Ein "großes Herz", das fähig ist, zu lieben

Papst Franziskus: Armut darf keine Ideologie werden

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Luca Marcolivio | 450 klicks

Die Großzügigkeit Jesu und der Egoismus von Judas: Die Leitgedanken des gestrigen Tagesevangeliums (Joh 15, 9-17) sollen den Christenmenschen anregen, über seine Fähigkeit zu lieben nachzudenken. Dies erklärte Papst Franziskus während seiner Predigt der Messe im „Domus Sanctae Marthae“ am vergangenen Dienstag.

An der heiligen Messe, die Erzbischof von Medellín, Ricardo Antonio Tobón Restrepo, mitzelebrierte, nahmen auch eine Gruppe von Vatikanangestellten und einige Alumnen des Päpstlichen Portugiesischen Kollegs teil.

Jesus authentisch nachfolgen bedeutet, „das Leben als ein Geschenk zu leben und nicht als ein zu bewahrender Schatz“, so Papst Franziskus. Der Weg des Gebens und der Liebe habe im Beispiel Christi seinen höchsten Bezugspunkt: „Niemand hat eine größere Liebe als diese: sein Leben hinzugeben“.

Judas dagegen verrate gerade darum, „weil er nie verstanden hat, was ein Geschenk ist“. In der Szene mit Maria Magdalena (vgl. Lk 7, 36-50) offenbare der Verräterapostel die ganze Beschränktheit seiner Sichtweise.

Die büßende Sünderin wasche Jesus die Füße mit einem besonders wertvollen Salböl: Sie tue es als Geste der Dankbarkeit. „Es ist ein spiritueller Moment, ein Moment der Liebe“, kommentierte der Papst.

Judas dagegen verstehe nichts und beschränke sich darauf, zu kritisieren: „Aber dies könnte für die Armen benutzt werden!“ Diese Haltung, die auch heute so verbreitet sei, sei jene der „Armut als Ideologie“, erklärte der Heilige Vater und fügte hinzu: „Die Ideologie weiß nicht, was die Liebe ist, denn sie kennt es nicht, sich selber zu schenken.“

Judas sei ein Egoist, denn er sei „in seiner Einsamkeit“ verloren und, wie jeder Egoist, „kümmert er sich nur um sein Leben und wird in seinem Egoismus wachsend zum Verräter“. Er verdamme sich selber dazu, in seinem Stadium der Einsamkeit zu verharren. Auf diese Weise isoliere er sein Gewissen im Egoismus, um es am Ende „zu verlieren“. Er stelle sich als ein „Götzenanbeter heraus, der dem Geld anhängt.“

„Wer allerdings, anders als Judas, sein Leben aus Liebe hingibt, ist nie alleine“, fuhr der Papst fort, „und hat immer eine Gemeinschaft und eine Familie an seiner Seite.“

Die Haltung der Götzenanbetung und des Egoismus von Judas sei auch unter vielen Christen verbreitet. Das Risiko sei, sich von dem „eigenen Bewusstsein des gemeinschaftlichen Sinnes, des Sinnes der Kirche und der Liebe, die Christus uns schenkt“, zu isolieren.

Wer, wie Jesus, sein Leben hingebe, „verliert es, aber findet es am Ende in Fülle wieder“. Die Frucht des Geschenkes seiner Liebe sei der Anstoß, zu lieben und „Frucht zu bringen, eine Frucht, die bleibt“.

Wer, wie Judas, „das Leben für sich behalten will, der wird es am Ende verlieren.“ So sei auch Satan „der böse Zahlmeister“, der „uns immer betrügt“ und in das Herz von Judas gefahren sei.

Im Hinblick auf das nahenden Pfingstfestes schloss Papst Franziskus seine Predigt mit einer Anrufung des Heiligen Geistes: „Komm, Heiliger Geist, komm und gib mir ein großes Herz, ein Herz, das fähig ist, mit Demut und Sanftheit zu lieben, ein immer großes Herz, das fähig bleibt zu lieben.“

„Den Heiligen Geist bitten wir auch um die Gnade, uns immer vom Weg des Egoismus zu bewahren, der immer zu einem bitteren Ende führe", schloss Papst Franziskus.