Ein Blick auf die Welt von Papst Franziskus

Zahlreiche Bücher beleuchten den Hintergrund des neuen Papstes

Rom, (ZENIT.org) P. John Flynn LC | 633 klicks

Seit der Wahl von Papst Franziskus herrscht unter den Verlagen gleichsam ein Wettlauf um Buchtitel über das neue Oberhaupt der katholischen Kirche.

Das Werk „Jorge Bergoglio. Francesco. Insieme“ (Piemme) des für die italienische Tageszeitung “La Stampa“ tätigen Vatikanexperten Andrea Torinelli beginnt mit einer Beschreibung der Verkündigung des neuen Papstes. Über ein paar Kapitel erstreckt sich ein Rückblick auf das Pontifikates Benedikts XVI. und die Ankunft der Kardinäle zum Konklave, aus dem dann Papst Franziskus hervorgegangen ist.

Den Großteil seines Buches widmet Torinielli der Schilderung des Lebens des neuen Papstes in Argentinien,beginnend bei der Emigration seiner Großeltern aus Italien.

Der Augenblick der endgültigen Erkenntnis seiner Berufung zum Priestertum ereilte Jorge Mario Bergoglio im Alter von 17 Jahren während einer Beichte in seiner Pfarrgemeinde.

Auf die Priesterweihe des späteren Papstes folgten zahlreiche akademische und pastorale Tätigkeiten. In Zusammenhang mit der argentinischen Militärdiktatur (1975-1983) bezeichnet Tornielli die Anschuldigungen, wonach Bergoglio zwei jesuitische Mitbrüder nicht ausreichend vor der Militärjunta geschützt und mit dem Regime kollaboriert hätte, als „falsch“ und „auf unbestätigten Aussagen beruhend“.

In einer Reihe von Anekdoten zu Jorge Maria Bergoglios Lebenserfahrungen beschriebt Torniello ihn als den Menschen sehr nahen stehend und sich deren Problemen annehmenden Mann. Es entsteht das Bild eines einfachen, liebenswürdigen und klugen Priesters (und späteren Bischofs).

Laut Torniello ist seine Nähe zu den gewöhnlichen Menschen und besonders zu den Armen und Kranken ein kennzeichnendes Merkmal seiner Zeit als Bischof von Buenos Aires.

Zu den kürzlich veröffentlichten Büchern zählen einige Übersetzungen von Gesprächen aus dem Spanischen. „Il cielo e la terra“ („Himmel und Erde“) (Mondadori) enthält eine Reihe von ursprünglich 2010 in Argentinien veröffentlichten Gesprächen zwischen dem Erzbischof von Buenos Aires und dem Rabbiner Abraham Skorka.

Viele der Themen dieser vor Jahren geführten Gespräche fanden in jüngerer Zeit Eingang in die Stellungnahmen von Papst Franziskus. Eines der zahlreichen behandelten Thema war beispielsweise der Teufel,den Papst Franziskus in seinen Reden mit einer gewissen Häufigkeit thematisiert.

Vor einigen Jahren bezeichnete der gegenwärtige Papst den Teufel als Realität, „doch sein größter Erfolg in diesen Jahren war es, von dessen nicht vorhandener Existenz zu überzeugen.“

„Töten im Namen Gottes ist Blasphemie“, betonte Bergoglio im zitierten Werk: Diesen Satz hat er vor kurzem als Papst erneut verlautbart. Im gemeinsam mit Rabbino Skorka verfassten Essay fügt sich diese Aussage in den Kontext des Verständnisses der anderen Religionen ein.

Töten im Namen Jesu verwandle laut dem Papst die religiöse Erfahrung in etwas Ideologisches.

Kardinal Bergoglio hatte abgelehnt, was auch er selbst als „liberale Auffassung der Religion“, d.h., etwas nur an Kultorten Erlaubtes und die Auslöschung der Religion außerhalb dieser Ortebezeichnet hatte. Ein ganzheitlich religiöser Mensch sei ihm zufolge etwas Rechtes,und religiöse Gerechtigkeit schaffe Kultur.

„Die von einem Mann oder einer Frau geschaffene Kultur, die den lebendigen Gott lobt, entspricht nicht den Kulturen, die Götzenanbeter erzeugen.“

In einem Abschnitt über Erziehung kehrte Kardinal Bergoglio zum Thema der Kultur zurück und forderte, dass Schulen die christliche Sichtweise der Welt in ihre Lehren einfließen lassen sollten. Andernfalls beraubten sie die Schüler ihres kulturellen und religiösen Erbes.

Ein Buch, das Licht auf den Hintergrund des gegenwärtigen Papstes wirft, trägt den Titel „Papa Francesco. Il nuovo papa si racconta“ („Papst Franziskus. Der neue Papst im Gespräch“) (Salari) von den Journalisten Sergio Rubin und Francesca Ambrogetti.

Nach dem Anfangskapitel über die Familie und die ersten Lebensjahre des zukünftigen Papstes verlagern sich die Gespräche auf die Kirche und die Situation in Argentinien.

In einem Kapitel über die Herausforderung der Evangelisierung warnt Kardinal Bergoglio vor den Priestern, die zu Verwaltern werden, ohne wahre Hirten zu sein. Der Klerus und im weiteren Sinne Katholiken sollten hinausgehen und die Menschen suchen, anstatt innerhalb der Grenzen ihrer Gemeinde zu bleiben.

Bergoglio warnt ebenso vor der Klerikalisierung der Kirche. Ihm zufolge hätten Laien ein Potenzial, das nicht vollständig genutzt werde.

Auf die Frage der Journalisten, ob die Kirche nicht zu viel von ihren Gläubigen verlange, insbesondere in Bezug auf die Sexualmoral, antwortete Bergoglio, dass die Kirche das predige, was das Beste für die Menschen sei, sie vervollkommne und glücklich mache.

In jedem Fall, so Bergoglio, sei die Sexualmoral nicht der Kernpunkt der christlichen Botschaft. Dieser sei vielmehr die Tatsache, dass Gott Mensch geworden sei, gelitten habe, gestorben und wieder lebendig geworden sei.

In einem der abschließenden Kapitel über die sozialen und politischen Probleme in Argentinien äußerte sich der zukünftige Papst zur Notwendigkeit der Vergebung mit Bezug auf die von seinem Land erlebten politischen Unruhen.

Bergoglio bemerkte, dass die Vergebung ohne Bezug zu Gott sehr schwierig sei, „denn die Menschen besitzen die Fähigkeit zur Vergebung nur dann, wenn sie persönlich Vergebung erfahren haben.“

Diese und andere Bücher zeichnen das Bild eines Menschen, dessen Leben von tiefer Spiritualität erfüllt ist und der Weisheit, eine große Sensibilität für die Bedürfnisse der Menschen, Einfachheit und Demut zu verbinden versteht. Diese Eigenschaften haben in der kurzen Zeit seines bisherigen Pontifikates auf eindrucksvolle Weise Sichtbarkeit erlangt.