Ein Geschenk des Petrus an Rom

Roms Wohltäter

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Von Elizabeth Lev*

ROM, 16. Juli 2012 (ZENIT.org). - Seit fast 2.000 Jahren überragt die Engelsburg, einst das wuchtige Mausoleum von Kaiser Hadrian, die Stadt. Obwohl sie nach einem Wunder, das unter Papst Gregor dem Großen geschah und die Stadt von einer Plage befreite, umbenannt wurde, war sie ein Jahrtausend lang als Burg und Gefängnis genutzt worden und galt schließlich während der Vereinigung Italiens als Symbol einer vermeintlich grausamen und despotischen Papstherrschaft.

Eine neue Ausstellung in der genannten Burg wirft frisches Licht auf die Päpste und die Engelsburg und betont die vielen positiven Initiativen, die von den Päpsten für Rom und über die Grenzen Roms hinaus ausgegangen sind. Die unter dem Titel „Denkwürdige Päpste“ vorbereitete Ausstellung wirft Schlaglichter auf 700 Jahre Papsttum, ausgehend vom ersten Jubiläumsjahr bis hin zur Gegenwart, und gibt Gelegenheit, die vielen Errungenschaften zu verfolgen, für die das Papsttum verantwortlich ist, und zeigt, wie die Gegenwart der Päpste über die Jahrhunderte hinweg die Ewige Stadt bereichert hat.

Unter den 138 Ausstellungsgegenständen, die von Zeichnungen, über Gemälde bis zu liturgischen Gegenständen reichen, befinden sich verschiedene Werke, die zunächst gestohlen und dann wieder aufgefunden wurden, was die Arbeit ins Licht rückt, die von italienischen Beamten ununterbrochen ausgeführt wird, um diese Werke aufzuspüren und das Kunstvermächtnis, das vom Papsttum an den italienischen Staat abgegeben worden ist, zu schützen.

Die Ausstellung beginnt mit Papst Bonifatius VIII., der das erste Jubiläumsjahr zum 22. Februar 1300 ausrief. Die Marmorstatue dieses Papstes, die von Arnolfo di Cambio angefertigt worden war, begrüßt die Besucher am Eingang. Unmittelbar dahinter befindet sich ein weiteres berühmtes Werk des genannten Bildhauers aus Florenz, eine kleine Kopie der Bronzestatue vom hl. Petrus, die im Original in der nach ihm benannten Basilika steht. Es entsteht ein interessanter Kontrast – einerseits die steife, königliche Gestalt des Bonifatius mit seiner hohen Tiara, andererseits nebenan der bärtige „Philosoph“ eines hl. Petrus. Einer scheint ein König zu sein, der andere ein Lehrer.

In der Nähe befindet sich ein mit Juwelen verziertes Kreuz aus dem 12. Jahrhundert, das aus der Stadt Velletri im Lazio stammt. Nachdem es 1983 gestohlen worden war, hatten die Carabinieri das kostbare Stück 1995 wieder aufgespürt. Die Stadt hat das Kreuz dann Papst Benedikt XVI. bei seinem Pastoralbesuch im Jahr 2007 geschenkt. Ein weiteres faszinierendes Objekt ist ein Brief aus dem Jahre 1300 von Monsignore Silvester di Andria, in dem dieser um die Erklärung eines päpstlichen Dekrets bittet: ob der Ablass auf Seelen im Fegfeuer angewandt werden könne; was mit Leuten geschehe, die die Reise nach Rom nicht auf sich nehmen könnten usw.

Die Renaissance tritt dann mit Papst Martin V. Colonna auf die Bühne. Es beginnt mit einem Fragment der Dekoration, die er dem Toskanischen Maler Pisanello in Auftrag gegeben hatte, um den Glanz seiner Kathedrale, St. Johannes im Lateran, aufzufrischen. Ein erstaunliches Aufgebot an Chormänteln, Stolen und Messgewändern in Samt und Brokat versetzt den Betrachter in die Zeit der liturgischen Feiern Papst Nikolaus V., des ersten großen humanistischen Papstes der Renaissance.

Mitten unter diesen Gegenständen befindet sich ein bemerkenswertes Reliquiarium vom hl. Rossore, das von Donatello in Bronze gegossen wurde und das erste seiner Art der Renaissance ist, insofern es jemanden portraitiert. Es war 1424 für die Florentinische Allerheiligenkirche hergestellt worden; 1971 wurde es in Pisa gestohlen und 1977 wieder aufgefunden.

Die triumphierende Kirche wird im Bereich gefeiert, der Papst Julius II. zugewiesen ist. Hier zeigt man Bramantes Projekt für die neue Petersbasilika. Die Besucher werden sich daran erfreuen, selbst ein Auge auf das Sonett werfen zu können, das Michelangelo während seiner Arbeit in der Sixtinischen Kapelle verfasst hat und das die Karikaturzeichnung eine Künstlers enthält, der im Stehen (ja, im Stehen) die Decke bemalt. Verschiedene Portraits – meistens Kopien von Raffael – schmücken den Saal, doch im Fall des Bildes von Papst Klemens VII. handelt es sich um ein Original, das etwa im Jahre 1525 von Sebastiano del Piombo geschaffen worden ist.

Dieses Goldene Zeitalter der Kunst näherte sich seit der Plünderung Roms seinem Ende, als die Schweizergarde Klemens das Leben rettete, indem sie ihn auf die Engelsburg schmuggelte und dort in Sicherheit brachte. Von dieser dunklen Periode in der Geschichte Roms legen zwei neuzeitliche Keramikplatten Zeugnis ab. Eine Reihe von Zeichnungen stellen den großen Eifer unter Beweis, mit dem 1586 unter Papst Sixtus V. die Initiative entstand, den Obelisken von der Seite der Petersbasilika nach vorne auf den Platz zu verlegen. Eine neue Ära begann, als der „stumme Zeuge“, der das Martyrium des hl. Petrus sah, seinen neuen Platz einnahm und als Säule diente, die allen Ankommenden, die das Grab des Apostels sehen und die Lehre seines Nachfolgers hören wollten, den Weg wies. Was weiterhin auffällt, ist die Zeichnung von Michelangelos Letztem Gericht in einer Ausführung, die vor 1564 datiert, also ehe es zu der unrühmlichen Hinzufügung von Vorhängen kam.

Das Papsttum schenkte der Welt die Barockzeit. Es begann mit Paul V. Borghese und der neuen Fassade der Peterskirche, ging über Alexander VII. Chigi, der Bernini für die Erbauung des berühmtesten Platzes der Welt anstellte, bis hin zu Klemens IX. Rospigliosi, der den 70 Jahre alten Bernini anstellte, damit er die Engel gestaltete, die die Werkzeuge der Passion tragen und die Pilger über den Fluss geleiten. Ein erstaunliches Portrait, das Carlo Maratta von ihm angefertigt hat, starrt die Besucher der Ausstellung wohlwollend an.

Eine Sammlung päpstlicher Sehenswürdigkeiten bildet den Abschluss dieser Sektion. Das restliche Wachs der Osterkerze wurde jedes Jahr gesammelt und in kleine Kuchen gepresst, die das Bild des Lammes Gottes trugen. Diese „Agnus Dei“ wurden dann an die Gläubigen verteilt. In einem wunderbaren Rahmen aus dem Jahre 1725 befinden sich ein Dutzend solcher Objekte, durchsetzt mit Portraits der Päpste vom hl. Pius V. bis zu Klemens XI.

In jener Zeit bemerkte man, dass die Anzahl der Touristen in etwa der Anzahl der Pilger gleichkam, und so bereitete sich Rom auf diesen neuen Typ von Besucher vor. Kleinmosaik-Schnupftabakdosen (drei wunderbare Stücke befinden sich in der Ausstellung) wurden als Souvenire hergestellt, und Papst Pius VI. eröffnete das Pius-Klemens-Museum im Vatikan, was nun jedermann erlaubte, den Apollo von Belvedere und Laokoon und die großen künstlerischen Schätze der Kirche zu sehen. Ein hübsches Bild zeigt Männer, Frauen und Kinder aus verschiedenen Teilen der Welt, wie sie im neuen Museum von Pius VI. über den Tiersaal staunen.

Im 19. Jahrhundert kam es zum Zusammenbruch des Päpstlichen Kirchenstaates; während dieser Zeit verwandelte sich die Engelsburg nach ihrem tausendjährigen Dasein als päpstliche Burg zu einem italienischen Wahrzeichen. Doch der in der Ausstellung portraitierte Papst Pius XI. blickt friedvoll hinaus auf eine bessere Zukunft. Der letzte Saal beschäftigt sich mit den Päpsten des 20. Jahrhunderts, die in Rom und in der Welt einen unzerstörbaren Eindruck hinterlassen haben. Den Abschluss bildet das Brustkreuz, das der selige Johannes Paul II. im Jahre 2000 bei der Öffnung der Jubiläumspforten trug.

Diese bemerkenswerte Ausstellung, die ihre Hochschätzung für das Papsttum und dessen zahlreiche Gaben an die Stadt und die Welt zum Ausdruck bringt, kann man noch bis zum 08. Dezember in der Engelsburg besuchen.

*Elizabeth Lev unterrichtet christliche Kunst und Architektur auf dem italienischen Campus der Duquesne University und am katholischen Studien Programm von St. Thomas. Ihr Buch „The Tigress of Forlì: Renaissance Italy's Most Courageous and Notorious Countess, Caterina Riario Sforza de' Medici“ wurde vergangenen Herbst von Harcourt, Mifflin Houghton Press veröffentlicht [Rezension auf ZENIT]. Sie kann unter lizlev@zenit.org erreicht werden.

[Übersetzung des englischen Originals von P. Thomas Fox LC]