Ein Bestseller macht Mut zum Denken: Kardinal Schönborn würdigt neues Werk von Manfred Lütz

Vorstellung von „Gott – Eine kleine Geschichte des Größten“ in Wien

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WIEN, 13. November 2007 (ZENIT.org).- Für eine Diskussionskultur, die keine Tabus kennt und die „Mühe des Denkens“ nicht scheut, sprach sich gestern, Montag, der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn aus.



Bei der Vorstellung von „Gott – Eine kleine Geschichte des Größten“, dem neuen Bestseller des deutschen Theologen und Arztes Manfred Lütz, der die Gottesfrage wieder neu in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stellt, verwies Kardinal Schönborn mit Worten des heiligen Thomas von Aquin zunächst darauf, dass es wichtiger sei, „über das Wesentliche wenig zu wissen als über das Unwesentliche viel“.

Die Überfülle von Detailwissen habe „dermaßen überhand genommen, dass derzeit das Wesentlichste immer dünner wird“. Man wisse Vieles, aber vor allem viel Unwichtiges. Das, was große Denker über Gott gesagt hätten, sei nur wenig bekannt. Deshalb ermutigte der Kardinal die Anwesenden, jede Denkfaulheit über Bord zu werfen und die „Mühe des Denkens nicht zu scheuen“. Schließlich sage der heilige Thomas auch, dass es sich angesichts des Größten, Höchsten, Schönsten und Wesentlichsten lohne, alle Kräfte der Vernunft einzusetzen.

Gerade bei der Gottesfrage ist nach Worten von Kardinal Schönborn die „geistige Anstrengung absolut angemessen“. Diese Frage „erfordert das Denken. Denkfaulheit in so wesentlichen Dingen ist schlimm.“ Der Mensch besitze seine kleinen grauen Zellen nicht nur, um erfolgreiche Geschäfte zu machen, sondern eben auch, um nach Antworten auf die wesentlichen Fragen zu suchen.

Kardinal Schönborn verwies in diesem Zusammenhang auf die vorbildhafte Diskussionskultur des Mittelalters, einer Zeit, „in der alle Fragen erlaubt waren“. Damals habe es richtige Lust und Freude gegeben, leidenschaftlich alles Mögliche, vor allem aber die wesentlichen Fragen durchzudiskutieren. Und die Beteiligten hätten sich nicht nur das Argument der Gegenseite mehr oder weniger interessiert angehört, sondern das Gehörte ihrerseits wiederholt, um anschließend nachzufragen, ob sie es auch tatsächlich richtig verstanden hätten. Erst danach wären sie zu ihrer Entgegnung übergegangen.

Über das neue Buch von Manfred Lütz, das nach Worten des Autors mit oberflächlichen Scheinargumenten („Sahnetörtchen-Beweis“) hart ins Gericht geht und so mit „schlampigem Atheismus und frömmelndem Glauben“ gleichermaßen aufräumen möchte, erklärte Kardinal Schönborn, dass es zum Lachen bringe, zum Denken anrege und darauf verweise, „dass der christliche Glaube auch die Aufgabe hat, die Vernunft zu schützen und zu fördern“. Der Erfolg des Werkes beweise zudem, dass „die Frage nach dem Wesentlichen wieder mehr gestellt wird. Die Gottesfrage bewegt.“

Die österreichische Schauspielerin Barabara Wussow, die ebenfalls an der Buch-Vorstellung teilnahm, betonte als praktizierende Katholikin und bekennender Lütz-Fan, dass ihr das neue Buch eine große Hilfe sei, wenn es darum gehe, ihr katholisches „Bauchwissen“ und „Bauchgefühl“ in Worte zu kleiden und zu fundamentieren.