Ein Irak ohne Christen?

750 Mordopfer und 20.000 Auswanderer in den letzten fünf Jahren

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WIEN, 1. April 2009 (ZENIT.org).- In den vergangenen fünf Jahren seien im Irak 750 Christen getötet worden, und nicht weniger als 20.000 hätten das Land verlassen: Diese erschütternden Zahlen präsentierte der chaldäisch-katholische Erzbischof von Kirkuk, Louis Sako, am 25. März bei einem Pressegespräch in Wien. „Das ist eine Tragödie für uns", kommentierte der Hirte, der auf Einladung von Kirche in Not, Christian Solidarity International und Pro Oriente nach Österreich gekommen war.



Erzbischof Sako rief zur Solidarität mit den Christen im Irak auf, damit ihnen nicht ein ähnliches Schicksal widerfahre und das Christentum nicht ganz verschwinde. Die Auswanderungswelle gehöre zu den ganz großen Herausforderungen der Kirche, betonte er. Vielerorts würden die Christen mit den US-Besatzern, die in der Merhheit ja Christen sind, in Zusammenhang gebracht, was Vorurteile  fördere und Hass schüre.

Neben der wertvollen Hilfe von internationalen Einrichtungen wie „Kirche in Not" ist es nach Worten des Erzbischofs dringend erforderlich, mehr politischen Druck auf den Irak auszuüben, damit auch dort die Menschenrechte der Christen geachtet würden. Wenn die Christen, die im Irak auf eine 2000jährige Tradition zurückblicken könnten, tatsächlich vertrieben werden sollten, ginge auch ein Teil der Kultur und Geschichte des Landes verloren.

„Wir haben viele Probleme, aber wir haben auch viel Hoffnung", bekannte Erzbischof Sako. „Wir haben keine Angst, aber wir möchten zusammen mit den Muslimen im Irak in Frieden leben." Der Weg zum Miteinander gehe über den so genannten „Dialog des Lebens", der Zuversicht aufkommen lasse, allerdings seien die Muslime gefordert, sich mit der für sie neuen Vorstellung einer „verantwortlichen Freiheit" des Menschen auseinanderzusetzen. „Die Muslime leben wie im siebten Jahrhundert, und das ist ein Problem."

Mit dem Abzug der US-Truppen werde die Lage für die Christen im Irak immer unsicherer, weil es noch zuwenig einheimische Sicherheitskräfte gebe. „Unter Saddams Regime hatten wir Sicherheit, aber keine Freiheit. Heute haben wir Freiheit, aber das Problem ist die Sicherheit."