Eheleute nicht im Regen stehen lassen

Katechese über die Ehe (Teil 8)

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Von Pfarrer Ulrich Engel*

RODGAU, 5. Oktober 2011 (ZENIT.org). - Als Beitrag zu der seit dem Besuch von Papst Benedikt XVI. in Deutschland wieder aufgeflammten öffentlichen Debatte über die kirchliche Lehre vom Ehesakrament veröffentlichen wir die folgende (mündlich gehaltene) Ehekatechese, deren jeweils vorausgehenden Teile auf unserer Website abrufbar sind.

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Betrachten wir nun den Brautsegen im Zusammenhang mit der kirchlichen Eheschließung und ihrer Liturgie. An die Eheschließung aufgrund des Ehekonsenses schließt sich dann der große Brautsegen an. Dazu breitet der Priester seine Hände über beide Brautleute aus. In Ihm wird für jeden der beiden Ehegatten einzeln der göttliche Beistand erfleht, den jeder für die Erfüllung seiner Sendung, nämlich als Ehemann bzw. Ehefrau, als Vater oder Mutter und auch für die Erfüllung ihres Auftrags in Kirche und Gesellschaft braucht. Hierzu sagt das II. Vatikanische Konzil:

Die sakramental verbundenen Eheleute stehen auf ihre Weise auch im Dienst am Gemeinwohl der ganzen Kirche, dazu sind sie durch das Ehesakrament befähigt und beauftragt und damit auch verpflichtet. Das Konzil sagt sogar wörtlich: „So werden die christlichen Gatten in den Pflichten und der Würde ihres Standes durch ein eigenes Sakrament gestärkt und gleichsam geweiht. In der Kraft dieses Sakramentes erfüllen sie ihre Aufgabe in Ehe und Familie. Im Geist Christi gelangen sie mehr und mehr zu ihrer eigenen Vervollkommnung, zur gegenseitigen Heiligung und so gemeinsam zur Verherrlichung Gottes. Die Gatten müssen in ihrer Würde und Aufgabe als Vater und Mutter die Pflicht der Erziehung, vornehmlich der religiösen, die ihnen in ganz besonderer Weise zukommt, sorgfältig erfüllen. Von einem reichen geistlichen Leben soll die Familie auch anderen Familien in hochherziger Weise mitgeben. Daher soll die christliche Familie die lebendige Gegenwart des Erlösers in der Welt und die wahre Natur der Kirche allen kundmachen“ (Gaudium et Spes, Nr. 48).

Der Segen, den die Kirche auf die Brautleute herabfleht, soll zum Segen für ihre Kinder und dann auch für die ganze Kirche, sowie zum Segen für die ganze Welt werden. Was hängt für ein Gemeinwesen nicht alles davon ab, dass die Kinder zur Gottesfurcht, zur Gottes- und Nächstenliebe, und zu Tugenden wie Demut, Bescheidenheit, Höflichkeit, Rücksichtnahme, Hochachtung usw.,  insbesondere auch zur Hilfsbereitschaft erzogen werden. Das geschieht aber schon in der frühesten Kindheit und deswegen zuerst in den eigenen vier Wänden. Es setzt aber geschützte und intakte Familien voraus. Die Schrift spricht gerade auch von den Tugenden, zu denen die Eltern ihre Kinder erziehen müssen. Die Väter sollen ihre Kinder in der Zucht und Weisung des Herrn erziehen, sagt der Epheserbrief. Hier wird ganz klar ausgesprochen, dass die Erziehung im Sinne Gottes und vor allem auf ihn hin zu erfolgen hat. Kinder sind Treugut des Herrn, sie sind zu allererst seine Kinder, die Gott den jeweiligen Eltern nur überlässt, damit sie ihnen den Weg zurück ins Vaterhaus zeigen. Wie richtig hatte das beispielsweise eine hl. Monika verstanden, die für die Bekehrung ihres Sohnes Augustinus geweint und geopfert hat. Aber auch so viele namenlose Mütter.

Ich möchte schließen mit einem wunderbaren Zeugnis eines Sohnes über seine Mutter, auf das ich vor einiger Zeit erst gestoßen bin. Da schreibt dieser Priestersohn über seiner Mutter:

„Meine Mutter ist eine gewöhnlich ungewöhnliche Frau. Sie fährt keinen Mercedes, hat aber zwölf Kinder. Und zwar darunter drei Priester und eine Ordensfrau. Hätte sie das Parkett mehr geliebt als die Kinder, wäre ich, die Nummer zwölf, nicht am Leben. Meine Mutter scheint eine unmoderne  Frau zu sein. Sie kennt keinen Filmstar, aber alle Fragen des Katechismus. Sie geht nur einmal im Jahr ins Kino, aber jeden Tag in die Heilige Messe. Wenn wir uns von ihr verabschieden, gibt sie uns keinen Kuss, sondern segnet uns mit dem Kreuzzeichen.“

In unserer modernen Gesellschaft wird eine solche Mutter als Gebärmaschine und Heimchen am Herd diffamiert. In unserer Gesellschaft wird  in großem Stil diffamiert, wenn es nicht in ihre Ideologie passt und die Kritik an der Ideologie wird als Diffamierung  schlecht geredet. Wir sind eben schon sehr lange dabei, uns selbst abzuschaffen.

[Teil 9 folgt am 6. 10. 2011]

*Ulrich Engel, geb. 1950 in Erbach im Odenwald. Abitur 1968 am altsprachlichen Gymnasium in Darmstadt, Studium der Rechtswissenschaften in Mainz und Referendariat in Kassel. Danach Studium der Theologie in Mainz und Münster in Westfalen, 1984 Priesterweihe in Mainz. Nach Kaplansjahren in verschiedenen Pfarreien und am Krankenhaus seit 1990 Pfarrer von Rodgau-Weiskirchen und Rodgau-Hainhausen bei Offenbach am Main. Er ist langjähriger Referent bei „Radio Horeb“  und Autor des Buches „Die Liturgie der Karwoche und der Osternacht. Ihre Symbole, Zeichen, liturgischen Besonderheiten und deren Bedeutung – Eine liturgisch geistliche Betrachtung.  ISBN: 978-3-9813003-1-4 , € 9,90.