Ein Fest „Urbi et orbi“ - Rückblick auf das zweite Konsistorium im Pontifikat Benedikts XVI.

Von Armin Schwibach

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ROM, 26. November 2007 (ZENIT.org).- Ein Fest „Urbi et orbi“, für die Stadt Rom und den Weltkreis: So bestimmte Papst Benedikt XVI. am Samstag in seiner Predigt zur Verleihung der Kardinalswürde das zweite ordentliche Konsistorium seines Pontifikats. Er betrachtete das Ereignis als ein Fest, bei dem Universalität und Internationalität der Kirche sichtbar wurden, aber auch die Sorge um das Wohl der verfolgten und leidenden Christen.



Der liturgische Rahmen des Konsistoriums war von großer symbolischer Bedeutung. Die Kardinäle knieten zu Füßen des Nachfolgers Petri nieder. Sie empfingen das rote Birett und legten das rote Gewand an, zum Zeichen der Bereitschaft. Christus „usque ad sanguinis effusionem – bis zur Vergießung des eigenen Blutes“ nachzufolgen. Die Kardinäle sind „Fürsten des Blutes“, berufen zum Martyrium für Christus und seine eine heilige Kirche. Kein Symbol von irdischer Macht – der Purpurträger gibt sein Leben in heroischer Weise ganz dem Dienst der Kirche hin, das von Leiden und Verfolgung gekennzeichnet ist.

Applaus unterbrach die Predigt Benedikts XVI. gerade in dem Moment, als der Papst der verfolgten und leidenden Kirche im Irak gedachte. Mit der Berufung des Patriarchen der chaldäischen Kirche, Emmanuel III. Delly, in das Kardinalskollegium habe er, wie er selbst betonte, konkret seine geistliche Nähe und seine Zuneigung zu den Menschen im Irak ausdrücken wollen. Der Papst rief in diesem Zusammenhang die ganze Kirche zum Einsatz für die leidenden Menschen im Irak auf.

Die neuen Kardinäle zogen zum ersten Mal seit Jahren wieder vor dem Papst in die Basilika ein. Benedikt XVI. trug eine Mitra, die die dem seligen Papst Pius IX. zur Verkündigung des Dogmas der Unbefleckten Empfängnis (1854) geschenkt worden war. Er trug ein Pluviale (einen Rauchmantel) aus goldener Seide mit inkorporierter Stola, die zu einem älteren Parament aus dem 15. Jahrhundert gehört hatten.

Prälat Guido Marini, der Zeremonienmeister des Papstes, erklärte in einem Interview mit „L’Osservatore Romano“ (24.11.2007), damit sollte hervorgehoben werden, dass das Konsistorium in einem liturgischen Kontext stattfand. Der Thron, auf dem der Heilige Vater die Zeremonie vollzog, war der Thron Papst Leos XIII., den der Papst bereits zu anderen Gelegenheiten benutzt hatte, allerdings bisher nicht während der Liturgie. „Es war somit das erste Mal in der jüngeren Zeit, dass er als Kathedra des Römischen Papstes benutzt wurde“, so Marini.

In seiner Predigt erinnerte Benedikt XVI. die Kardinäle daran, dass der wahre Christ keine Privilegien sucht und den „Karrierismus“ nicht die Oberhand gewinnen lassen darf, sondern nur ein Leben nach dem Evangelium erstrebt. Die Sendung des Kardinals bestehe darin, die Sendung Jesu zu teilen, ohne irgendeinen Lohn zu beanspruchen. Benedikt XVI. erklärte, dass er um die große Mühe wisse, die ein derartiges Leben beansprucht. Umso mehr dankte er für den Dienst der Kardinäle „in engster Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom“. Zum Schluss seiner Predigt erinnerte Benedikt XVI. an den universalen Wert des Konsistoriums für die Zusammenarbeit mit dem Nachfolger Petri.

Am Abend des Tages des Konsistoriums hatten mehrere tausend Menschen den neuen Kardinälen bei den traditionellen Höflichkeitsbesuchen im Vatikan persönlich ihre Glückwünsche ausgesprochen. Zwei Stunden lang schob sich eine Menschenschlange durch die normalerweise der Öffentlichkeit nicht zugänglichen Säle des Apostolischen Palastes. Politiker und Botschafter, Alt-Kardinäle und Kurienprälaten, aber auch gewöhnliche Besucher mussten lange Wartezeiten in Kauf nehmen, um „ihrem“ Kardinal gratulieren zu können.