"Ein historisches und erinnerungswürdiges Ereignis"

Ansprache des Patriarchen Twal zur Inauguration der Amerikanischen Universität in Madaba

Jerusalem, (Lateinisches Patriarchat) | 399 klicks

Am  30. Mai wurde die amerikanischen Universität von Madaba (südlich von Amman, in Jordanien) des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem, dessen Grundstein Papst Benedikt am 9. Mai 2009 während seines Pastoralbesuchs im Heiligen Land gesegnet hatte, feierlich eingeweiht. Während der Feier, an dem auch König Abdullah II von Jordanien teilnahm, hielt der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal, die folgende Ansprache.

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Eure Majestät, König Abdullah II
Eure Eminenz, Leandro Kardinal Sandri,
Liebe und ehrenwerte Gäste und Freunde,

Ich heiße Sie zur Inaugurationszeremonie der Amerikanischen Universität von Madaba herzlich willkommen! Es ist eine historische Feier, dank der Anwesenheit unseres verehrten Königs, der der Aufgabe der Erweiterung und Verbesserung der Erziehung in Jordanien Priorität gegeben hat.

Danke, Eure Majestät, dass Sie trotz Ihres dichten Terminkalenders unsere Einladung angenommen haben.

Ich danke auch der jordanischen Regierung, im Besonderen dem Ministerium für Höhere Bildung, die es ermöglicht hat, dass unser Traum wahr geworden ist. Wir schätzen die Anwesenheit von Kardinal Sandri als Vertreter Seiner Heiligkeit, Papst Franziskus, wir danken den zahlreichen Unterstützern des Ritterordens vom Hl. Grab, und ich grüße unsere zahlreichen Freunde aus Jordanien und von weit her, alle, die hier Anwesenden und alle, die nicht kommen konnten.

Seine Heiligkeit Benedikt XVI, der im Mai 2009 Gast des Königs war, förderte und unterstützte die Gründung dieser Universität. Als er den Grundstein segnete, teilte er mit uns die Vision von einer Erziehung, die in der Weisheit ihre Perfektion findet:

„Die intellektuelle Natur der Menschen findet letztlich ihre Perfektion in der Weisheit, die den menschlichen Geist sanft dahin lenkt, zu suchen und zu lieben, was wahr ist und gut“ (Gaudium et Spes 15) Die Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnis braucht das führende Licht der ethischen Weisheit…..Und daher bietet diese Universität, in der die Suche nach Wahrheit Hand in Hand mit der Suche nach dem Guten und Edlen geht , einen unerlässlichen Dienst an der Gesellschaft.“

Papst Benedikt bezeichnete die Universität als „Ort des Verständnisses und des Dialogs“. Und wirklich, während junge Jordanier und andere Studenten aus der Region ihr eigenes Erbe aufnehmen, werden sie auch zu einer tieferen Kenntnis der menschlichen kulturellen Errungenschaften geführt, sie werden bereichert durch andere Standpunkte und geformt in Einsicht, Toleranz und Frieden.“

Ein wichtiger Aspekt in der Erziehung ist es, eine Umgebung für interreligiöse Beziehungen zu schaffen. Erziehung führt nicht nur zur Formung von Persönlichkeiten, sondern auch zum Respekt vor der Persönlichkeit anderer (..). „Tatsächlich besteht kein Gegensatz zwischen der Notwendigkeit, in seiner eigenen Religion und kulturellen Tradition fest verwurzelt zu sein und gleichzeitig offen zu sein für die Persönlichkeit der anderen.“(1)

Diese Erziehungsphilosophie wird in allen Schulen des Lateinischen Patriarchats seit der Mitte des 19. Jahrhunderts angewandt. Unsere erste Schule wurde in Salt eröffnet, gefolgt von anderen in den ärmsten ländlichen Regionen Jordaniens, und heute haben wir mehr als hundert Schulen in Jordanien, Galiläa und Palästina. Die Gründung der Bethlehem Universität vor 40 Jahren und die der Amerikanischen Universität von Madaba sind die natürliche Fortsetzung unseres Bestrebens und ein weiterer Beweis dafür, dass wir an die Macht der Erziehung glauben als wirklich positive Wandlung in den Herzen der jungen Generation und als Baustein für eine gedeihende Gesellschaft und eine starke Nation.

Gemäß dem Weg der Haschemitischen Führer ist die Amerikanische Universität von Madaba offen für Diversität. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit und die Allianz mit lokalen, regionalen, europäischen und amerikanischen Universitäten und Organisationen.

Eure Majestät, liebe Freunde,

da wir uns dem Ende eines zweiten erfolgreichen akademischen Jahres nähern, danke ich Ihnen allen für den Fortschritt, den wir bereits erzielt haben.

Ich drücke den jordnanischen Behörden meine tiefe Dankbarkeit für ihre dauernde Zusammenarbeit aus, der Belegschaft und den Lehrern für ihren Einsatz und ihr professionelles Engagement für unsere Aufgabe und Vision, und euch, lieben Studenten, die ihr die Hoffnung für die Zukunft dieses Landes seid.

An diesem Punkt ist es meine heilige Pflicht, zwei Personen zu nennen, denen unsere tiefste Dankbarkeit gebührt, weil sie an die Erziehung glaubten und hart arbeiteten, um ihre Vision einer modernen Universität in Jordanien zu erreichen. Es sind dies mein Vorgänger Patriarch Emeritus Michel Sabbah und der emeritierte Bischof Salim Sayegh.

Eure Majestät, ehrenwerte Gäste,

wir erleben heute ein historisches und erinnerungswürdiges Ereignis, das uns inspirieren und mit Gottes Segen unser Engagement für die jüngere Generation erfüllen wird. Mit Ihrer Unterstützung und Ermutigung freuen wir uns, als Zivilgesellschaft und private Universität, darauf, mit unserer Regierung und anderen staatlichen Institutionen Hand in Hand zusammenzuarbeiten, um wissenschaftliche Erkenntnis, ethische Weisheit, interkulturellen Dialog, menschliche Entwicklung, Toleranz, Frieden und Fortschritt in der Region zu fördern. Lassen Sie uns miteinander eine starke, freudige, leidenschaftliche und hilfsbereite Gemeinschaft von Erziehern und Studenten bilden.

Mabrouk Ihnen allen.

+ Fouad Twal
Lateinischer Patriarch von Jerusalem

(Quelle: Lateinisches Patriarchat von Jerusalem, 10/06/2013)