Eheleute nicht im Regen stehen lassen

Katechese über die Ehe (Teil 16)

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Von Pfarrer Ulrich Engel*

RODGAU, 2.November 2011 (ZENIT.org). – Als Beitrag zu der seit dem Besuch von Papst Benedikt XVI. in Deutschland wieder aufgeflammten öffentlichen Debatte über die kirchliche Lehre vom Ehesakrament veröffentlichen wir die folgende (mündlich gehaltene) Ehekatechese, deren jeweils vorausgehenden Teile auf unserer Website abrufbar sind.

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[…] Mit der Trauung hört die Ehe aber nicht etwa auf, da geht es ja überhaupt erst los. Und mit der Weihe am Weihealtar hat der Priester noch nicht sein Priestertum gelebt. Da hört es nicht auf, da geht es erst los. Die im Ehekonsens eingegangenen Verpflichtungen kann man nur im Vertrauen auf Gott versprechen und auch nur in enger Verbundenheit mit ihm und seiner Gnade erfüllen, sonst wird die Eheschließung tatsächlich zu einem Himmelfahrtskommando. Die Eheleute  müssen deshalb ihre Ehe als einen Zopf verstehen, der aus drei Strängen geflochten ist, wobei der Herr, der Bräutigam selbst, den mittleren, nämlich den beide Ehegatten stabilisierenden Strang bildet. Nur Gott ist stabil, nur Gott ist die einzige Konstante. Alles andere ist instabil, wackelt und hat in sich selbst keinen Halt. Im Gegenteil, alles andere muss sich festhalten, um nicht umzufallen. Nur Gott ist die einzige absolute Größte, die absolut in sich selbst steht und ruht und deshalb auch die beiden in allen Stürmen ihres gemeinsamen Lebens festhalten kann, wenn sie sich daran nur festhalten wollen.

Der Herr kann aber keinem auch nicht die unbedingt notwendigen Gnaden schenken, der sie gar nicht will, sie jedenfalls nicht ordert. Wer deshalb vor den Traualtar wie auch vor den Weihealtar geht, darf es nicht versäumt haben, sich vorher an den Herrn und seinen Gnadenstrom angenabelt zu haben. Eheleute wie Priester müssen von Stund ihrer Weihe beziehungsweise Hochzeit an am Gnadentropf des Herrn hängen. Die Nährlösung kommt, wie sie wissen, immer von oben. Wie viele Eheleute beten aber heute noch um die Gnade der ehelichen Treue und wie viele Priester gerade auch um die Gnade der vollkommenen Keuschheit? Ich will keinem zu nahe treten, sondern nur einmal die Frage stellen. Aber genau das wärs. Es ist für mich unbegreiflich, wie man an der Unauflöslichkeit der Ehe und am Zölibat der Priester herumnörgeln kann, wie das ja schon lange modern ist in der katholischen Kirche, oder aber über das geistliche Leben vor allem der Priester, aber ebenso auch der Eheleute auch nur ein Sterbenswörtchen zu verlieren. Ich jedenfalls bin davon überzeugt, dass keine Ehe scheitern müsste. Wann ist überhaupt jemals eine Ehe einmal gescheitert, wenn die beiden Ehegatten auch aus der ihnen angebotenen göttlichen Gnade leben würden. Wo die Eheleute und Familie wirklich betende Hauskirche sind, da werden sie auch von der Gnade gehalten. Statt auszuprobieren, vor der Ehe, und dann doch zu scheitern, wenn man es einmal so scheitern nennen will, weil ja gerade auch bei denen, die nicht glauben, die Angst, im Leben zu kurz zu kommen, sehr groß ist, sollte man besser auf dieses untaugliche und auch schwer sündhafte Mittel des Ausprobierens verzichten und zu dem richtigen, nämlich wirksamen Mittel greifen, nämlich der göttlichen Gnade und Hilfe.

