Ein Kuss als Friedensgruß

Geste muss nicht unbedingt für alle gleich sein

Rom, (ZENIT.org) Edward McNamara LC | 569 klicks

P. Edward McNamara, Professor für Liturgie am Päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum“ in Rom, beantwortet Leserfragen. 

Frage: Ich habe gemerkt, dass es verheiratete Ehepaare gibt, die sich beim Friedensgruß nicht die Hand reichen, sondern einander einen Kuss auf die Wange geben. Meinem Verlobten gefällt der Gedanken, dass Eheleute ein besonderes Zeichen austauschen. Ist das begrüßenswert oder ist es verboten? Meine einzige Schwierigkeit damit wäre, dass es sich um einen Gruß handelt, der für bestimmte Personen reserviert ist (ich würde ihn nicht mit anderen austauschen), und das, wo man doch mit allen, die in der Nähe stehen, den Friedensgruß austauschen sollte. -- N.M., Canberra, Australien 

P. Edward McNamara: In Bezug auf die Art und Weise, wie man den Friedensgruß austauscht, sind die Bestimmungen eher locker. Unter Nr. 82 hält die Grundordnung des Römischen Messbuchs fest: 

„Es folgt der Friedensritus, in dem die Kirche Frieden und Einheit für sich selbst und die ganze Menschheitsfamilie erfleht und die Gläubigen einander die kirchliche Gemeinschaft und die gegenseitige Liebe bezeugen, ehe sie das Sakrament empfangen.“ 

„Was das Friedenszeichen selbst betrifft, ist seine Form von den Bischofskonferenzen entsprechend der Eigenart und den Bräuchen der Völker zu bestimmen. Es ist aber angebracht, dass jeder nur mit den Nächststehenden auf schlichte Weise das Friedenszeichen austauscht.“ 

Hierzu fügt die Instruktion Redemptionis Sacramentum weitere Details hinzu: 

„72. Es ist angebracht, «dass jeder in schlichter Weise nur seinen Nachbarn den Friedensgruß gibt». «Der Priester kann den Friedensgruß den Dienern geben, bleibt aber immer innerhalb des Presbyteriums, um die Feier nicht zu stören. Dies soll er auch beachten, wenn er aus einem gerechten Grund einigen wenigen Gläubigen den Friedensgruß entbieten will». «Die Art des Friedensgrußes soll von den Bischofskonferenzen», deren Beschluss vom Apostolischen Stuhl rekognosziert werden muss, «entsprechend der Eigenart und den Bräuchen der Völker bestimmt werden.“ 

Nach der Bischofssynode über die Eucharistie hat Benedikt XVI. in seinem Apostolischen Mahnschreiben Sacramentum Caritatis die folgenden Überlegungen angestellt: 

„Der Austausch des Friedensgrußes 

49. Die Eucharistie ist von Natur aus ein Sakrament des Friedens. Diese Dimension des eucharistischen Mysteriums findet in der liturgischen Feier seinen besonderen Ausdruck im Austausch des Friedensgrußes. Zweifellos handelt es sich um ein Zeichen von großem Wert (vgl. Joh 14,27). In unserer so erschreckend konfliktbeladenen Zeit bekommt diese Geste auch unter dem Gesichtspunkt des allgemeinen Empfindens eine besondere Bedeutung, insofern die Kirche die Aufgabe, vom Herrn das Geschenk des Friedens und der Einheit für sich und für die gesamte Menschheitsfamilie zu erflehen, immer mehr als eigenen Auftrag wahrnimmt. Der Friede ist sicherlich eine nicht zu unterdrückende Sehnsucht im Herzen eines jeden. Die Kirche macht sich zur Wortführerin dieser Bitte um Frieden und Versöhnung, die aus dem Innern jedes Menschen guten Willens aufsteigt, und richtet sie an den, der ‚unser Friede‘ ist (Eph 2,14) und der auch Völker und Einzelpersonen miteinander versöhnen kann, wo menschliche Versuche scheitern. Aus all dem wird die Intensität verständlich, mit der in der liturgischen Feier der Ritus des Friedens häufig empfunden wird. Dennoch wurde in diesem Zusammenhang auf der Bischofssynode betont, dass es zweckmäßig ist, diese Geste, die übertriebene Formen annehmen und ausgerechnet unmittelbar vor der Kommunion Verwirrung stiften kann, in Grenzen zu halten. Es ist gut, daran zu erinnern, dass der große Wert der Geste mitnichten geschmälert wird durch die Nüchternheit, die notwendig ist, um ein der Feier angemessenes Klima zu wahren; man könnte zum Beispiel den Friedensgruß auf die beschränken, die in der Nähe stehen.“ 

Nach der Synode wurde darüber diskutiert und von verschiedener Seite die Frage gestellt, ob man den Augenblick, in dem der Friedensgruß ausgetauscht wird, beibehalten oder ändern sollte. Alles in allem kam man zu keinem definitiven Ergebnis, doch sprach man sich generell dafür aus, ihn an der traditionellen Stelle vor der Kommunion zu belassen. 

Wenn wir die erwähnten Texte in Betracht ziehen, können wir Folgendes sagen: 

-- Falls die Bischofskonferenz in Bezug auf die Form des Austauschs des Friedensgrußes Bestimmungen getroffen hat, die von Rom anerkannt wurden, dann sind diese verpflichtend. 

-- Falls die Bischofskonferenz keine Bestimmung getroffen hat, dann sollte der Friedensgruß entsprechend der regionalen Bräuche auf schlichte Weise mit denjenigen ausgetauscht werden, die in der Nähe stehen. 

-- Die regionalen Bräuche können sehr verschieden sein. In einigen Ländern sind eine Verbeugung und ein Lächeln üblich, in anderen ein Händedruck, in wieder anderen ein Händedruck und eine Verbeugung. 

-- Man könnte wohl leicht überzeugend dafür argumentieren, dass in einigen Kulturen – unter Ehepartnern – ein kurzer Kuss auf die Wange ein passendes Zeichen für den Friedensgruß darstellt, wohingegen ein Händedruck zu förmlich wirken würde. Unterschiedliche Gesten für nahe Verwandte und für andere Personen könnten wohl auch regionale Bräuche sehr gut zulassen, ohne dass irgendjemand daran Anstoß nehmen würde. 

Anders ausgedrückt, wenn regionale Gepflogenheiten Unterschiede leicht akzeptieren, muss die Geste, die man beim Friedensgruß benutzt, nicht unbedingt für alle dieselbe sein – es sollte nur kein unnötiges Hin und Her entstehen und übertriebene Gesten sollten vermieden werden. 

Übersetzt von P. Thomas Fox, LC, aus dem englischen Originalartikel Kissing at the Sign of Peace