Ein Mann der „Ökumene der Herzen“ ging heim zum Vater – zum Tod von Helmut Nicklas

Nachruf auf den langjährigen Leiter des CVJM München

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MÜNCHEN, 17. August 2007 (ZENIT.org).- Vor gut einem Jahr machte Helmut Nicklas, jahrzehntelang Leiter des CVJM in München, ZENIT in einem Interview auf eine für ihn „sensationelle Rede“ von Papst Johannes Paul II. aufmerksam. Er sagte: „Bei seinem historischen Besuch in Erinnerung an den 500. Geburtstag von Martin Luther in der evangelischen Christuskirche in Rom – das war übrigens der erste Besuch eines Papstes in einem evangelischen Gotteshaus – sprach Johannes Paul II. für mich prophetische und wegweisende Worte, die heute neu in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt werden müssten. Er sagte, er sähe, ‚wie von ferne die Morgenröte des Advents einer Wiederherstellung unserer Einheit und Gemeinschaft‘.“



Diese Ansprache des Vorgängers von Benedikt XVI. sei „in ihrem prophetischen Weitblick übersehen worden. Sie greift weit auf das 21. Jahrhundert vor.“ Für Helmut Nicklas, der am 16. November 1939 geboren wurde, ist die Morgenröte der Einheit, auf die er gehofft, für die er gebetet und für die er sich unermüdlich eingesetzt hat, am Sonntag zur endgültigen glücklichen Vision geworden: Nach langer und schwerer Krankheit ist er heimgegangen.

Bernhard Stock, Mitgründer der katholischen Gemeinschaft Brot des Lebens, würdigte Helmut Nicklas gegenüber ZENIT als „einen Mann der Einheit, einen wirklichen Apostel Jesu, der die Verbindungen mit den verschiedensten Gemeinden, Werken und Bewegungen in allen christlichen Kirchen gepflegt, gefördert und inspiriert hat“.

Stock erklärte: „Er war mit führend an der Entstehung des ‚Kreises Münchner Leiter‘ beteiligt, ein ökumenisches Treffen von Leitern aus dem Raum München, und am ‚Treffen der Verantwortlichen‘ in Deutschland, das Leiter aus Erneuerungsbewegungen aller Konfessionen zusammenbringt. Zusammen mit den Gründern verschiedener Erneuerungsbewegungen in der katholischen Kirche hat er wohl entscheidenden Anteil am Entstehen der Initiative ‚Miteinander für Europa‘ mit den beiden Treffen in Stuttgart.

Helmut war ein wirklicher Brückenbauer für die Bewegung des Heiligen Geistes in ihren unterschiedlichen Formen in der ungeteilten Kirche Christi, ein Wegbereiter der Einheit, ein Mann, der eine große Vision vom Reich Gottes hatte und auch andere damit angesteckt hat. Und er war für viele ein weiser Ratgeber und väterlicher Freund, auch für mich.“

Helmut Nicklas war von Anfang an Mitglied im Trägerkreis des Europatags christlicher Bewegungen. Die intensive Zusammenarbeit mit katholischen Bewegungen wie Schönstatt, Sant’Egidio oder den Fokolaren lag ihm sehr am Herzen.

Gegenüber ZENIT erklärte der Verstorbene im Mai 2006: „Es gehört auch zur Freiheit eines Christenmenschen, auf jede überzeugende Stimme der Wahrheit zu hören und deshalb auch auf den Papst in Rom.“

Helmut Nicklas war mit dabei, als Verantwortliche von Bewegungen und Gemeinschaften aus dem evangelischen und katholischen Raum im Anschluss an die Feierlichkeiten zur Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre in Augsburg (1999) zusammenfanden. Unter ihnen waren Andrea Riccardi (Gemeinschaft Sant’Egidio), Chiara Lubich (Fokolar-Bewegung), Gerhard Proß (CVJM Esslingen und „Treffen von Verantwortlichen“), und Friedrich Aschoff (Geistliche Gemeinde-Erneuerung in der evangelischen Kirche). Um die Erfahrung des Miteinanders nicht nur Verantwortlichen zu ermöglichen, sondern auch den Mitgliedern der Bewegungen, unterstützte Helmut Nicklas die Veranstaltung „Miteinander – wie sonst“, die im Münchener Liebfrauendom über 5.000 Menschen zusammenführte.