Insofern jedes Sakrament aber auch ein Heilsweg ist, bedeutet das für Eheleute, dass sie  gerade in diesem Stand und miteinander sich in den himmlischen Hochzeitssaal behilflich sein sollen. Das lateinische Wort für Ehe, coniugium, heißt ja so viel wie Zusammenjochung.

Damit ist gesagt, dass die beiden coniuges, die beiden Ehegatten, gleichsam zusammen wie Zugtiere vor einen gemeinsamen Karren gespannt sind, den sie nun auf ihrem gemeinsamen Weg ziehen müssen, und zwar bergauf. Denn der Weg führt ja in den Himmel. Die Ehe wird dann für beide auch zu einer Schule, in der sie gerade die Selbstverleugnung lernen und die Selbstsucht überwinden sollen, indem sie lebenslang ihre Selbstbehauptung als Relikt der Erbsünde nicht selten auch sehr schmerzhaft aneinander abscheuern und abschmirgeln und dadurch immer mehr sich selbst, nämlich ihrem ego absterben und sich auf diese Weise immer mehr in die echte Liebe einüben sollen, um endlich reif für die Ewigkeit nur noch Christus zu leben. Das allein macht schon deutlich, dass Ehe kein Spaß ist. Ehe geht immer aufs Ganze, weil Gott aufs Ganze geht. Gott geht aufs Ganze, weil er die Liebe ist, und die Liebe geht immer aufs Ganze, was übrigens dann auch für die christliche Existenz überhaupt gilt. Sie ist die schwierigste Existenzform überhaupt, weil sie die Religion der Liebe ist, die eben aufs Ganze geht. Der heilige Augustinus sagt: „Hast du dich nicht selbst gegeben, hast du gar nichts gegeben.“

Liebe ist deshalb auch unbedingt. Das ist zugleich auch das Himmlische an der Ehe und das Göttliche, das ganz und gar Überirdische und damit auch in einem guten Sinn Weltfremde. Das, was sich die Welt nicht vorstellen kann und worüber sie nur verständnislos den Kopf schüttelt.

Zu der Feier einer Hochzeit gehört, leider auch bei Christen gar nicht selten, auch aller mögliche abergläubische Firlefanz, mit dem man den Wunsch nach Glück für das Brautpaar verbindet. Christen brauchen aber keine Glückspfennige und auch keinen Reis, diesen Spuk sollte man tunlichst bleiben lassen, diesen heidnischen Blödsinn brauchen wir Christen nicht. Das, was wirklich ein Gelingen der Ehe garantiert, ist allein die lebendige Beziehung zu Christus und seiner Mutter. Nur da besteht fast durchweg Fehlanzeige. Wenn also die Brautleute vom Traualtar weggehen, dürfen sie auf keinen Fall auch dem lieben Gott den Rücken zukehren, der ist mit seiner Gnade ihre einzige Garantie für das Gelingen ihrer Ehe, der Tropf, an dem sie hängen bleiben müssen. „Who prays together, stays together“, sagt ein englisches Sprichwort. „Wer zusammen betet, der steht auch zusammen“. Erinnert sei auch nochmals an Tobias und Sarah aus dem Buch Tobit.

[Teil 17 folgt am 9. November 2011]

*Ulrich Engel, geb. 1950 in Erbach im Odenwald. Abitur 1968 am altsprachlichen Gymnasium in Darmstadt, Studium der Rechtswissenschaften in Mainz und Referendariat in Kassel. Danach Studium der Theologie in Mainz und Münster in Westfalen, 1984 Priesterweihe in Mainz. Nach Kaplansjahren in verschiedenen Pfarreien und am Krankenhaus seit 1990 Pfarrer von Rodgau-Weiskirchen und Rodgau-Hainhausen bei Offenbach am Main. Er ist langjähriger Referent bei „Radio Horeb“  und Autor des Buches „Die Liturgie der Karwoche und der Osternacht. Ihre Symbole, Zeichen, liturgischen Besonderheiten und deren Bedeutung – Eine liturgisch geistliche Betrachtung.  ISBN: 978-3-9813003-1-4, € 9,90.