Ein revolutionärer Papst

In nur acht Jahren hat Benedikt XVI. die Kirche erneuert

Rom, (ZENIT.org) Antonio Gaspari | 1377 klicks

Bei seiner Papstwahl wurde er dargestellt als ein strenger Hüter der Tradition, ein alter und unbeugsamer Konservativer. In Wirklichkeit hat Papst Benedikt XVI. in den acht Jahren seines Pontifikats ein Werk der Erneuerung, Reform und Neugründung der Kirche vollbracht, das einer stillen Revolution gleichkommt.

In seiner Meditation zur neunten Kreuzwegstation sagte er am Karfreitag 2005, noch vor seiner Papstwahl: „Was kann uns der dritte Fall Jesu unter dem Kreuz sagen? Wir haben an den Sturz des Menschen insgesamt gedacht, an den Abfall so vieler von Christus in einen gottlosen Säkularismus hinein.“ Das war keine unzeitgemäße Betrachtung, wie gleich die nächsten Worte beweisen: „Müssen wir nicht auch daran denken, wie viel Christus in seiner Kirche selbst erleiden muss? Wie oft wird das heilige Sakrament seiner Gegenwart missbraucht, in welche Leere und Bosheit des Herzens tritt er da oft hinein? Wie oft feiern wir nur uns selbst und nehmen ihn gar nicht wahr? Wie oft wird sein Wort verdreht und missbraucht?“

„Wie wenig Glaube ist in so vielen Theorien, wie viel leeres Gerede gibt es? Wie viel Schmutz gibt es in der Kirche und gerade auch unter denen, die im Priestertum ihm ganz zugehören sollten? Wie viel Hochmut und Selbstherrlichkeit? Wie wenig achten wir das Sakrament der Versöhnung, in dem er uns erwartet, um uns von unserem Fall aufzurichten?“.

„All das ist in seiner Passion gegenwärtig. Der Verrat der Jünger, der unwürdige Empfang seines Leibes und Blutes, muss doch der tiefste Schmerz des Erlösers sein, der ihn mitten ins Herz trifft. Wir können nur aus tiefster Seele zu ihm rufen: Kyrie, eleison   Herr, rette uns (vgl. Mt 8, 25).“ Der Mut und die Kraft, die von diesen Worten ausgingen, überzeugten die Kardinäle und den Heiligen Geist so sehr, dass Joseph Kardinal Ratzinger zum Papst gewählt wurde.

Er widerstand von Anfang an der Versuchung, ein Übergangspontifikat zu führen, in dem er nichts anderes hätte tun müssen als zu verhindern, dass das Schifflein Petri im Sturm der wachsenden äußeren und inneren Angriffe untergeht. Trotz seiner gebrechlichen Gesundheit und der Last seines Alters, nahm er freudig die Aufgabe an, die Kirche zu erneuern und sie auf die große Arbeit der Neuevangelisierung vorzubereiten. Er wusste, wie schwer das sein würde. Als er zum ersten Mal vom Balkon des Petersdoms zur Menge sprach, bezeichnete er sich selbst als einen „einfachen Arbeiter im Weingarten des Herrn“.

Nur wenige verstanden damals den Sinn dieser Worte. Das erste, was ein Arbeiter im Weingarten tut, ist ein Verjüngungsschnitt. In einem Interview für EWTN News erklärte der Apostolische Nuntius in Kasachstan, Kirgisistan und Tadschikistan, Miguel Maury Buendia, Benedikt XVI. habe „eine Reinigung des gesamten Episkopats“ durchgeführt. „Er hat weltweit jeden Monat zwei oder drei Bischöfe ersetzt, weil ihre Diözesen im Chaos lagen oder ihr Lebenswandel fragwürdig war. Die Apostolischen Nuntien der verschiedenen Länder hatten die Aufgabe, zu den Bischöfen zu gehen und ihnen mitzuteilen: ‚Der Heilige Vater bittet Sie, für das Wohl der Kirche von Ihrem Amt zurückzutreten‘. Fast alle Bischöfe haben sich dieser sanften Methode gebeugt und daraufhin ihr Rücktrittsgesuch eingereicht. In zwei oder drei Fällen haben sie sich auch geweigert, und dann hat der Papst sie einfach ihres Amtes enthoben. Und das ist auch eine Aufforderung an alle Bischöfe gewesen: Tut in euren Diözesen dasselbe.“

Eine schwere Aufgabe, die der Reinigung. In der Homilie der ersten heiligen Messe, die er als Papst feierte, bat Benedikt XVI. die Gläubigen: „Betet für mich, dass ich nicht furchtsam vor den Wölfen fliehe.“

Diese Worte, die damals übertrieben hart klingen konnten, sind uns wieder in den Sinn gekommen, als entdeckt wurde, dass der Kammerdiener des Papstes die Privatkorrespondenz des Heiligen Vaters fotokopierte und an Journalisten weiterreichte, die diese Dokumente dann benutzten, um Skandale zu entfachen und die Gläubigen zu verunsichern.

Es wäre aber falsch, sich das Pontifikat Benedikts XVI. als eine bloße, wenn auch heroische Reinigungsaktion innerhalb der Kirche vorzustellen.

Benedikt XVI. hat den zweitausendjährigen Baum der Kirche nicht nur beschnitten, er hat auch seine Wurzeln und die jungen Triebe gestärkt. Es ist uns eine Freude gewesen, seinen wöchentlichen Katechesen zuzuhören und seine Bücher zu lesen. Er hat mit Mut und Weisheit zu den Mächtigen der Welt gesprochen; er hat versucht, die Annäherung zwischen den verschiedenen christlichen Konfessionen zu fördern; er hat Laien und kirchlichen Bewegungen unterstützt, hat dem Klerus und den religiösen Orden Mut gemacht, hat Berufungen erweckt, hat auf unermüdliche Weise zur Beständigkeit in der Beichte und in der Eucharistie aufgerufen, hat für die ganze Kirche das Jahr des Glaubens ausgerufen, damit sie die für die Neuevangeliserung nötige Begeisterung finden möge.

Im Bewusstsein, dass die Menschheit zur Zeit eine schwere Phase ihrer Geschichte durchmacht und dass die Welt die katholische Kirche dringend braucht, hat Benedikt XVI. im Vertrauen auf die göttliche Barmherzigkeit die Rolle eines „emeritierten Papstes“ angenommen und dem Konklave die Vollmacht überlassen, einen neuen Nachfolger Petri zu wählen. Wir wollen dem Herrn für alles danken, was unser geliebter Heiliger Vater Benedikt XVI. für die Kirche und die Menschheit getan hat, und erwarten voller Vertrauen den neuen Papst.