Ein Fest für den Papst: Padua feiert Klemens XIII.

Vor 250 Jahren wurde Kardinal Carlo Rezzonico in das höchste Amt der Kirche erhoben

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Von Ulrich Nersinger



WÜRZBURG, 11. Juni 2008 (Die-Tagespost.de/ ZENIT.org).- Am 6. Juli 1758 einigten sich die Kardinäle im Konklave, das nach dem Tod Benedikts XIV. einberufen worden war, auf einen neuen Papst: Klemens XIII. – Carlo Rezzonico. Als die Nachricht von der Wahl in Padua eintraf, geriet die Stadt in einen Freudentaumel. Die Berufung ihres Bischofs in das höchste Amt der Kirche erfüllte alle mit Stolz. Die Chronik der Stadt vermerkte: „Unversehens begann man vor dem Dom ein Fest vorzubereiten. Die Läden, Mauern und Bögen rund um die Kathedrale wurden prächtig geschmückt und mit Fackeln hell erleuchtet. Arbeiter errichteten Tribünen für eilends herbeigerufene Musiker. Vom Dom ließ man ein Bild Seiner Heiligkeit herab. Zu mitternächtlicher Stunde donnerten Kanonenschüsse über die Piazza, und ein gewaltiges Feuerwerk schoss in den Himmel. Dann spielten die Musikanten auf, Tambouren und Geiger. Bis gegen vier Uhr in der Frühe feierte man das freudige Ereignis.“

Am vergangenen Sonntag, auf den Tag genau zweihundertfünfzig Jahre später, hatte man sich in Padua etwas besonderes einfallen lassen, um an das in der Stadtchronik verzeichnete Fest zu erinnern. „I Solisti Veneti“ unter der Leitung von Claudio Scimone brachten auf dem Platz vor der Kathedrale zu abendlicher Stunde Werke von Georg Friederich Händel, Antonio Vivaldi, Wolfgang Amadeus Mozart, Antonio Pasculli und Jean Joseph Mouret zur Aufführung. Der geschmückte und illuminierte Domplatz war an diesem Abend gut besucht. „Die Jubiläumsfeierlichkeiten zum Gedenken an die Wahl Klemens XIII. wollten wir bewusst mit einem Fest beginnen, mit einem Konzert, das dem kunstsinnigen Papst sicher gefallen hätte“, betont Sabrina Doni vom Diözesanmuseum in Padua, „leider hat das Wetter, vor allem der Wind, das Abbrennen eines Feuerwerks verhindert“. Die nächsten Monate werden Bewohner und Besucher der norditalienischen Bischofsstadt noch viele Gelegenheiten haben, sich mit Klemens XIII. zu beschäftigen; auf dem Jubiläumskalender stehen Gottesdienste, Konzerte, ein Studientag und Ausstellungen.

Carlo Rezzonico wurde am 7. März 1693 als Sohn von Giovanni Battista Rezzonico, einem Kaufmann und Senator der Republik Venedig, und Vittoria Barbarigo, der Schwester Pietro Barbarigos, des Patriarchen von Venedig, in der Lagunenstadt geboren. Nach ersten Studien am Jesuitenkolleg in Bologna erwarb er 1713 an der Universität von Padua das Doktorat in „utroque iure“.

In Rom setzte er seine Studien fort und begann schon nach wenigen Jahren eine kirchliche Laufbahn als Protonotar und Referendar der Apostolischen Signatur. 1728 übernahm er den für die Serenissima reservierten Richtersitz bei der Römischen Rota. Knapp ein Jahrzehnt später wurde er im Konsistorium vom 20. Dezember 1737 zum Kardinaldiakon von S. Nicola in Carcere kreiert.

Als einen der entschiedensten Vertreter des nachtridentinischen Reformkatholizismus bestimmte ihn Papst Benedikt XIV. (Prospero Lambertini, 1740–1758) im Jahre 1743 zum Bischof von Padua. In Padua bewies er sich in der Pastoral und rief zahlreiche Hilfswerke zur Betreuung der Armen ins Leben. Er erneuerte die Priesterausbildung in seiner Diözese und forderte vom Klerus die strikte Einhaltung der kirchlichen Disziplin. Seine diplomatischen Fähigkeiten zeigten sich in der durch ihn erwirkten Beilegung des Streits um das Patriarchat von Aquileia. Mit viel Geschick war es ihm gelungen, zwischen der Republik Venedig und dem Heiligen Römischen Reich zu vermitteln.

Zum Nachfolger Petri gewählt setzte er sein pastorales Wirken fort und bemühte sich, den Glauben gegen die Gefahren der Zeit zu festigen. 1761 reihte der Papst Gregorio Barbarigo, seinen Vorgänger als Bischof von Padua und engen Verwandten seiner Mutter, unter die Seligen der katholischen Kirche ein; im gleichen Jahr erweiterte er den liturgischen Kalender um das Herz-Jesu-Fest. Gegen die Irrlehren des Trierer Weihbischofs Nikolaus Graf von Hontheim, die dieser in seiner Schrift „De praesenti statu Ecclesiae“ unter dem Pseudonym „Febronius“ veröffentlicht hatte, schritt er 1764 energisch ein und setzte hohe Strafen für deren Verbreitung fest. Ebenso ging er mit Entschiedenheit gegen den Jansenismus vor.

