Eheleute nicht im Regen stehen lassen

Katechese über die Ehe (Teil 4)

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Von Pfarrer Ulrich Engel*

RODGAU, 22. September 2011 (ZENIT.org).- Als Beitrag zu der seit dem Besuch von Papst Benedikt XVI. in Deutschland wieder aufgeflammten öffentlichen Debatte über die kirchliche Lehre vom Ehesakrament veröffentlichen wir die folgende (mündlich gehaltene) Ehekatechese, deren jeweils vorausgehenden Teile auf unserer Website abrufbar sind.

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Wenn wir über das Wesen der Liebe nachdenken, dann wird uns eigentlich auch deutlich und unmittelbar einleuchtend, dass es für uns Katholiken allem selbstverständlichen Sprachgebrauch, gerade auch in der Kirche zum Trotz, eine Ehe als bloße Partnerschaft nicht geben kann. Zugegeben, Partnerschaft ist ein sehr sympathisches Wertungswort, weshalb wohl dieses Wort auch niemand auf den Prüfstand stellt. Aber wie gebrauchen wir denn dieses Wort in der Umgangssprache. Was bedeutet denn Partnerschaft in unserem gesellschaftlichen Sprachgebrauch? Wir sprechen von Vertragspartnern, von Geschäftspartnern, Tarifpartnern, Koalitionspartnern, Geschlechtspartnern, Verkehrspartnern, Lebensabschnittspartnern usw. Und was soll mit dem Wort Partnerschaft in diesen Zusammenhängen gesagt sein? Wir stehen uns alle auf Augenhöhe gegenüber, mit gleichen Rechten und Pflichten. Wir sind alle gleich und keiner ist gleicher. Spätestens da wird schon erkennbar, aus welcher Ecke der Wind pfeift. Hier geht es um Ehepolitik.

Aber eine solche Partnerschaft begründet doch keine Einheit. Alles Scheitern von Ehen wird damit eigentlich schon eingefädelt und auch schon von vorneherein für in Ordnung erklärt. Wie man sich einmal als Partner arrangiert hat, so geht man dann auch wieder  als Partner auseinander, sobald sich die Partnerschaft nicht mehr rechnet. Alle diese sogenannten „Partner“ kommen gewiss auch irgendwie zusammen, aber auch nur auf Zeit, bis auf weiteres. Solange es gutgeht.

Liebe dagegen will Ewigkeit. Diese so genannten Partnerschaften kommen überhaupt nur zustande, weil die Partner nur ihre eigenen Interessen verfolgen wollen. Die Partnerschaft ist Ausdruck einer knallharten Selbstbehauptung. So sehe ich es jedenfalls. Und abgewickelt wird diese Partnerschaft knallhart juristisch auf der Basis Rechte und Pflichten, Anspruch und Schuld. Partnerschaft ist Ausbeutung, nur auf Gegenseitigkeit und ohne Zwang. Eine Partnerschaft wird auf der ökonomischen Basis Kosten und Nutzen, bzw. Investition und Rendite geschlossen. Die Wesensmerkmale der Ehe wie Einheit und Unauflöslichkeit liegen doch da völlig neben der Sache, von der Liebe gar nicht zu reden. Alle diese Partnerschaften sind schon deswegen also keineswegs etwa bedingungslos und für immer, sondern sobald sich die Partnerschaft per Saldo nicht mehr lohnt und rechnet, steigt man aus und die Partnerschaft wird gekündigt.

Ich möchte den Partner erleben, der nicht ausschließlich sein eigenes, sondern das Interesse des anderen verfolgt, wie es ja die Liebe auszeichnen muss und die Liebe gerade charakterisiert, nämlich nur den anderen im Blick zu haben und nicht nur sich selbst. Bloße Partner vertragen sich im eigenen Interesse, aber sie lieben sich doch nicht. Ein bloß schönes Gefühl hat ja doch auch mit echter Liebe nichts zu tun. Partner brauchen sich aber auch gar nicht zu lieben. Die Erwartung unbedingter Liebe stellt kein Partner an den anderen. Ich glaube nicht, dass ich mich da täusche. Das sympathische Wort Partnerschaft appelliert doch nur an die Fairness der Partner im Umgang miteinander, dass einer den anderen nicht unlauter erschlagen und betrügerisch über den Tisch zu ziehen versucht, und ist nichts anderes als das, was man juristisch nennt: Treu und Glauben gemäß § 242 BGB, um es mal ganz juristisch und gesetzlich zu sagen. So, dann frage ich nur noch nach alledem, was ich bereits ausgeführt habe, was eine solche, auch von der kirchlichen Nomenklatur hochgepriesene Ehepartnerschaft mit der selbstlosen und bedingungslosen Liebe und der durch sie begründeten personalen Zweieinheit von Mann und Frau und deren Unauflöslichkeit noch zu tun haben soll. Ehe und bloße Partnerschaft schließen einander kontradiktorisch aus.

