Eheleute nicht im Regen stehen lassen

Katechese über die Ehe (5. Teil)

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Von Pfarrer Ulrich Engel*

RODGAU, 28. September 2011 (ZENIT.org). - Als Beitrag zu der seit dem Besuch von Papst Benedikt XVI. in Deutschland wieder aufgeflammten öffentlichen Debatte über die kirchliche Lehre vom Ehesakrament veröffentlichen wir die folgende (mündlich gehaltene) Ehekatechese, deren jeweils vorausgehenden Teile auf unserer Website abrufbar sind.

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Damit wird aber auch sofort einsichtig, warum nur eine Ehe zwischen Getauften, die also selbst durch die Taufe zur Kirche und zu Christus gehören, auch dieses Zeichen setzen können. Sobald deshalb auch nur ein Teil nicht zu Christus gehört, weil er nicht getauft ist, kann dieses sakramentale Zeichen nicht zustande kommen. Alles, was nun innerhalb der sakramentalen Ehe geschieht, und sei es auch noch so intim, hat deshalb auch immer als Ausdruck dieser höchst würdevollen, aber auch anspruchsvollen Wahrheit und Wirklichkeit zu geschehen. Dass die Einheit von Mann und Frau in der Liebe  auch zugleich immer ein Abbild der liebenden Einheit der drei göttlichen Personen in Gott ist, wurde ja bereits gesagt.

Zugleich ist jedes Sakrament auf seine Weise aber auch Heilsmittel und Heilsweg. Wie jedes andere Sakrament, so vermittelt auch das Ehesakrament die entsprechenden Gnaden, nämlich die göttlichen Hilfsmittel, die für die Erfüllung der jeweiligen Aufgaben der Ehegatten in Ehe und Familie, in Kirche und Weltnotwendig sind, und ihre Ehe auch im Sinne Gottes gelingen lassen. Dazu müssen beide allerdings auch am Tropf des Herrn bleiben. Insofern jedes Sakrament auch ein Heilsweg ist, bedeutet das für die Eheleute, dass ihr gemeinsamer Lebensweg in den himmlischen Hochzeitssaal führen und sich dort für alle Ewigkeit vollenden soll. Die Ehegatten tragen die erste und die größte Verantwortung dafür, dass sie sich gegenseitig in den Himmel verhelfen. Meistens ist wohl eher das Gegenteil der Fall, da stehen sich beide eher im Weg zu diesem Ziel. Ob eine Ehe glücklich war, bestimmt sich keineswegs aus der Optik der Welt, sondern nur danach, ob sie schließlich beide im Himmel sind. Wenn der gemeinsame Lebensweg ein Kreuzweg war, aber in den Himmel geführt hat, dann ist die Ehe gelungen, um nicht zu sagen, dann war sie glücklich. Andernfalls ist sie gescheitert. Auch wenn die beiden noch so lange in Lust und Freuden gelebt haben.

Wie überhaupt jedes der sieben Sakramente der Kirche, so hat auch das Sakrament der Ehe seinen Ursprungsort am Kreuz und nicht etwa bei der Hochzeit von Kana, wo der Wein in Strömen floss. Kana ist nur ein Zeichen auf das Kreuz hin. Der viele Wein von Kana ist ein Vorausbild für das hochzeitliche Blut des Neuen und Ewigen Bundes. Die Braut Christi, die Kirche, wird dem neuen Adam, Christus, wie einst Eva dem Adam im Paradies aus der geöffneten Seitenwunde, das heißt vom Herzen genommen. Aus dem geöffneten Herzen Jesu am Kreuz fließen die beiden hochzeitlichen und die Kirche konstituierenden Sakramente der Taufe und Eucharistie in den Gestalten von Wasser und Blut. Das hat eine ganz tiefe Bedeutung.

Gerade in Anbetracht der Sakramentalität der Ehe wird auch deutlich, dass alles bei der Eheschließung mit der Kirche zu tun hat, und wir wollen uns jetzt der Frage zuwenden: Was passiert denn eigentlich bei einer kirchlichen Trauung und auch, wer kann sich überhaupt katholisch trauen lassen?

 Die Feier der Trauung soll ganz gewiss schön sein, damit sie den Eheleuten auch wirklich in guter Erinnerung bleibt. Das ist ganz sicher nicht unwichtig. Gleichwohl hat man aber gerade als Pfarrer gar nicht selten auch sehr stark den Eindruck, dass es den Brautleuten und auch dem ganzen Umfeld überhaupt nicht auf Inhalte ankommt, sondern nur auf das Drumherum, die Verpackung, die Garnierung. Man konzentriert sich zumindest unverhältnismäßig intensiv auf das Äußere, auf das Fotografierbare, demgegenüber eine Besinnung auf die Inhalte und auf das Wesen der Ehe praktisch uninteressant ist. Wenn ein Pfarrer schon mit so etwas anfängt, na ja, dann lässt man es halt notgedrungen über sich ergehen, gleichsam als Preis für die Staffage und die Kulisse. Lassen sie mich es gerade einmal so sagen.

Weil aber alle Sakramente, und damit auch die Ehe, in dem Paschamysterium am Kreuz, das wir ja in der Hl. Messe liturgisch feiern, ihren Ursprung haben, ist es nicht nur sehr angemessen, sondern sogar von der Sache her geradezu geboten, alle Sakramente auch während der Feier der Hl. Messe zu spenden, ihre Spendung also in die Feier der Hl. Messe zu integrieren, in der ja gerade das Paschamysterium gefeiert wird. Das gilt für die Eheschließung sogar in besonderer Weise. Durch die Vereinigung beider Brautleute in der heiligen Eucharistie innerhalb des einen Leibes Christi, der Kirche, geschieht schon im Zeichen die Vollendung, die sie beide durch ihre gegenseitige Vereinigung noch sinnfällig machen sollen. Die Eucharistie verwandelt ja die Menschen und damit auch die Brautleute in Fleisch von seinem Fleisch und Bein von seinem Bein.

Was aber aus den genannten Gründen die Regel sein sollte, ist hierzulande und heutzutage nur noch höchst selten möglich. Denn die Feier der Hl. Messe stellt doch auch Voraussetzungen an alle Mitfeiernden und damit auch an die Brautleute wie auch an das ganze Umfeld, die heute, von einigen Ausnahmen einmal abgesehen, keineswegs mehr selbstverständlich und damit auch kaum mehr gegeben sind. Man kann aber kein Brautamt feiern, wenn die Brautleute, aber auch die Gemeinde gar nicht wissen, was die Feier der hl. Messe überhaupt bedeutet. Von diesen Menschen haben wir ja schon seit langem ausnehmend viele. Der geistliche Zustand der weitaus meisten Kirchensteuerzahler in unserem Land ist bekanntlich gleich Null. Das sollte man ganz nüchtern, aber auch ganz klar sehen. Sich da Sand in die Augen zu streuen, würde alles nur  noch schlimmer machen.

Für die Feier eines Brautamtes ist doch die Teilnahme am sakramentalen Leben der Gemeinde selbstverständlich und unerlässlich, und dazu gehört wenigstens die regelmäßige Mitfeier der Hl. Messe am Sonntag sowie auch ein entsprechendes Wissen um die gefeierten Geheimnisse, gerade auch um die Bedeutung der heiligen Eucharistie. Und auch um die Voraussetzungen ihres Empfangs wie den Empfang des Bußsakraments, kurz ein selbstverständliches Leben im geistlichen Innenraum des katholischen Glaubens und der Kirche. Andernfalls verkommt das Kostbarste, was wir auf dieser Welt überhaupt haben und auch nur feiern können, nämlich das heilige Messopfer, zu einer bloß billigen Drapierung, Kulisse und Versahnen und wird zu einem nur noch billigeren Mittel zu einem eh schon ganz billigen Zweck. Das ist aber ein Sakrileg. Das Heilige muss auch unbedingt geschützt werden.

Sollten aber die Voraussetzungen für die Feier einer Brautmesse ausnahmsweise tatsächlich doch gegeben sein, so sollte diese auch gefeiert werden, gerade weil die hl. Kommunion die reale hochzeitliche Vereinigung von Braut und Bräutigam ist, die die beiden dann als Eheleute sinnfällig leben sollen und müssen.

Warum soll man denn überhaupt in der Kirche heiraten?

Die wenigsten Katholiken halten heute die kirchliche Trauung überhaupt für notwendig. Wenn die katholische Kirche ihre Glieder verpflichtet, kirchlich zu heiraten, dann schon aus dem Verständnis heraus, dass die Ehe eine göttliche Institution ist, ja sogar ein Sakrament, wie wir gehört haben, dass die Ehe also alles andere ist als „ein weltlich Ding“, sondern ein wunderbares, göttliches Geschenk. Und dass Gott durch seine Kirche handelt und wirkt, gerade auch in und durch die heiligen Sakramente. Weil die katholische Kirche in der sakramentalen Ehe ein Zeichen ihrer selbst und ihres eigenen Mysteriums sieht, kann sie die Ehe auch überhaupt nicht als selbständige, von ihr unabhängige, bloß weltliche Institution verstehen und sich selbst dabei nur als einen schönen Blumenstock. Darüber hinaus ist aber auch nötig, dass eine Erklärung des Inhaltes und der Qualität, wie es das Eheversprechen ist, vor dem Angesicht Gottes abgegeben werden muss, wie auch vor der Öffentlichkeit der ganzen Kirche, die vor Ort von der Pfarrgemeinde repräsentiert wird.

Eine Eheschließung ist also durchaus keine Privatangelegenheit der Brautleute und ihrer Familie. Eine Eheschließung gehört deshalb auch grundsätzlich in die Pfarrkirche und nicht in eine schöne, abgelegene Bergkapelle, weil sie ja gerade ein Ereignis der ganzen Kirche ist.

[Teil 6 folgt am 30.9.2011]

*Ulrich Engel, geb. 1950 in Erbach im Odenwald. Abitur 1968 am altsprachlichen Gymnasium in Darmstadt, Studium der Rechtswissenschaften in Mainz und Referendariat in Kassel. Danach Studium der Theologie in Mainz und Münster in Westfalen, 1984 Priesterweihe in Mainz. Nach Kaplansjahren in verschiedenen Pfarreien und am Krankenhaus seit 1990 Pfarrer von Rodgau-Weiskirchen und Rodgau-Hainhausen bei Offenbach am Main. Er ist langjähriger Referent bei „Radio Horeb“  und Autor des Buches „Die Liturgie der Karwoche und der Osternacht. Ihre Symbole, Zeichen, liturgischen Besonderheiten und deren Bedeutung – Eine liturgisch geistliche Betrachtung.  ISBN: 978-3-9813003-1-4 , € 9,90.