Eheleute nicht im Regen stehen lassen

Katechese über die Ehe (Teil 14)

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Von Pfarrer Ulrich Engel*

RODGAU, 24.Oktober 2011 (ZENIT.org). – Als Beitrag zu der seit dem Besuch von Papst Benedikt XVI. in Deutschland wieder aufgeflammten öffentlichen Debatte über die kirchliche Lehre vom Ehesakrament veröffentlichen wir die folgende Ehekatechese, deren jeweils vorausgehenden Teile auf unserer Website abrufbar sind.

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Liebe Brüder und Schwestern,

im vergangenen Teil haben wir schon gehört, dass die Liebe sich vermehren will, dass die Liebe nicht für sich bleiben kann und nicht für sich bleiben will. Echte eheliche Liebe will fruchtbar werden, eben auch in Kindern. Deswegen verbietet auch die katholisch Kirche alle künstlichen Empfängnisverhütungsmittel. Die Kirche verbietet deshalb, die Fruchtbarkeit der ehelichen Begegnung durch den Gebrauch künstlicher Empfängnisverhütungsmittel, aber auch etwa durch Sterilisation oder andere Praktiken positiv auszuschließen. Das ist jedenfalls grundsätzlich eine Sünde. Im Ehebett stehen immer sehr hohe Werte auf dem Spiel, nämlich die Echtheit der ehelichen Liebe, aber auch die Würde der Person. Und dabei vielleicht noch mehr die Würde der Frau als die des Mannes, weshalb sie sich einander auch nicht als Mittel zu eigenen Zwecken benutzten dürfen. Die Würde der ehelichen Begegnung, die Heiligung des Lebens und sogar die Würde des dabei unter Umständen gezeugten und entstandenen Menschen ist hier immer tangiert. Die Benutzung künstlicher Empfängnisverhütungsmittel, die den ehelichen Akt gegenüber einer möglichen Fruchtbarkeit verselbständigt, verselbständigt dann aber auch die Ehegatten. Darin besteht auch ein Verstoß gegen die Einheit der Ehe. Das sehen wir ja in unserer Gesellschaft.

Die empfängnisverhütenden Mittel erlauben, gerade weil sie ja alle möglichen Folgen ausschließen, einen ständigen Partnerwechsel. Und das erleben wir praktisch seit einem halben Jahrhundert. Übrigens sind auch nicht alle Verhütungsmittel ethisch gleichwertig. Insofern es so genannte Verhütungsmittel gibt, die aber nicht etwa eine Empfängnis verhindern, sondern eine Nidation, d.h. eine Einnistung des bereits befruchteten Eis in der Gebärmutter verhindern. Das heißt, das Kind ist bereits gezeugt. Und solche Nidationshemmer, die die Einnistung des befruchteten Eis in der Gebärmutter verhindern, die haben eigentlich damit abortive, d.h. abtreibende Wirkung. Bei deren Gebrauch kann also ein Kind durchaus empfangen werden, auch wenn die Frau davon gar nichts merkt, weil hier ein stiller Abort erfolgt. Das gilt insbesondere auch für die Spirale, aber auch für andere Mittel. Erst recht ist die direkte Abtreibung keine Methode der sogenannten Familienplanung. Wer abtreibt, bzw. abtreiben lässt, ist mit dieser Tat sozusagen automatisch aus der Kirche ausgeschlossen, d.h. exkommuniziert. Eine solche Tatstrafe sieht die Kirche nicht einmal für einen Mörder vor. Allerdings gibt es auch in diesem Falle von Seiten der Kirche, immer die Möglichkeit der Umkehr und der Heilung. Dazu möchte ich auch noch einmal ganz herzlich appellieren und einladen. Keine Sünde ist so groß, dass sie nicht von der Barmherzigkeit Gottes eingeholt werden könnte, wenn man sich dieser Wahrheit, dieser Unwahrheit der Sünde stellt und Gott um seine Barmherzigkeit bittet.

