Ein Kind durch die Fürsprache von Maria Goretti

Am kommenden 22. Juli wird in Nettuno die "Tochter des Wunders" der jungen Kanadierin Marcy Julien getauft

Rom, (ZENIT.org) Federico Cenci | 544 klicks

Das Leben ist ein Geschenk Gottes. Ein wunderbares Zeugnis in diesem Sinne erreichte uns diese Tage von der anderen Seite des Atlantik. Es handelt sich um die Geschichte einer unerwarteten Schwangerschaft, die ein trauriges und scheinbar unveränderliches Schicksal besiegte und auch die pessimistische Gewissheit der Ärzte widerlegte. Alles war auf die Geburt des so sehr herbeigesehnten Kindes ausgerichtet.

Diese zutiefst berührende Gnade wurde zwei etwas über zwanzigjährigen Eheleuten aus Kanada zuteil. Die Frau, Marcy Julien, war seit langem erfüllt von Enttäuschung angesichts der Unmöglichkeit, ihre innerste Berufung als Frau, die Mutterschaft, zu verwirklichen. Der Grund dafür waren die wiederholten Misshandlungen seitens des Stiefvaters in ihrer Jugend. Betrübt wandte sich Marcy Julien an mehrere medizinische Experten auf dem Gebiet der Gynäkologie, doch jedes Mal wurde ein negatives medizinisches Gutachten ausgestellt: Aufgrund ihrer körperlichen und psychischen Schäden sei der Patientin die Fortpflanzung unmöglich. Sie war gezeichnet von tiefen Wunden an ihrem Körper und im Herzen.

Mit ihrem Mut, trotz allem daran zu glauben, konnten die beiden Eheleute heilen, was aus menschlicher Sicht als irreparabel galt. Dieser Strang der Hoffnung, der sie nach der leidvollen Erfahrung des ersten medizinischen Bescheides dazu bewog, nicht aufzugeben, erwies sich als unzerstörbar und sollte nicht durch die Begegnung mit einem Arzt, sondern mit einer italienischen Heiligen Früchte bringen. Auch sie war eine junge Frau gewesen, der feigsten und schändlichsten Form der Gewalt zum Opfer gefallen und von christlicher Barmherzigkeit durchdrungen, die es ihr ermöglichte, ihrem Peiniger zu verzeihen. Im Juni 2012 beherbergte Kanada die Statue der hl. Maria Goretti. Nach einer langen Reise quer durch den nordamerikanischen Kontinent gelangte diese auch nach Toronto, der Heimatstadt des Ehepaars. Marcy ereilte die Nachricht über das Fernsehen. Sie beschloss, sich gemeinsam mit ihrem Mann zu der Statue zu begeben. Dort angekommen, knieten sich die beiden zu den Füßen der Heiligen nieder und beteten um die Gnade, ein Kind geschenkt zu bekommen. Nach dem innigen Gebet kehrten die beiden, getragen von der freudigen Gewissheit, zumindest nicht alleine zu sein, nach Hause zurück. Wenige Tage später hatte Marcy Julien in einem Traum ein sehr lebendiges und überraschendes Erlebnis. Die junge Frau bezeichnete diesen Traum als Vorankündigung, der in ihr einen Impuls für erneuertes, beharrliches Vertrauen auf die Möglichkeit einer Mutterschaft freisetzte.

Nach dieser Begebenheit stellte Marcy fest, schwanger zu sein. Die Ärzte waren verwirrt und fast bestürzt angesichts dieser vollkommen im Gegensatz zu den medizinischen Gewissheiten stehenden Nachricht. Aus dem Traum wurde Wirklichkeit. Neun Monate nach dieser wunderbaren Nachricht erblickte Mercedes Maria Ferreira das Licht der Welt, die „Tochter des Wunders“, wie jemand sie schon genannt hat. Dies ist ein schöner Preis für ein Paar, das trotz des Schmerzes niemals aufgehört hat, den Blick vertrauensvoll dem Himmel zuzuwenden.

„Mary erzählt von ihrem Traum von Maria Goretti und darüber, deren Gegenwart auch und vor allem während des Prozess gegen den Stiefvater gespürt zu haben“, so Roberto Porcari, der Präsident der seit 2007 zur Förderung des Kultes bestehenden „Associazione Santa Maria Goretti di Nettuno“ (Vereinigung von der hl. Maria Goretti von Nettuno) gegenüber der Zeitung „Il Tempo“. An diesem Prozess hätte Mary Julien aufgrund mancher qualvoller Erinnerungen niemals teilnehmen wollen. Gerade die Hilfe der Heiligen verlieh ihr jedoch die Kraft, die schrecklichen Momente in den Gerichtssälen zu bewältigen. Porcari führte aus: „Aus diesem Grund hat das Paar zum Zeichen der Verehrung um die Möglichkeit gebeten, ihre Tochter in Nettuno taufen zu lassen. Die Wahl fiel auf den Monat Juli, in dem der Heiligen im Rahmen von Prozessionen, Fußwallfahrten und Festen gedacht wird.“

Somit wird das Kind am kommenden 22. Juli im Heiligtum von Nettuno, wo die hl. Maria Goretti ihr Martyrium erlitten hatte, getauft werden. Zelebrant wird der Bischof von Albano Marcello Semeraro sein. Da die Geschichte ihn sehr berührt hatte, erklärte er sich dazu bereit, die Taufe zu vollziehen, obwohl derartige Feiern in dem Heiligtum normalerweise nicht stattfinden. Das kleine Mädchen und ihre Eltern werden bis zum 27. Juli zu Gast in der Küstenstadt sein.