Ein Geschenk für die ganze Kirche

Vierzig Jahre nach der Liturgiereform ist die erste „tridentinische Messe“ im Petersdom gefeiert worden

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Von Armin Schwibach

WÜRZBURG, 20. Oktober 2009 (Die Tagespost.de/ZENIT.org).- „Summorum Pontificum – ein großes Geschenk für die ganze Kirche“: Unter diesem Thema hat in Rom vom 16. bis 18. Oktober die 2. Tagung zum Motu proprio „Summorum Pontificum“ stattgefunden, mit dem Papst Benedikt XVI. am 7. Juli 2007 der „außerordentlichen Form des einen römischen Ritus“, die bis zur Liturgiereform unter Paul VI. die ordentliche Ausdrucksform der „lex orandi“ der katholischen Kirche des lateinischen Ritus darstellte, wieder volles Heimatrecht gegeben hat. Benedikt XVI. erklärte, dass sich das vom heiligen Pius V. promulgierte und vom sel. Johannes XXIII. neu herausgegebene Römische Messbuch aufgrund seines verehrungswürdigen und alten Gebrauchs der gebotenen Ehre erfreuen solle: „Demgemäß ist es erlaubt, das Messopfer nach der vom sel. Johannes XXIII. promulgierten und niemals abgeschafften Editio typica des Römischen Messbuchs als außerordentliche Form der Liturgie der Kirche zu feiern“.

Die zweite Tagung wurde von der Vereinigung „Giovani e Tradizione“ (Jugend und Tradition) und der „Amicizia sacerdotale Summorum Pontificum” organisiert. Athanasius Schneider, Weihbischof von Karaganda in Kasachstan, setzte sich inseinem Vortrag mit der „Sakralität und die Schönheit der Liturgie nach den heiligen Kirchenvätern“ auseinander. Weihbischof Schneider ist der Verfasser des in Italien von der „Libreria Editrice Vaticana“ herausgegebenen und in viele Sprachen übersetzten Buches „Dominus est – Gedanken eines Bischofs aus Zentralasien über die Heilige Kommunion“ (SJM-Verlag, Neusäß 2008).

Darin setzt er sich mit dem geistlichen und pastoralen Nutzen der Praxis der knienden Mundkommunion auseinander. Diese Praxis der Kirche, der gegenüber die Handkommunion nur aufgrund eines Indultes möglich ist, gehört seit dem Fronleichnamsfest 2008 zum päpstlichen Zeremoniell für diejenigen, die die Kommunion aus der Hand des Papstes empfangen. Für Weihbischof Schneider ist die nun gegebene Neuerung in der päpstlichen Liturgie eine Art „praktisches liturgisches Lehramt“. Roberto De Mattei, Professor für Geschichte der Kirche und des Christentums an der „Europäischen Universität Rom“, beschäftigte sich mit der „Katholizität und ,romanitas‘ der Kirche heute“ und erläuterte die Kooperation der Werte und Mittel der römischen Kultur, die in den ersten Jahrhunderten nach Christus im Dienst der Verbreitung des Christentums standen. Die heutige Bewegung, deren Mittelpunkt die außerordentliche Form des Römischen Ritus bilde, ist für De Mattei nicht allein eine liturgische, sondern aufgrund der Einheit von „lex et ars credendi“ und „lex et ars orandi“ eine moralische und doktrinelle Bewegung.

Abt Michael John Zielinski, Vizepräsident der Päpstlichen Kommission für die Kulturgüter der Kirche, sowie Valentino Miserachs-Grau, Vorsitzender des Päpstlichen Instituts für Musica Sacra, gehörten mit Pater Stefano M. Manelli, dem Gründer und Generalminister der Franziskaner der Immaculata, zu den weiteren Referenten. Pater Manelli setze die Bedeutung und Rolle von „Summorum Pontificum“ für das Wachsen des Ordenslebens auseinander. Abschließend referierte der emeritierte Dekan der theologischen Fakultät der Päpstlichen Universität Lateranense, Prälat Brunero Gherardini, in Anwesenheit des Sekretärs der Kommission „Ecclesia Dei“, Prälat Guido Pozzo, über die „Hermeneutik der Kontinuität“.

Die Tagung fand ihren Abschluss mit einem feierlichen Pontifikalamt, das der amerikanische Erzbischof und Präfekt des Obersten Gerichtshofes der Apostolischen Signatur Raymond Burke zelebrierte. Zum ersten Mal seit vierzig Jahren gab es damit im Petersdom wieder eine formell vom Erzpriester der Basilika autorisierte Messe nach dem Missale von Johannes XXIII. Da am Kathedraaltar die den 400. Jahrestag des Todes des heiligen Johannes Leonardi abschließende Eucharistiefeier geplant war, fand das Pontifikalhochamt in der Anbetungskapelle der vatikanischen Basilika statt.

[© Die Tagespost vom 20.12.2009]