Bevor ich daran dachte, Priester zu werden, wollte auch ich heiraten. Ich hätte aber nur eine liebe Frau, und nicht bloß eine Partnerin geheiratet. Wer nur eine bloße Partnerschaft will, will keine Ehe. Ehe ist viel mehr, und damit etwas ganz anderes, als eine bloße Partnerschaft. Eine Ehe, die beide Gatten nur als Partner versteht, ist schon wurzelkrank, denn auf der Basis einer bloßen Partnerschaft kann es eine unauflösliche Einheit nicht geben, wie sie für die sakramentale Ehe ja gefordert werden muss. Eine Ehe, die nur als Partnerschaft gewollt ist, leidet meines Erachtens bereits an einem erheblichen Mangel im Ehewillen. Eine bloße Partnerschaft ist für eine sakramentale Ehe immer viel zu wenig und absolut ungenügend. Demgegenüber die vielgestaltigen außersakramentalen sexuellen Beziehungen tatsächlich niemals mehr sein können als bloße Partnerschaften.

Hier wird ganz deutlich, dass das positiv klingende Wort Partnerschaft nichts anderes ist, als ein Instrument, um die sakramentale Dimension einzuebnen und den sakramentalen Stand der Ehe seiner ärgerlichen Heiligkeit zu entkleiden und ihn nur noch als einen unter den übrigen vielen unheiligen sexuellen Beziehungen einzureihen und untergehen zu lassen. Und heute sind all diese Partnerschaften der sakramentalen Ehe weitgehend gleichgestellt.

Zu einer Zeit, als die Ehe noch ohne Diskussion der einzige, gesellschaftlich anerkannte Ort sexueller Beziehungen war und alle übrigen Formen sexuellen Zusammenlebens geächtet waren, gab es das Wort Partnerschaft für eine sexuelle Beziehung überhaupt nicht. Dieses Wort ist nur ein Euphemismus, ein Schönreden für das von unserer Gesellschaft gebilligte, moderne sexuelle Tohuwabohu.

Bisher haben wir schon viel Grundsätzliches und Wichtiges für das Sakrament der Ehe gehört, aber eigentlich noch gar nichts Spezielles. Vor diesem allgemeinen Hintergrund kann man aber alles Weitere nur umso verständlicher und auch kürzer abhandeln.

Betrachten wir nun die Sakramentalität der Ehe. Die Ehe ist, wie wir ja alle wissen, ein Sakrament, nämlich das siebte der sieben Sakramente. Und trotzdem ist das in dieser Allgemeinheit noch nicht einmal richtig. Denn einmal ganz abgesehen davon, dass die Ehe für die reformatorischen Glaubensgemeinschaften nur ein weltlich Ding ist, wie Luther sagt, hat für die katholische Kirche, wie auch für die Ostkirchen nur eine Ehe zwischen Getauften sakramentalen Charakter. Eine Ehe zwischen Ungetauften ist eine bloße sogenannte Naturehe, die keinen sakramentalen Charakter hat. Und auch eine Ehe zwischen nur einem Getauften und einem Ungetauften ist nicht sakramental, sondern eine sogenannte halbchristliche Ehe.

Was bedeutet es denn eigentlich, dass die Ehe ein Sakrament ist? Ein Sakrament kommt zustande durch das sakramentale Zeichen und das ihm entsprechende Wort. Das Wort ist das Vermählungswort, das sich beide Brautleute einander geben und das Zeichen der Vollzug dieses Ja-Wortes in der körperlichen Einigung beider, wodurch die unauflösliche Zweieinheit von Mann und Frau für deren gesamte Lebenszeit begründet wird. Wie jedes sinnfällige, sakramentale Zeichen ein sichtbares Heilsmysterium bezeichnet, wie etwa Brot und Wein den Leib und das Blut Christi, so bezeichnet das unauflösliche Zeichen dieser Zweieinheit der Ehe den Neuen und Ewigen Bund, nämlich die unsichtbare, mystische Zweieinheit zwischen Christus, dem ewigen Bräutigam und Haupt seiner Kirche und seiner Braut, der Kirche, seinem mystischen Leib. Deswegen nennt auch die Kirche die sakramentale Ehe selbst einen Bund, foedus im Lateinischen. Dabei repräsentiert der Ehemann immer Christus, das Haupt, und die Frau die Kirche, seinen Leib. Die Zweieinheit von Mann und Frau in der Ehe macht also die unsichtbare Einheit der ganzen Kirche aus Haupt und Gliedern, bzw. seinen Leib und damit den ganzen Christus sichtbar. Die sakramentale Ehe bildet damit schon eine Hauskirche. Damit muss man über die Heiligkeit und damit auch über die Unantastbarkeit und Unverfügbarkeit de Ehe, aber auch über ihre hohe Würde eigentlich kein weiteres Wort mehr verlieren. Hände weg von der Heiligkeit der Ehe! (Teil 5 am 28.9.2011)

*Ulrich Engel, geb. 1950 in Erbach im Odenwald. Abitur 1968 am altsprachlichen Gymnasium in Darmstadt, Studium der Rechtswissenschaften in Mainz und Referendariat in Kassel. Danach Studium der Theologie in Mainz und Münster in Westfalen, 1984 Priesterweihe in Mainz. Nach Kaplansjahren in verschiedenen Pfarreien und am Krankenhaus seit 1990 Pfarrer von Rodgau-Weiskirchen und Rodgau-Hainhausen bei Offenbach am Main. Er ist langjähriger Referent bei „Radio Horeb“  und Autor des Buches „Die Liturgie der Karwoche und der Osternacht. Ihre Symbole, Zeichen, liturgischen Besonderheiten und deren Bedeutung – Eine liturgisch geistliche Betrachtung.  ISBN: 978-3-9813003-1-4 , € 9,90.