Ein Kuss für Christus

Priestererlebnis von Julio Argentino Ferreira, Argentinien

Wien, (ZENIT.org100Wunder) | 587 klicks

1998 verbrachte ich mit der Erlaubnis meines Bischofs einige Monate in einem Wallfahrtsort. Meine Aufgabe bestand darin, um drei Uhr nachmittags die heilige Messe zu zelebrieren und dann Beichte zu hören. Wallfahrtsorte werden meist von wirklich demütigen und armen Pilgern besucht. Es näherte sich der Festtag der Jungfrau und Patronin des Wallfahrtsortes. Es wurde ein sehr heißer und schwüler Sonntag, an dem etwa 300.000 Pilger eintrafen.

Ein junger Mann, der sehr verschwitzt war und große Flecken im Gesicht hatte, kam auf mich zu: „Padre, können Sie mir bitte die Beichte abnehmen? Sie ekeln sich hoffentlich nicht vor mir! Schon seit langer Zeit will niemand mehr mit mir sprechen und alle meiden mich… Wissen Sie, ich bin an Aids erkrankt und die Ärzte meinen, dass mir nur noch wenige Tage zu leben bleiben.“

Beschämt muss ich zugeben: Zuerst fühlte ich wirklich Ekel und Abneigung. Aber der Herr und die Patronin des Wallfahrtsortes gaben mir Mut. So antwortete ich ihm: „Sicher, Bruder… Komm näher.“ Er begann mit seiner Lebensgeschichte, von wo er herkam und noch vieles andere mehr. Schließlich kam er noch einmal auf sein eigentliches Anliegen zurück: „Padre, ich habe nur noch wenig Zeit auf dieser Welt. Kann ich jetzt auch noch bitte beichten?“ Es war eine großartige Begegnung mit dem barmherzigen und liebenden Vater. Beide von uns erfüllte ein tiefes Gefühl des Glückes und der Dankbarkeit.

Bevor er ging, fragte er mich noch nach meinem Namen und versicherte mir: „Padre, jetzt fühle ich Frieden in mir. Ich werde Sie immer in meinem Herzen tragen, weil ich es Ihnen verdanke, dass ich Jesus heute begegnen konnte! Darf ich Ihnen einen Kuss geben?“ Ich zögerte einen Moment, doch dann sagte ich: „Sicher, mein Freund!“

Sie können sich nicht vorstellen, wie glücklich er war! Er war ein wirklich sanftmütiger und tief gläubiger Mensch. Mit Sicherheit ist er jetzt im Himmel! Ich bin froh, dass ich ihn in den letzten Augenblicken seines Lebens begleiten durfte. Jedes Mal, wenn ich an ihn denke, erinnere ich mich an den gekreuzigten Jesus, der in seinem Leid und seiner Verlassenheit von uns nur geliebt werden möchte und uns im Gegenzug seinen Frieden schenkt.