Ein Leben mit Gott, ein Leben mit den Menschen

Gedanken einer Don-Bosco-Schwester über ihre Berufung

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WIEN, 30. August 2008 (ZENIT.org).- Die 1973 in Wien geborene Don-Bosco-Schwester Martina Kuda feierte Anfang August in der Pfarrkirche Stams/Tirol ihre Ewige Profess. Aus diesem Anlass verfasste sie ein persönliche Zeugnis, das wir an dieser Stelle veröffentlichen.

Die Don-Bosco-Schwestern bilden mit rund 14.500 Schwestern einen der größten katholischen Frauenorden (vgl. http://www.donbosco.at/). In ihrer Lebensweise orientieren sie sich an den Grundsätzen des hl. Johannes Bosco (1815-1888), der als Sozialpionier und Jugendpatron die Salesianer Don Boscos gründete. Die Pädagogik Don Boscos und Maria Mazzarellos (1837-1881), Mitbegründerin und erste Generaloberin, die ebenfalls zur Schar der Heiligen gehört, basiert auf den Grundsätzen einer Erziehung mit Liebenswürdigkeit, Vernunft und Religion und ist auch heute Leitsatz der gegnwärtig rund 80 Don-Bosco-Schwestern in Österreich.

Gemäß dem Motto „Damit das Leben junger Menschen gelingt“ betreibt der Orden an sieben Standorten Kindergärten und eine Schule, wirken die Schwestern in Pfarreien und in der freien Jugendarbeit, führen ein Studentinnen- und ein Schülerinnenheim und laden zu zahlreichen Freizeitveranstaltungen ein.

In der sozialpädagogischen Wohngruppe „Laura“ in Stams/Tirol finden Mädchen im Alter von 8 bis 15 Jahren, die sich in persönlichen, familiären oder gesellschaftlichen Problemsituationen befinden, Aufnahme und Hilfe für eine positive Lebensbewältigung. In den Projekten „Laurita“ und „Amanda“ werden die Mädchen schrittweise in eine immer größer werdende Selbstständigkeit hinein begleitet. Die Don-Bosco-Schwestern sind außerdem gemeinsam mit den Salesianern und der Partnerorganisation Jugend Eine Welt Trägerinnen des Don-Bosco-Flüchtlingswerkes.

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Im Juni 1973 erblickte ich in Wien das Licht der Welt…

Wenn ich so auf meine Kinder und Jugendzeit zurückblicke, kommen mir dazu viele bunte Bilder. Ich habe eine glückliche Kindheit erlebt und durfte erfahren, was Heimat ist. Meine Eltern haben mich sehr behütet, gleichzeitig haben sie mir aber viel ermöglicht, mir viel zugetraut. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar.

Religiös gesehen sind wir eine Art „Fleckerlteppichfamilie“. Meine Großmutter war evangelisch, sowie auch einige meiner Tanten; mein Großvater war zwar katholisch, aber sehr am Buddhismus interessiert; mein Vater ist Zeuge Jehovas und meine Mutter katholisch. Für mich war das ganz normal, ich kannte es nicht anders. Sonntags ging ich in der Früh mit meiner Mutter in die Kirche, abends mit meinem Vater zur Versammlung der Zeugen Jehovas. Heute erkenne ich es als einen großen Schatz.

Es ist für mich ein großes Geheimnis, wie Gott die Menschen auf ihren Wegen führt, wenn es auch manchmal für andere unverständlich ist. Ich traue Gott ganz viel Kreativität zu, dass er Menschen auf völlig unterschiedlichen Wegen zu ihm und somit zu einem Leben in Fülle führen kann. Als eine der schönsten Freuden empfinde ich es, Menschen, besonders Kinder und junge Menschen, auf diesem Weg begleiten zu dürfen.

Ich glaube, ganz tief im Herzen trägt jeder Mensch die Sehnsucht nach einem Leben in Fülle, sehnt sich jeder Mensch danach, ganz er selbst zu werden und die ureigenste Berufung zu leben. Diese Sehnsucht zu entdecken und ihr auf der Spur zu bleiben, ist für mich ein tief spiritueller, spannender Lebensweg, der mich in ungeahnte Höhen und Tiefen des Lebens führt. Es ist für mich der Weg, den uns allen in besonderer Weise Jesus Christus vorausgegangen ist.

Dieser Weg beginnt für mich damit, den Mitmenschen ehrlich und trotzdem respektvoll zu begegnen, ihnen keine Fassade von mir zu zeigen, sondern ihnen als „Martina“ zu begegnen. Er lässt mich sensibel werden für die Freuden und auch die Nöte meiner Mitmenschen und mich als Teil der ganzen Menschheit sehen, in dem Wissen, ich kann zwar nicht „die Welt verändern“, aber immerhin einen kleinen Beitrag dazu leisten, die Erde bewohnbarer zu machen.

Als große Hilfen auf diesem Weg sehe ich die Natur und die Musik. Die Natur hat für mich reinigende und heilende Wirkung. Bei einem langen Spaziergang, einer Wanderung oder einfach dem Bestaunen der Bergwelt komme ich leichter in Einklang mit mir selbst und mit Gott...

Die Musik ist seit meiner Kindheit ein wichtiger Bestandteil meines Lebens und für mich eine Sprache, die viele Menschen verstehen und mit der ich oft mehr ausdrücken kann als mit einfachen Worten. So freut es mich natürlich sehr, dass ausgerechnet Don Bosco bereits gesagt hat: „Wer singt, betet doppelt“.

Einen besonderen Platz in meinem Leben und in meinem Herzen haben die Mädchen der Sozialpädagogischen Wohngemeinschaft Laura in Stams/Tirol, in der ich als Betreuerin arbeite. Sie haben viel dazu beigetragen, Seiten und Fähigkeiten an mir zu entdecken, die ich davor nicht kannte.

Ich wiederum darf ihnen Begleiterin sein auf einem wichtigen Stück ihres Weges, wo es darum geht, die eigenen Talente und Fähigkeiten zu entfalten, den richtigen Beruf zu finden, langsam erwachsen zu werden und eigene Verantwortung im Leben zu übernehmen – und vor allem, Freude und Vertrauen ins Leben zu erfahren.

Der Weg mit Gott ist für mich gleichzeitig ein Weg mit den Menschen, ein Weg geprägt von Beziehungen. Da denke ich an die ersten Menschen, die mich auf meinem Weg so liebevoll begleitet haben: meine Eltern. Da denke ich an alle Menschen, die mich in irgendeiner Form begleitet haben – an die, die mir gute Freunde sind, und an die, die mich durch ihre Art herausfordern; an alle, die in irgendeiner Weise dazu beigetragen haben, dass ich die Martina bin, die ich heute bin.

So kann ich nun mit Freude Ja sagen zum nächsten Schritt in meinem Leben. Ich blicke in Dankbarkeit auf alles bisher Erlebte und schaue hoffnungsvoll in die Zukunft – gespannt, was das Leben mit Gott noch so bringen wird…

Sr. Martina Kuda FMA

[Von der Pressestelle der Salesianer Don Boscos zur Verfügung gestelltes Original]