Ein neuer Humanismus für Europa und die Rolle der Universitäten

Hochschulprofessoren aus ganz Europa kamen in Rom zusammen

| 932 klicks

ROM, 26. Juni 2007 (ZENIT.org).- Hochschulprofessoren aus ganz Europa beschäftigten sich im Rahmen einer internationalen Begegnung (www.university2000), die vom 21. bis zum 24. Juni unter der Schirmherrschaft des italienischen Staatpräsidenten und des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) in Zusammenarbeit mit der Kongregation für das Katholische Bildungswesen in Rom stattfand, mit der Frage eines neuen Humanismus für Europa. Anlass des Treffens war die Unterzeichnung der Römischen Verträge vor 50 Jahren.



In seiner Eröffnungsrede steckte Kardinal Camillo Ruini das Problemfeld „Christlicher Humanismus und die anthropologische Frage“ ab. Professor Georg Winckler, Kanzler der Universität Wien und Präsident der European University Association (EUA), verschaffte den Kongressteilnehmern einen Überblick über die „Rolle der Universitäten in Europa“.

Die teilnehmenden Dozenten konnten sich am vergangenen Freitag für besondere Tagungen anmelden, die an verschiedenen römischen Universitäten ausgerichtet wurden. Der Bereich A vertiefte etwa das Thema „Der Mensch: Abstammung und Biographie“.

In diesem Zusammenhang wurden Fragen aus der Metaphysik ebenso erörtert wie die Grundlagen und der heutige Stand der christlichen Anthropologie zwischen Glaube und Vernunft; die „Erneuerung der Psychologie – theoretische und deontologische Grundlagen“ oder „die Universität als ‚educational community‘ (Erziehungsgemeinschaft): das Paradigma der Kommunikation“ standen ebenfalls auf dem Programm.

Besondere Hervorhebung erfuhren die Fragen nach den christlichen Wurzeln, der Zukunft der Familie und die Rolle der Bioethik im Hinblick auf die Wahrung der Menschenrechte am Beginn des dritten Jahrtausends.

Der Bereich B war der „civitas terrena“, der irdischen Gesellschaft gewidmet, das heißt dem Themenbereich „Gesellschaft, Umwelt, Wirtschaft“. Dabei wurde die „Wirtschaftspolitik der Europäischen Union“ und insbesondere „die ethische und ökonomische Dimensionen der europäischen Arbeitswelt“ analysiert. Im Mittelpunkt stand dabei das Verhältnis Europa-Asien-Afrika.

Der Bereich C berücksichtigte mit einem Akzent auf bioethischen Fragestellungen die naturwissenschaftliche Sicht: Entdeckungen, Erfindungen und Technologien und die Probleme, die mit der Genforschung, der Humantechnologie und der Organtransplantation verbunden sind, wurden zur Sprache gebracht.

Der Bereich D beleuchtete unter dem Leitwort „Kreativität und Erinnerung“ Geschichte, Literatur, Sprache und Kunst. Die Hochschullehrer arbeiteten dabei die Relation von Christentum und Kultur unter dem Aspekt des Humanismus heraus. Eine offene Frage blieb die Suche nach einer Europäischen Identität in Sprache und Kultur. Die Teilnehmer sahen es als sehr wichtig an, das historische Erbe Europas und die moderne und zeitgenössische Bildwelt in der Literatur miteinander ins Gespräch zu bringen. Eine damit verbundene Aufgabe sei die „Bewahrung des architektonischen und kunsthistorischen Erbes“, erläuterten sie.

Im Rahmen des Kongresses fanden auch Konferenzen verschiedener kirchlicher Einrichtungen statt. So lud die Spanische Bischofskonferenz in die Päpstlichen Universität Gregoriana ein, um das Thema „Selbstverständnis und Auftrag der katholischen Dozenten an modernen Universitäten“ zu vertiefen. Dabei wies Bischof Augustín Cortes Soriano darauf hin, dass die Grundlagen eines neuen Humanismus, der aus dem Christentum hervorgehe, nicht durch Improvisation geschaffen werden könnten, sondern dass diese Bemühung Tatkraft, Denkarbeit und Gebet erfordere.