche Grundaufträge zu, die bei aller modernen Gleichberechtigung auch nicht von dem jeweils anderen Geschlecht einfach übernommen werden können. Allein schon, dass nur ein Mann einen Neuanfang setzten kann, den die Frau auch nur so empfangen kann, wie er vom Mann gesetzt wird, zeigt nicht nur deren Verschiedenheit, sondern auch ihre Zuordnung sowie auch eine Entsprechung beider mit ihren natürlichen Möglichkeiten, aber damit auch deren Notwendigkeit. Auch insofern besteht ein Abbild zu einer bedeutenden übernatürlichen Wirklichkeit, nämlich der Zeugung und Empfängnis der Erlösung, wenn ich das jetzt einmal so sagen darf.

Es ist nämlich überhaupt kein Zufall, dass der Erlöser als Mann auf die Welt kommt. Die erlösungsbedürftige Menschheit dagegen durch eine Frau, nämlich durch Maria, repräsentiert wird. Denn den notwendigen Neubeginn der durch die Sünde korrumpierten und damit auch erlösungsbedürftigen Menschheit und der Schöpfung überhaupt konnte nur ein Mann setzen, und er heißt Jesus Christus. Diese Erlösung, wie wir diesen Neubeginn auch nennen, musste die erlösungsbedürftige Menschheit auch empfangen. Und dafür steht stellvertretend Maria, die ohne den Makel der Erbschuld empfangene Jungfrau und Mutter Gottes. Denn nur eine Frau kann empfangen. Diese Verschiedenheit der Grundaufträge des Schöpfers an das jeweilige natürliche Geschlecht zeigt sich dann aber auch an dem Zuständigkeitsbereich von Mann und Frau, beziehungsweise Vater und Mutter, an der urchristlichen Familie, nämlich der Heiligen Familie. Gabriele Kuby schreibt in ihrem Buch „Mein Weg zu Maria“ in der 6. Auflage, Seite 103, sehr zutreffend: „Das Modell der Ehe heißt im Klartext: die Frau, deren Wesen Empfänglichkeit und Hingabe ist, hat die direktere Verbindung zum Himmel und zur Natur. Der Mann liebt sie dafür und hört auf sie, sie führt seine Seele, während er die Führung in der Außenwelt hat. Und in  dieser Außenwelt dient sie ihm als Frau. Beide betrachten das Kind nicht als ihr Eigentum, sondern als ein ihnen von Gott anvertrautes Geheimnis. Sie sind nur dazu da, ihm den Platz auf dieser Erde zu schaffen, ihm die Liebe zu geben, in der es heranwachsen kann.“

Die Frau hat sich also auf den Innenraum der Familie zu konzentrieren, gerade auch auf den geistlichen Innenraum, und der Mann hat ihn nach außen hin zu schützen. Dies entspricht auch ganz dem normativen Vorbild einer gottgewollten Ehe und Familie, nämlich dem normativen Vorbild der Heiligen Familie. Man könnte mit Gabriele Kuby auch sagen, die Frau ordne sich gleichsam im äußeren Bereich dem Mann unter, dem gegenüber sich der Mann der geistlichen Intuition seiner Frau und ihrer Führung überlässt.

Ein sehr bedenkenswertes deutsches Sprichwort sagt: „Mag auch der Mann die großen Zeiten bauen, es steht und fällt ein Volk mit seinen Frauen.“ Das Gemeinwohl einer Gesellschaft wie auch das Wohl der Kirche, hängen nicht von der beruflichen Karriere der Frauen oder einer Quote der Frauen in Leitungsgremien ab, sondern von dem inneren geistigen, sogar geistlichen Gemeinwohl, das in den Zuständigkeits- und Verantwortungsbereich der Frauen fällt, auch wenn sich das äußerlich nicht unmittelbar darstellt.

Was folgt nun aus der Einheit der Ehe und dieser Zuordnung, von der wir jetzt zuletzt gehört haben? Zunächst der gleiche Ehe- und Familienname. Aus der Einheit der Ehe und der Zuordnung der Ehegatten folgt zunächst einmal, dass Eheleute und auch deren Kinder denselben Familiennamen haben. Eine Einheit muss sich auch nach außen hin als Einheit darstellen. Das verlangt die Firmenwahrheit. Und der Name kann nur der Name des Mannes sein. Dieser ist das Haupt der Frau, wie auch der ganzen Familie.

Ist es denn nicht so, dass die moderne Frau durch ihren Doppelnamen gerade ihre Selbstständigkeit und Unabhängigkeit gegenüber ihrem Ehemann dokumentieren möchte? Bloße Partner sind eben selbstständig, unabhängig und frei.

[Teil 11 folgt am 14. Oktober]

*Ulrich Engel, geb. 1950 in Erbach im Odenwald. Abitur 1968 am altsprachlichen Gymnasium in Darmstadt, Studium der Rechtswissenschaften in Mainz und Referendariat in Kassel. Danach Studium der Theologie in Mainz und Münster in Westfalen, 1984 Priesterweihe in Mainz. Nach Kaplansjahren in verschiedenen Pfarreien und am Krankenhaus seit 1990 Pfarrer von Rodgau-Weiskirchen und Rodgau-Hainhausen bei Offenbach am Main. Er ist langjähriger Referent bei „Radio Horeb“  und Autor des Buches „Die Liturgie der Karwoche und der Osternacht. Ihre Symbole, Zeichen, liturgischen Besonderheiten und deren Bedeutung – Eine liturgisch geistliche BetrachtungISBN: 978-3-9813003-1-4, € 9,90.