Ein Kinderbuch als Sprachrohr des kämpferischen Atheismus

Von Alexander Riebel

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WÜRZBURG, 11. März 2008 (Die-Tagespost.de/ ZENIT.org).- Offensichtlich ist es besser erträglich, wenn nicht nur eine, sondern gleich mehrere Religionen angegriffen werden. So hat am Donnerstag die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften über das atheistische Kinderbuch „Wo bitte gehts zu Gott? fragte das kleine Ferkel – Ein Buch für alle, die sich nichts vormachen lassen“ von Michael Schmidt-Salomon (Autor) und Illustrator Helge Nyncke, (Alibri Verlag 2007, 35 Seiten) entschieden: Es sei nicht jugendgefährdend.



Das Bundesfamilienministerium hatte gegen das Buch des Vorstandssprechers der atheistischen Giordano Bruno Stiftung, Schmidt-Salomon, geklagt mit dem Antrag, es in die „Liste der jugendgefährdenden Medien aufzunehmen“. In dem Indizierungsantrag hieß es: „In dem Buch werden die drei großen Weltreligionen Christentum, Judentum und der Islam verächtlich gemacht. Die Besonderheiten jeder Religion werden der Lächerlichkeit preisgegeben.“ Ein Bild zeige einen Rabbi in der unsympathischen Art, „wie er einem Vertreter des christlichen Glaubens eine Schriftrolle auf den Mund drückt und ihn zu ersticken droht... Mit dem Buch, das sich in seiner äußeren Gestalt auch schon an kleine Kinder richtet, wird demzufolge ein Bild vermittelt, wonach Juden auch vermittels Gewalt ihren Glauben durchsetzen und das Bestreben haben, alle anderen Religionen zu vernichten... In der Gesamtbetrachtung weisen Text und Abbildungen des Buches mithin antisemitische Tendenzen auf. Das Buch ist somit geeignet, Kinder und Jugendliche sozial-ethisch zu desorientieren.“ Nur sozial-ethisch? Es bleibt unverständlich, warum es in dem Antrag nicht heißt, dass die Desorientierung in erster Linie die Religionen betrifft. Denn gegen sie richtet sich der Angriff des Buchs. Schon Titel und Untertitel machen es deutlich: Ferkel fragen nach Gott, und dass man sich von den Religionen nichts vormachen lassen soll, stellt diese von vornherein als unwahr dar.

Worum geht es in dem Buch? Ein Ferkel und sein Freund, der Igel, lesen auf einem Plakat an ihrer Hauswand: „Wer Gott nicht kennt, dem fehlt etwas!“ Sie erschrecken und machen sich auf den Weg, nach Gott zu suchen. Ein Fuchs gibt ihnen die Auskunft, Gläubige hätten Gott ein Haus auf dem Tempelberg gebaut, aber „die Leute da oben sind ziemlich verrückt!“ und zeigt sich mit dem Finger auf die Stirn. Gleich zu Anfang werden also Gläubige als verrückt dargestellt. Im Urteil der Bundesprüfstelle heißt es zur Verhöhnung und Verachtung der Religion: „Dass in dem Buch Religionskritik geübt wird und dessen Inhalt möglicherweise das religiöse Empfinden der Gläubigen der drei dargestellten Religionen verletzt, war für die Bundesprüfstelle nicht entscheidungserheblich, da dies keinen Tatbestand der Jugendgefährdung darstellt.“

Doch wie geht es weiter im Buch? Ferkel und Igel kommen zu einer langen Treppe, die wohl zum Tempelberg führen soll. Auf einem Plakat ist ein Affe mit Heiligenschein und Kerze zu sehen, der die Finger zu einem Peace-Zeichen spreizt. Ein Rabbi erzählt den beiden nun von der Sintflut. „Alle Menschenbabys, alles Omas und alle Tiere“ hätten sterben gemusst, selbst die „Schmetterlinge und kleinen Meerschweinchen“. Für Kinder wird hier das Zerrbild entworfen, als sei die angeblich böse Religion an allem Schuld, denn auch die Abbildung hierzu zeigt einen drohenden und schreienden Rabbi mit einem Gespenst auf dem Hut. Das Ferkel sagt später zum Igel, der Rabbi habe die Geschichte sicher nur erfunden, um ihnen Angst zu machen. Auch ein Bischof wird bösartig dargestellt. Als er erklärte, dass die Oblaten keine Plätzchen, sondern der Leib des Herrn seien, rief das Ferkel über die Christen: „Das sind Menschenfresser“. So lassen die Macher des Buchs keine Dummheit aus, die Religion nicht nur lächerlich zu machen, sondern auch deren theologischen Sinn ins Absurde zu wenden. Ebenso wird auch mit dem Islam verfahren.

Am Ende sind Ferkel und Igel wieder zu Hause. „,Ohne Gott hatten wir keine Angst!‘, sagte der Igel. ,Stimmt!‘, meinte das Ferkel. ,Aber hat dir die Angst gefehlt?‘ ,Nee!‘, antwortete der kleine Igel.“ Fairerweise hätte der Autor darauf hinweisen müssen, dass die Menschen in den ältesten Kulturen nur in Angst lebten und das Christentum diese Angst durch die Liebe Gottes nehmen konnte. Und auch in einer atheistischen Gesellschaft regiert die Angst, weil niemand mehr vor der Willkür des Staates sicher sein kann. Wie intolerant und manipulierend der Atheismus ist, zeigt schon der Schluss des Buchs. Die beiden Tiere reißen das Plakat „Wer Gott nicht kennt, dem fehlt etwas“ von der Wand und basteln Papierflugzeuge daraus. Wer Kindern dieses Buch zumutet, überlässt sie dem kämpferischen Atheismus, der keine freie Meinung zulässt.

[© Die Tagespost vom 11. März 2008]