Unter Klemens XIII. wurde Roms berühmtester Brunnen, die Fontana di Trevi, fertiggestellt, in Civitavecchia die Garnisonsgebäude der dort stationierten päpstlichen Truppen von Grund auf erneuert und die Trockenlegung der Pontinischen Sümpfe in Angriff genommen. Den Kapitolinischen Museen schenkte Klemens eine große Anzahl bedeutender Ausgrabungsstücke; für die Apostolische Bibliothek des Vatikans ließ er wertvolle Manuskripte und eine Sammlung antiker Vasen ankaufen. Mit dem Bau des Museo Profano legte der Papst 1767 den Grundstock für die Vatikanischen Museen.

Als Kardinal gehörte Klemens XIII. zum Kreis um den Bibliothekar der Römischen Kirche, Alessandro Albani (1692-1779), der als Freund und Mäzen der Schönen Künste das kulturelle Leben in der Ewigen Stadt entscheidend prägte. Den deutschen Archäologen Johann Joachim Winckelmann ernannte der Papst im Jahre 1764 zum Superintendenten für die Altertümer der Stadt Rom.

Winckelmann gilt als der Begründer der wissenschaftlichen Archäologie und der Kunstgeschichte. Viele der in Rom wirkenden Künstler durften sich der Förderung durch den Papst erfreuen, so der sächsische Oberhofmaler Anton Raphael Mengs (1728–1779), den man zu den berühmtesten Porträtmalern dieser Zeitepoche rechnete, und der kaum weniger bekannte italienische Porträtist Pompeo Girolamo Batoni (1708–1787). Den Kupferstecher und auch Architekten Giambattista Piranesi (1720–1778) regte er zur Schaffung von Veduten antiker und barocker Baudenkmäler Roms an. 1763 beauftragte der Papst Piranesi mit der Umgestaltung des Chores von San Giovanni in Laterano.

Wie ein Schatten hatte sich der Streit um den Jesuitenorden auf das Pontifikat Klemens XIII. gelegt. Die Mitglieder der Gesellschaft Jesu waren aus Portugal, Frankreich, Spanien, Neapel und Parma vertrieben worden. Mit der Bulle „Apostolicum pascendi munus“ vom 7. Januar 1765 trat der Papst für den Orden ein und belegte die Länder, aus denen die Jesuiten fliehen mussten, mit schweren Kirchenstrafen, unter anderem dem Interdikt. Der Konflikt sollte sich über Jahre hinwegziehen. Da der Papst dem stetig wachsenden Druck, den ihm ergebenen Orden aufzuheben, nicht nachgab, besetzte Frankreich die päpstlichen Besitzungen von Avignon und Venaissin, das Königreich Beider Sizilien die zu den Päpstlichen Staaten gehörenden Enklaven Benevent und Pontecorvo. Für den 3. Februar 1769 berief Klemens XIII. ein Konsistorium zur Behandlung der Jesuitenfrage ein. Der Papst verstarb jedoch unerwartet am Vorabend der Kardinalsversammlung.

Obschon die Leibärzte als Todesursache einen Schlaganfall festgestellt hatten, hielt sich in Rom lange das Gerücht, der Pontifex sei von den Gegnern der Gesellschaft Jesu umgebracht worden. Die historischen Forschungen können dies nicht bestätigen. Das Urteil über den verstorbenen Papst fiel positiv aus. „Er lebte, was er predigte“, hieß es in einem Nachruf. Selbst seine schärfsten Kritiker, wie der Jansenist Clément, bescheinigten ihm ein hohes Maß an persönlicher Integrität. Der Senator von Rom, Fürst Abbondio Rezzonico, ein Neffe des Papstes, beauftragte den Bildhauer Antonio Canova mit der Schaffung eines Grabmals für seinen Onkel; am 6. April 1792 wurde das Monument in der Peterskirche feierlich enthüllt.

Für den 12. November dieses Jahres ist in der Aula Magna des Palazzo di Bo ein Studientag zur Person des Papstes angesagt („Carlo Rezzonico: la famiglia, lepiscopato padovano, il pontificato“). Historiker aus Padua, Cassino und Triest werden die Vorträge halten. Vom 12. Dezember 2008 bis zum 15. März 2009 wird im Diözesanmuseum von Padua eine Ausstellung unter dem Thema „Clemente XIII Rezzonico. Un papa veneto nella Roma di metà settecento“ zu sehen sein. Zu den Exponaten der Ausstellung werden Porträts des Papstes, gemalt von Anton Raphael Mengs und Pompeo Batoni, Klemens XIII. gewidmete Stiche Giambattista Piranesis und Entwürfe, die Antonio Canova für das Grabmal des Papstes in Sankt Peter anfertigte, gehören.

[Auskünfte zu den Jubiläumsfeierlichkeiten in Padua sind über das dortige Diözesanmuseum (Museo Diocesano di Padova, Segretaria, Piazza Duomo 11, I-35141 Padova) zu erhalten sowie auf der eigens für das Jubiläum eingerichteten Internetseite www.clementexiii.it;
© Die Tagespost vom 10. Juli 2008]