Ein Museum in Nagasaki zur Erinnerung an die "verborgenen Christen"

Im Januar 2015 wird die Einrichtung mit dem Ziel einer erneuten Sichtbarmachung der seit mehr als 250 Jahren in vollkommene Verborgenheit gehüllten katholischen Gemeinschaft eingeweiht werden

Rom, (ZENIT.org) | 298 klicks

Im kommenden Januar wird im japanischen Nagasaki die feierliche Eröffnung eines Museums zu Ehren der „Kakure Kirishitan“ stattfinden. Dabei handelt es sich um jene Christen, die Christus und der Kirche trotz grausamer Verfolgung und der vollkommenen Unmöglichkeit der freien Religionsausübung 200 Jahre lang die Treue hielten. Die laut der Nachrichtenagentur „Asia News“ anlässlich des 150-Jahr-Jubiläums der „Rückkehr“ der „Kakure Kirishitan“ ins Leben gerufene Initiative ging aus der Zusammenarbeit zwischen einem Verlag und der katholischen Erzdiözese hervor und wurde von dem 66-jährigen aus Tokyo stammenden Chiyoko Iwanami angeregt. Dieser hegte den Wunsch, dem Zeugnis der unter den Tokugawa [1] der Edo-Zeit (1603-1867) verfolgen Christen zu huldigen.    

Das Museum wird in Nagasaki im Bezirk Heiwarnachi eingeweiht werden. In der Nähe befinden sich die Urakami-Kathedrale und ein Museum, das an die Zerstörungen in Japan infolge des Atombombenabwurfs von 1945 erinnert. Laut Iwanami beeinflusste auch dieses tragische Ereignis die Wahl. Dazu berichtet Asia News: „Eine große Zahl von Katholiken verlor während der Bombenangriffe ihr Leben. Infolgedessen verflüchtigte sich das Gedächtnis der Kakure Kirishitan. Ich will den Menschen vor Augen führen, wie schwierig es ist, in Abwesenheit von Religionsfreiheit seinen Glauben zu verteidigen“.

Die Einrichtung wird sich über eine Fläche von 140 Quadratmetern im ersten Stock eines im Besitz von Iwanami stehenden Gebäudes erstrecken. Mit seinem Verlag veröffentlichte der Japaner verschiedene Werke zur Christenverfolgung und zur Geschichte Nagasakis. Das Erzbistum Nagasaki wird für die Ausstellungsobjekte zuständig sein. Dazu zählen vor allem die derzeit im Nationalmuseum von Tokio gezeigten religiösen Medaillen und Ikonen.

Die „Kakure Kirishitan“ hatten im 16. Jahrhundert das katholische Christentum als Religion angenommen und waren der Kirche trotz der vollkommenen Abwesenheit von Missionaren, Priestern, Religionsfreiheit und -praxis treu geblieben. Nach einer etwa zweieinhalb Jahrhunderte währenden Existenz im vollkommenen Untergrund kam diese verborgene christliche Gemeinde Japans nach der Einweihung der den Christen von den französischen Missionaren überlassenen Kirche von Oura (nahe Nagasaki) „erneut zum Vorschein“.

Während er in der Kirche betete, wurde der Missionar der „Missions étrangères de Paris” (MEP) und spätere erste Bischof von Nagasaki, Pater Petitjean, am 17. März 1865 von einer kleinen Gruppe lokaler Bauern aufgesucht und gefragt, ob es denn möglich sei, Jesus und die heilige Jungfrau Maria zu grüßen. Nach einem Moment der Perplexität hörte sich der Priester ihre Geschichte an: Eine zahlenmäßig große und Rom nach wie vor ergebene christliche Gemeinde war seit den Verfolgungen im 15. Jahrhundert nach wie vor im Land vertreten.  

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FUSSNOTE

[1] eine japanische Shōgun-Dynastie