Ein chinesischer Bischof blickt in Sorge auf China und die Olympischen Spiele

Tragische Rekorde der chinesischen Behörden

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HONKONG, 26. August 2008 (ZENIT.org).- Der Hongkonger Weihbischof John Tong Hon hatte als katholischer Würdenträger eine offizielle Einladung der chinesischen Regierung zur Teilnahme an der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele in Peking am 8. August 2008 erhalten und daran teilgenommen. Nun hat er in einem Hintergrundbericht, der auf der Webseite seiner Diözese veröffentlicht wurde, darauf hingewiesen, dass er dies „mit gemischten Gefühlen“ getan habe.

Voller Stolz über China als Gastland habe er sich geehrt gefühlt, „dass unsere Regierung mich zur Teilnahme an der Eröffnungszeremonie“ eingeladen hat. „Während jedoch die Hirten aller sechs großen Religionen in Hongkong nach Peking eingeladen wurden, wurde im Fall der katholischen Kirche der eigentliche Würdenträger und Repräsentant nicht eingeladen.“ Es beschäme ihn, dass die Regierung Kardinal Zen nicht eingeladen habe, erklärt der Hirte.

Weihbischof John Tong Hon kann und will nicht vergessen, dass während der gesamten Spiele und für unbestimmte Zeit „eine Reihe von katholischen Hirten immer noch im Gefängnis sind oder unter Hausarrest stehen“. Er nennt offen nur einige prominente Fällen: Bischof Shi En'xiang, von dem seit einem Jahrzehnt jede Spur fehlt, oder Bischof Liu Guangdong, der unter strenger Überwachung steht; Bischof Su Zhemin ist seit rund zehn Jahren in Haft.

„Wir hatten von Bischof Yao Liang für eine lange Zeit nach seiner Verhaftung am 31. März 2005 keine Nachrichten. Jetzt wissen wir, dass er unter Hausarrest gestellt wurde, wie es bei Bischof Julius Jia der Fall ist." Zwei weitere Bischöfe, Fan Zhongliang und Li Side, dürften sich nur in einem bestimmten Gebiet frei bewegen.

Die Veröffentlichungen des Weihbischofs von Hongkong sind gleichsam eine Liste tragischer Rekorde der chinesischen Behörden - in einem Land, das als Wirtschaftsmacht dabei ist, den Schritt ins 21. Jahrhundert zu tun, verwehrt Hunderten von katholischen Priestern, ihre Häuser und Dörfer frei zu verlassen. „Diese Männer haben gelitten, und sie leiden nach wie vor für unseren katholischen Glauben und aufgrund ihrer Treue zum Heiligen Vater“, unterstreicht Bischof Tong Hon.

Der Blick auf die großen Bemühungen, die China gemacht habe, um einen perfekten Ablauf der Spiele und eine umweltverträgliche Umgebung sicherzustellen, riefen nach einer ebenso großen Anstrengung auf dem Gebiet der „größeren sozialen und religiösen Freiheit“, betont er.

Am Ende macht der Bischof allerdings auch eine „positive Anmerkung“: Er sei froh, „Zeichen der Offenheit zu sehen. Nach dem großen Erdbeben in Sichuan am 12. Mai wurde die Regierung transparenter und erlaubte den Journalisten - auch Ausländern -, sich frei in die Katastrophengebiete zu begeben und zu berichten, was sie sahen und hörten. Das ganze Land wurde mobilisiert, um wie eine große Familie zu helfen.“

Bezug nehmend auf die Olympischen Spiele, fuhr er fort: „Die fünf Ringe des olympischen Logos sind weltweit anerkannt. Ich wünsche, dass China die fünf miteinander verbundenen Aspekte von Demokratie, Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit, Gerechtigkeit und Frieden endlich hochhalten möge.“

Das letzte Ziel der Olympischen Spiele sei mehr als nur der „Erfolg durch Medaillen und neue Weltrekorde. Die Olympischen Spiele in China sind Beweis des materiellen Fortschritts. Wir Christen legen mehr Wert auf die spirituelle Entwicklung.“ Es bestehe kein innerer Konflikt dabei, sich aus einer Dynamik der Liebe hin zu einer noch schöneren und größeren Liebe aufzumachen.

„Es ist für einen Christen keine Sünde gemischte Gefühle zu haben, aber wir brauchen auch Glaube, Hoffnung und Liebe“, schließt Bischof John Tong Hon.