Wir leben hierzulande schon seit Jahrzehnten materiell auf einem sehr hohen Niveau. Da hätten sich alle Generationen vor uns schon im Himmel gewähnt. Aber die moderne Angst vor Kindern war ihnen offenbar fremd. Die hl. Katherina von Siena war das 23. Kind eines armen Wollfärbers. Der sel. Löwe von Münster, Kardinal Clemens August von Galen war das 13. Kind seiner Eltern. Das setzt aber auch den ehelichen Opfergeist voraus. Unser Wohlstand hat uns Angst gemacht, wir könnten zu kurz kommen. Wir haben den überfließenden den Genuss des Lebens für das Leben selbst erklärt und das wirkliche Leben mit allen ethisch unerlaubten Mitteln erstickt und die Bevölkerungspyramide inzwischen schon auf den Kopf gestellt. Die Rechnung kommt noch und die muss auch unerbittlich bezahlt werden. 

So sehr uns aber Kinder auch willkommen sein müssen und nicht wenige  Ehegatten leiden sehr darunter, dass sie keine Kinder bekommen können, so ist doch auch wiederum nicht jedes Mittel akzeptabel, um einen Menschen ins Dasein zu setzen. So ist schon die künstliche Insemination, auch die sogenannte homologe Insemination oder die Zeugung in der Retorte nicht nur eine Verfehlung gegen die Einheit der Ehe, sondern auch gegen die Menschenwürde überhaupt. Ein Mensch kann nicht Produkt und Ergebnis eines immer lieblosen technischen Vorgangs sein. Auch wenn der Kinderwunsch von Ehegatten noch so anerkennenswert ist, so darf er nicht auf jedwede Weise erfüllt werden, insbesondere nicht auf die vorstehend genannten Weisen. 

Trotz der weitverbreiteten ordinären, ja sogar menschenunwürdigen Ausdrucksweise vom „Kindermachen“. Wir machen keine Kinder, sondern sie sind und bleiben immer noch das Geschenk des  Schöpfers, den wir  mit seinen Plänen für uns demütig respektieren  müssen. Für die sogenannte Präimplantationsdiagnostik gilt das ja noch in besonderer Weise. Da produzieren wir ja nicht nur Kinder, sondern wir züchten sogar noch Eliten und was unseren erwünschten Qualitätsmaßstäben nicht entspricht, wird selektiert und entsorgt. Made in Germany 2011.

Gott hat mit den natürlichen Behinderungen von Menschen keine Probleme. Er wird sie alle einmal mühelos und ohne Gebrechen vollenden. Die schlimmste Behinderung und Verkrüppelung eines Menschen ist seine Herzenshärte und seine Selbstverweigerung. Wenn der liebe Gott auch uns einmal nach seinen Maßstäben für Behinderung selektierte und entsorgte, würde es dann nicht für alle geistlich Behinderten ganz furchtbar? […]

[Teil 15 folgt am 25.Oktober 2011]

*Ulrich Engel, geb. 1950 in Erbach im Odenwald. Abitur 1968 am altsprachlichen Gymnasium in Darmstadt, Studium der Rechtswissenschaften in Mainz und Referendariat in Kassel. Danach Studium der Theologie in Mainz und Münster in Westfalen, 1984 Priesterweihe in Mainz. Nach Kaplansjahren in verschiedenen Pfarreien und am Krankenhaus seit 1990 Pfarrer von Rodgau-Weiskirchen und Rodgau-Hainhausen bei Offenbach am Main. Er ist langjähriger Referent bei „Radio Horeb“  und Autor des Buches „Die Liturgie der Karwoche und der Osternacht. Ihre Symbole, Zeichen, liturgischen Besonderheiten und deren Bedeutung – Eine liturgisch geistliche Betrachtung.  ISBN: 978-3-9813003-1-4, € 9,90.