Ein ganz normaler junger Mann wird ein Heiliger

Impuls zum 17. Sonntag im Jahreskreis - Hl. Pantaleon

Münster, (ZENIT.org) Msgr. Dr. Peter von Steinitz | 544 klicks

Das Fest des hl. Pantaleon fällt in diesem Jahr auf einen Sonntag und wird daher liturgisch nicht gefeiert (im Messbuch steht es seit der Liturgiereform ohnehin nicht), aber Papst Franziskus gibt uns eine Hilfestellung, diesen Heiligen doch besonders zu beachten, indem er einen sehr persönlichen und sehr bewegenden Brief an die Pfarrei St. Pantaleon in Buenos Aires aus Anlass ihres 50-jährigen Jubiläums geschrieben hat. Diesem Heiligtum, wohl eine Wallfahrtsstätte, ist er offensichtlich von früheren Zeiten her besonders verbunden: “Ein Heiligtum, das festzustehen scheint, das aber durch das Volk Gottes in ständiger Bewegung gehalten wird, so schreibt er. Seit fünfzig Jahren ist es durch die Herzen so vieler Gläubigen gewandert, die dorthin kamen, um den Heiligen zu verehren, um für die Heilung von Krankheiten zu bitten und um ihren Glauben zu bekennen.” Ferner schreibt Franziskus: “Ich bitte den Herrn, dass er euch die Gnade gewährt, weiter zu wandern und diese Wallfahrt des Herzens mitten in der großen Stadt fortzusetzen”. Der Papst erinnert sich daran, dass er in dieser Kirche oft Beichte gehört hat, und dass er jedesmal gestärkt und froh von dort wieder nach hause zurückkehrte.

Wer war dieser Pantaleon, der nicht nur über siebzehn Jahrhunderte hinweg hier, sondern auch noch in der Neuen Welt verehrt wird?

Dieser jugendliche Märtyrer, der mit 27 Jahren sein Leben für Christus hingab, hatte früh das Wort des Herrn begriffen, das wir im heutigen Sonntagsevangelium hören: “Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn, grub ihn aber wieder ein. Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte den Acker” (Mt 13,44).

Allerdings musste der Herr zusätzlich ein Wunder wirken, damit er ganz verstand. Pantaleon war der einzige Sohn eines heidnischen Vaters und einer christlichen Mutter. Er war nicht getauft. Er wuchs also heran ohne den Glauben kennen zu lernen, man könnte sagen, etwa so wie die Kinder heute, in einem heidnisch geprägten Milieu. Aber man soll sich nicht vertun: das Heidentum damals – das war nicht mehr die Zeit moralischer Exzesse wie “im alten Rom” zur Zeit Neros oder Caligulas. Seitdem waren fast dreihundert Jahre vergangen, und die Regierungszeit des Kaisers Diokletian war geprägt von religiöser und moralischer Restauration. Ein Beispiel, der Kaiser besuchte eine Theateraufführung in Rom, der ehemaligen Hauptstadt. Als man sich anschickte, auf der Bühne eine unsittliche Szene aufzuführen, verließ der Kaiser demonstrativ mit seinem Gefolge das Theater.

Manche heutige Theaterinszenierung dürfte man ihm, dem heiden, wohl auch nicht vorsetzen.

Als Pantaleon – er war damals sechzehn oder siebzehn Jahre alt – eines Tages auf der Straße ein totes Kind sah, rief er spontan den Namen aus, den er aus dem Munde seiner Mutter so oft gehört hatte: “Jesus!” Da geschah das Wunder, das seinem Leben eine Wende gab, das Kind wurde wieder lebendig.

Nach einigen Irrungen und Wirrungen ließ Pantaleon sich taufen, und sogleich begann er ein exemplarisches christliches Leben. In nur wenigen Jahren gelangte er zu einer für alle erkennbaren Heiligkeit, so dass das Martyrium nicht ein abruptes Ende seines irdischen Lebens darstellte, sondern die Bekrönung eines mit Christus gelebten Lebens. Ganz sicher war später nicht nur sein heroisches Blutzeugnis, sondern auch sein nicht minder heroisches Bemühen um Heiligkeit im Alltag ein Vorbild für viele andere Christen. Dazu verhalf ihm sicher auch sein ganz und gar “weltlicher” Beruf. Als Arzt war er mitten unter den Menschen und hatte reichlich Gelegenheit, die christlichen Tugenden im Alltag zu leben. Allen bekannt war seine Herzensgüte, er behandelte die Armen oft kostenlos. Daher gaben ihm die griechisch-orthodoxen Christen einen Platz, sogar den Ehrenplatz, unter den so genannten zwölf Anargyroi, also den selbstlos (“ohne Silber”) Helfenden. Im Westen ist er einer der vierzehn Nothelfer. Zusammen mit Katharina, Margarethe, Christophorus und Barbara. Dass diese Heiligen einer allzu rationalistischen Kalenderreinigung in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zum Opfer fielen, ist nicht zu verstehen. Ein Ruhmesblatt des deutschen Messbuches: dort sind sie wieder aufgenommen worden, da ihre Verehrung im Volk denn doch zu deutlich war.

Als der junge Märtyrer nach verschiedenen äußerst grausamen Torturen dem Tode nah war, rief er mit letzter Kraft: “Herr, verzeihe ihnen die Sünde, die sie an mir begehen!” Da erschallte vom Himmel her eine Stimme: “Pantaleon war dein Name, von nun an aber sollst du Panteleimon heißen, denn durch dich werden viel Menschen Erbarmen finden.”

Dann schlägt der Henker ihm das Haupt ab.

Das griechische Wort Panteleimon bedeutet “Allerbarmer”. Das ist ein Gottesname. Jesus Christus ist es, der sich aller Menschen erbarmt. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass die Heiligen eins werden mit Christus, wie Paulus sagt “alter Christus, ipse Christus”, ein anderer Christus, ja Christus selbst.

Alles begann mit dem Aussprechen des heiligen Namens Jesu.

Mit Christus eins zu werden, dazu sind wir alle berufen,….. wenn wir wollen.

Mit oder ohne Martyrium.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“ und „Leo - Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich)