Ehemaliger kolumbianischer Wirtschaftsminister würdigt „Caritas in veritate"

Interview mit Dr. Juan Camilo Restrepo

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BOGOTA, 1. September 2009 (ZENIT.org) .- Die Enzyklika Caritas in veritate ist für Dr. Juan Camilo Restrepo Salazar, den früheren kolumbianischen Wirtschaftsminister, „ein großartiger Fundus für soziales Denken".

Der 63-jährige Politiker sieht in dem päpstlichen Lehrrundschreiben „das ideale Instrument, um sozialen und politischen Überlegungen im Land ein angemessenes Gewicht zu geben. So können die wichtigsten Fragen der heutigen Gesellschaft aus einer klaren Perspektive analysiert werden“, so Restrepo, der als Architekt der wirtschaftlichen Konsolidierungspolitik in Kolumbien gilt. Bis zum Jahr 2000 gehörte er der kolumbianischen Regierung an.

Die Enzyklika mache klar, „dass die Würde des Menschen immer den ersten Platz einnimmt“. Sie zu lesen und umzusetzen, könne helfen, „dass andere gefährliche Trends nicht die Oberhand gewinnen“.

ZENIT sprach mit Restrepo, der aus Medellín stammt, über den Ansatz der Enzyklika und die Möglichkeit der Umsetzung der in ihr enthaltenen Vorschläge in Lateinamerika.

Für Restrepo ist das Dokument, „für das sich die Autorität des Vatikans verbürgt, eine Basis für die Reflexion der Verantwortlichen für die Gestaltung der öffentlichen Politik in der Region. Wenn es gelesen wird, dann kann es sehr bereichernd sein und die politische Debatte auf ein höheres Niveau bringen.“

Lateinamerika sei der Kontinent, wo die Frage der Einkommensverteilung am akutesten sei. „Es ist extremer als in Afrika!“ Vor dem Hintergrund der großen Ungleichheit und Ungerechtigkeit in der Verteilung der Früchte der Entwicklung sollte die Enzyklika eine gesunde ethische Debatte entfachen.

„Staatliche Förderung gehört zur Natur des Messianismus und Populismus, der gerade auch wieder in vielen Ländern der Region blüht“, so Restrepo. Eine angemessene Beurteilung der Enzyklika verweise darauf, dass der Grundsatz der Subsidiarität nicht mit staatlicher Förderung gleichzusetzen sei - „und das ist sehr aktuell und wichtig“.

Die Chancen, innerhalb der Konsumgesellschaft wieder den Wert der selbstlosen Gabe zu etablieren, sieht Juan Camilo Restrepo positiv. „Ja, tatsächlich erleben wir derzeit auf dem gesamten Kontinent gerade ein Wiederaufleben des Bewusstseins für soziale Verantwortung seitens der Unternehmen. Und das ist eine der wichtigsten Botschaften, für die sich die Enzyklika stark macht.“

Von Carmen Elena Villa. Aus dem Spanischen übersetzt von Angela Reddemann