Eheleute nicht im Regen stehen lassen

Katechese über die Ehe (Teil 13)

| 1053 klicks

Von Pfarrer Ulrich Engel*

ROGAU, 21. Oktober 2011 (ZENIT.org). – Als Beitrag zu der seit dem Besuch von Papst Benedikt XVI. in Deutschland wieder aufgeflammten öffentlichen Debatte über die kirchliche Lehre vom Ehesakrament veröffentlichen wir die folgende (mündlich gehaltene) Ehekatechese, deren jeweils vorausgehenden Teile auf unserer Website abrufbar sind.

***

Sakramente für Geschiedene und Wiederverheiratete

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn, dies ist ein sehr schmerzliches, aber auch sehr wichtiges Kapitel und hier müssen wir auch der Wahrheit ganz klar die Ehre antun. Geschiedene und Wiederverheiratete, aber überhaupt alle, die wie sakramental verbundene Eheleute zusammenleben, ohne aber auch in diesem Sakrament verbunden zu sein, können keine Sakramente empfangen, insbesondere nicht das Bußsakrament und die hl. Eucharistie. Es sei denn, sie würden auf der Stelle und für immer unterlassen, was im Widerspruch zu der bestehenden Ehe steht. Und das ist nicht erst die sexuelle Einigung. „Wer eine Frau auch nur lüstern anschaut, hat in seinem Herzen bereits die Ehe mit ihr gebrochen“, sagt der Herr in der Bergpredigt. Dass Geschiedene und Wiederverheiratete, nicht einfach nur Geschiedene, damit da kein Missverständnis entsteht, Geschiedene und dann Wiederverheiratete nicht zur Kommunion zugelassen werden können, ist eigentlich auch unmittelbar einzusehen. Wenn man sich nur einmal bewusst macht, was wir ja schon betrachtet haben, dass die in der sakramentalen Ehe verbundenen Ehegatten ja die liebende und unzerbrechliche Einheit des Herrn mit seiner Kirche sichtbar  machen sollen, die ja genau in der hl. Kommunion gefeiert, oder wenn sie sogar so wollen, vollzogen wird; in der alle Glieder der Kirche, so auch Mann und Frau, als Bräute des Herrn mit diesem als ihrem Bräutigam leibhaftig eins werden. Zugleich aber selbst die Einheit mit ihrem sakramental verbundenen Ehegatten als die geschuldete sinnfällige Repräsentation dieses großen Mysteriums in ihrer eigenen Ehe verweigern und auch noch im Widerspruch dazu leben. Diese Widerspruchsexistenz ist ein Unheilszustand. Das hat weder etwas mit Unbarmherzigkeit noch mit schlechter Pastoral zu tun.

Ganz im Gegenteil, eine Pastoral, die auch zu Recht diese Bezeichnung verdient, muss unbedingt auf dem Boden der Glaubenswahrheit stehen und darf diese niemals unter dem Vorwand der Barmherzigkeit zur Disposition stellen, um nicht zu sagen aushebeln. Barmherzigkeit gibt es niemals auf Kosten der Wahrheit, sondern setzt die Anerkennung der Wahrheit, und das ist eben auch die Wahrheit der Unauflöslichkeit der Ehe gerade immer und unbedingt voraus. Eine Pastoral, die unter  Berufung der Barmherzigkeit Gottes die göttliche Wahrheit missachtet und beiseite schiebt, macht gerade die wirkliche Barmherzigkeit unmöglich und sie will sie entbehrlich machen. Das ist ja genau  diese billige Gnade, die man sich dann selbst gewährt. Aber so etwas ist weder pastoral noch Barmherzigkeit, sondern einfach nur Gift.

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn, unmittelbar nach ihrer Erschaffung durch Gott empfangen Mann und Frau den Segen mit dem Auftrag: seid fruchtbar und mehret euch, bevölkert die Erde. Die eheliche Liebe ist von Gott gesegnet und dazu bestimmt, auch fruchtbar zu sein. Diese biologische Fruchtbarkeit der Ehegatten ist ein integraler Bestandteil des Schöpfungshandelns Gottes selbst. Eigentlich ist dieser Auftrag Gottes selbstverständlich, wenn man sich nur einmal vergegenwärtigt, dass Gott, der ja selbst die Liebe und das Leben ist, den Menschen als sein Abbild geschaffen hat, ihm ähnlich. Wo wirklich echte Liebe ist, da ist auch Leben und da ist auch Fruchtbarkeit. Das folgt einfach aus dem Wesen der Liebe. Echte Liebe kann nicht für sich bleiben und narzisstisch selbstverliebt um sich selbst kreisen.  Liebe drängt ihrem ganzen Wesen danach, sich selbst zu verschenken und sich zu vermehren.  Liebe wird ja umso mehr und nicht, wie etwa bei materiellen Dingen umso weniger, je mehr sie sich verschenkt.

Der dreipersonale Gott ist in sich absolut vollkommen, aber da er die Liebe ist, erschafft er die sichtbare und die unsichtbare Welt, die Welt der Engel wie auch der Menschen, die er als Abbilder seiner selbst, als personale Wesen zu Gottes- und Nächstenliebe befähigt. Und die Liebe der Ehegatten, die ja die unsichtbare mystische Einheit zwischen dem Bräutigam Christus und seiner Braut, der Kirche, in ihrer gegenseitigen bräutlichen Liebe in ihrer Ehe sinnfällig machen sollen, wird selbst in dieser bräutlichen Liebe von Christus und seiner Braut aufgenommen. Echter Liebe muss man die Fruchtbarkeit nicht erst noch empfehlen. Die kann eigentlich gar nicht anders als fruchtbar werden. Echte Liebe ist also ihrem ganzen Wesen nach auf Vermehrung, d.h. aber auf Fruchtbarkeit angelegt und damit die liebende Vereinigung der Ehegatten auch auf Kinder, bzw. auf Elternschaft. Das 2. Vatikanische Konzil sagt: „Durch ihre natürliche Eigenart ist die Ehe als Institution und die eheliche Liebe auf die Zeugung und Erziehung von Nachkommenschaft hingeordnet und findet darin gleichsam ihre Krönung“.

Wo daher die Fruchtbarkeit gerade auch in den Kindern positiv ausgeschlossen wird, da ist die Ehe von vorneherein ungültig. Da fehlt es nämlich gerade an dieser Liebe. Da erklärt man vielleicht seine Schmetterlinge im Bauch für Liebe, aber das ist eine Täuschung. Echte Liebe will Unvergänglichkeit, echte Liebe will Ewigkeit. Das sexuelle Hochgefühl der Ehegatten, wenn es denn schon Ausdruck echter Liebe ist, ist schnell vorbei. Aber wenn dieser Augenblick der Ursprung eines neuen Menschen ist, und das Dasein eines Menschen beginnt im Moment der Verschmelzung von Ei und Samenzelle, da ist nämlich der Menschen mit Leib und Seele in seiner unwiederholbaren Einmaligkeit genetisch definiert und hört in alle Ewigkeit nie mehr auf zu existieren, selbst wenn er niemals geboren würde.

Wenn also dieser Ursprung, dieser  Augenblick des Ursprungs eines Menschen wirklich in dieser Liebe wäre, dann wäre dieser Mensch, der in diesem Augenblick gezeugt ist, die ewig bleibende Verkörperung eines beseligenden Momentes einer sich gegenseitig verschenkender und sich selbst vergessender Liebe seiner Eltern. Welch eine Lebenskraft müsste jedem Menschen für sein ganzes Leben erwachsen, was wäre das für ein Kapital, was für eine Mitgift seiner Eltern, wenn er ganz selbstverständlich genau das, und wäre es überhaupt nur das, von sich behaupten könnte, nämlich: „Ich bin die fleischgewordene und verewigte Liebe meiner Eltern“. Ich bin freilich nicht so naiv nicht zu wissen, dass die Realität weit davon entfernt ist, aber so ist es eigentlich von Gott gedacht und ich spreche das hier einmal in aller Deutlichkeit aus. Einem unerwünschten, ungeliebten Kind kann man dagegen nur die für dieses Wohl unglaubliche Garantie geben: dass es aber von Gott gewollt und von ihm wenigstens unendlich geliebt ist.

Was wir stattdessen in unserer Gesellschaft diesbezüglich erleben müssen, ist eine einzige und riesige menschliche Tragödie, deren Ausmaß man allerdings nur erahnen kann, wenn man das alles einmal  mit den Augen Gottes zu betrachten versucht. Was haben die Menschen aus ihrem göttlichen Schöpfungsauftrag gemacht! Wie sehr haben sie die Liebe pervertiert! Der Mensch ist schon lange dabei, sich selbst abzuschaffen. Gott will das Leben, das es aber nur in der Liebe gibt. Unsere Gesellschaft hat dagegen schon längst den Tod gewählt, weil sie wahrheitswidrig nur noch die egoistische Selbstbefriedigung nach dem Motto Lust und Spaß für Liebe und Leben erklärt. Gott lässt seiner nicht spotten, sagt der hl. Paulus im Galaterbrief. Was der Mensch sät, das wird er ernten. Und dafür hält die Schrift sehr viele Bespiele bereit.

[Teil 14 folgt am 24.10.2011]

*Ulrich Engel, geb. 1950 in Erbach im Odenwald. Abitur 1968 am altsprachlichen Gymnasium in Darmstadt, Studium der Rechtswissenschaften in Mainz und Referendariat in Kassel. Danach Studium der Theologie in Mainz und Münster in Westfalen, 1984 Priesterweihe in Mainz. Nach Kaplansjahren in verschiedenen Pfarreien und am Krankenhaus seit 1990 Pfarrer von Rodgau-Weiskirchen und Rodgau-Hainhausen bei Offenbach am Main. Er ist langjähriger Referent bei „Radio Horeb“  und Autor des Buches „Die Liturgie der Karwoche und der Osternacht. Ihre Symbole, Zeichen, liturgischen Besonderheiten und deren Bedeutung – Eine liturgisch geistliche Betrachtung.  ISBN: 978-3-9813003-1-4, € 9,90.