Auf Anregung von Chiara Lubich, die Helmut Nicklas und P. Michael Marmann aufgriffen, schlossen die Verantwortlichen am 8. Dezember 2001 in München ein Bündnis der gegenseitigen Liebe. Es wurde zur Grundlage von allem, was sich später im Miteinander entwickelt hat.

In einem Interview mit dem Magazin „Neue Stadt“ erklärte Helmut Nicklas im Jahr 2004, dass „besonders in Europa nichts die Glaubwürdigkeit des Evangeliums stärker beeinträchtigt hat als die Aufsplitterung und Spaltung der Christenheit“. Für ihn war es „bezeichnend, dass der Findungsprozess unter den Bewegungen seine zwei Brennpunkte ausgerechnet in Italien und in Deutschland hat, also im Land des Papstes und im Land der Reformation“.

Auf einer Pressekonferenz vor dem 1. Kongress in Stuttgart im Jahr 2004 würdigt er den „gigantischen Lernprozess“ im Miteinander der Gemeinschaften.

Ein Höhepunkt im Leben von Helmut Nicklas war der Europatag 2004, als die Verantwortlichen der 175 Bewegungen und Gemeinschaften und über 50 Bischöfe aus der katholischen, orthodoxen, anglikanischen und evangelischen Kirche auf die Bühne kamen und die „Erklärung für Europa“ verlesen wurde.

Darin verpflichteten sich die Bewegungen, tatkräftig am Aufbau eines Europas der Geschwisterlichkeit mitzuarbeiten. Mit langem stürmischem Beifall wurde die Selbstverpflichtung bestätigt. Die 10.000 Menschen in der Halle – verbunden mit den über 100.000 Zuschauern, die weltweit das Ereignis über Satellit verfolgten – fassten sich an den Händen und schlossen ein „Bündnis der Liebe für Europa“. „Welch ein Tag!“ rief Helmut Nicklas damals aus. Und er fügte hinzu: „... den der Herr gemacht hat! Heute ist ein zukunftsweisender Tag, denn wir haben gesehen, wie reich wir miteinander sind. Europa, du kannst dich freuen!“

Für Helmut Nicklas war der Weg zur Einheit nur auf Basis von „drei elementaren Glaubenserfahrungen“ denkbar: „eine wirkliche Liebe zu Gott verbunden mit der Hingabe an ihn, eine Liebe zum Wort Gottes und das Bewusstsein einer Verantwortung für die Menschen, das sich meist in einer Verantwortung für die Bedürftigsten ausdrückt. Die drei Überzeugungen schaffen eine so breite Basis, dass die Vielfalt von Ausdrucksformen all dieser Gemeinschaften davon nicht nur leicht getragen, sondern sogar als Schönheit und Bereicherung empfunden wird.“

Bei aller Begeisterung blieb Helmut Nicklas Realist. So erklärte er gegenüber der „Neuen Stadt“: „Ich glaube, das einzige, was unser Miteinander gefährden kann, ist Eitelkeit, das heißt, wenn man jemand anderem als Gott allein gefallen will.“

Die Beerdigung von Helmut Nicklas fand heute, Freitag, um 10.30 Uhr auf dem Westfriedhof in München statt. Der Abschiedsgottesdienst wird um 14.00 Uhr in der St. Matthäuskirche am Sendlinger-Tor-Platz, Nussbaumstraße 1 gefeiert. Danach gibt es im CVJM-Haus in der Landwehrstraße 13 eine Agape.