Ein durch Reichtum und Intensität geprägtes Pontifikat

Radio Vatikan führte ein Interview mit Pater Lombardi

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ROM, 17. April 2012 (ZENIT.org). – „Es regen sich vor allem zwei Gefühlen in mir“, so der Leiter des vatikanischen Pressebüros Pater Federico Lombardi, SJ, im heutigen Interview mit Radio Vatikan anlässlich des 85. Geburtstags von Joseph Ratzinger und im Hinblick auf den 7. Jahrestag seiner Wahl auf den Heiligen Stuhl am 19. April 2005.

„Ich spüre einerseits Dankbarkeit dem Herrn gegenüber für diesen Papst, der uns mit Stärke, Freundlichkeit und Glaube führt. Er ist ein Geschenk Gottes. Das zweite Gefühl ist eins der Bewunderung: Obwohl der Papst beim Antritt seiner Mission für die Weltkirche bereits fortgeschrittenen Alters war, ist sein Pontifikat von Reichtum und Intensität geprägt. Es zeichnet sich durch viele bedeutende Reisen und Ereignisse aus“, betonte der Sprecher des Heiligen Vaters.

„Es ist beeindruckend, was der Papst in diesen sieben Jahren geleistet hat“, führte Lombardi fort, der sich zu seiner Ergriffenheit von der Freundlichkeit und der Aufmerksamkeit des Heiligen Vaters bekannt hatte. „Er ist ein wahrer Zuhörer, der sich mit vollkommener Aufmerksamkeit und Respekt dem Anliegen seines Gesprächspartners widmet“, so Lombardi.

Der Vatikan-Sprecher hob außerdem die geistige Wachheit und die Klarheit der Gedanken und Äußerungen Benedikts XVI. hervor, die „inhaltliche Dichte, die er vermittelt“.

Eine Bilanz über die ersten sieben Jahre des Pontifikats Benedikts XVI. ziehend, erklärte Pater Lombardi, dass der Papst die Kirche an das Zentrum ihrer Mission heranführe. Seit Benedikt XVI. konzentriere sich die Kirche auf das Wesentliche ihres Auftrags: die Priorität der Aufmerksamkeit auf Gott, auf die Beziehung zwischen Mensch und Gott, auf die transzendente Dimension des Lebens, auf die Person Jesus Christi, der das wahre Gesicht Gottes offenbare.

Laut Lombardi sind die größten Sorgen des Papstes die Säkularisierung, die Gottvergessenheit  und der Relativismus. „Was die Kirche betrifft“, führte Lombardi fort, „schmerzten ihn sicherlich die Unglaubwürdigkeit und der Verrat an ihrer Mission und an ihrer Würde. In den letzten Jahren erlebten wir mit großer Trauer die gesamte Missbrauchsdebatte“. Pater Lombardi ergänzte, dass diese Dinge dem Papst größeres Leid zufügen als interne Gerüchte“.

Lombardi beschrieb Benedikt XVI. als „einen Menschen des Glaubens“, „einen wahrhaft Glaubenden“. Genau aus dieser Eigenschaft erkläre sich die Heiterkeit des Papstes. „Der Glaube ist ein Quell der Heiterkeit und unveräußerlicher tiefer Freude“, rief der Vatikan-Sprecher in Erinnerung. Er erläuterte in diesem Zusammenhang, dass er Joseph Ratzingers Buch über Jesus ausgesprochen schätze. Es stelle eine „persönliche Anstrengung“ des Papstes dar, mit der er seine persönliche Beziehung mit Christus offenbart habe. Diese sei für uns alle, für jeden Christen und jeden gläubigen Menschen, ein wichtiges Fundament des Lebens.

[Übersetzung des italienischen Originals von Sarah Fleissner]